Orden Ogan: The Order Of Fear

0 95

Label: Reigning Phoenix Music
Veröffentlichungsdatum: 5. 7. 2024
Produktion: Seeb Levermann
Albumlänge: 48.10 Min.
Genre: Power Metal
Bewertung: 8.5/10


Orden Ogan sind die deutschen Meister des Power Metals. Schaut man sich an, wie weit die Wurzeln dieser Band zurückreichen (Mitte der Neunziger), lassen sie sich unter den aktiven Bands — gemessen an den veröffentlichten Alben — als legitimste lebende Verbindung zu jenen Gruppen bezeichnen, die in den Neunzigern (und schon in den Achtzigern) einen bleibenden Stempel auf das Erscheinungsbild des Power Metals gedrückt haben. Da schießen einem klassische Werke von Blind Guardian und Running Wild durch den Kopf (bei letzteren endete diese Ära spätestens mit dem Album »Rivalry« 1998). Schmeichelhaft. Und diese Verbindung versteckt auch das neueste Studioalbum von Orden Ogan mit dem Titel »The Order of Fear« nicht — was übrigens wörtlich »Orden Ogan« bedeutet (‚ogan‘ ist der keltische Ausdruck für ‚Angst‘). Mit dem neuen Album betreten wir zugleich ein neues Kapitel rund um den unsterblichen, doch verfluchten Antihelden Alister Vale, der auf den Covern der Orden Ogan-Alben seinen Auftritt hat.

Orden Ogan ändern ihre Formel nicht. Auch nicht, nachdem Gitarrist Tobias Kersting die Band verlassen hat — seine Gitarre hatte den Löwenanteil an der Prägung von Charakter und Werk der ersten fünf Studioalben. Die Entscheidung, die Band zu verlassen, hat so manchen Fan überrascht (der Mann wechselte zu Grave Digger, was für einen solchen Gitarristen eine logische Herausforderung ist). Doch der junge Patrick Sperling hat alle denkbaren Lücken bereits auf dem Album »Final Days« (2021) mehr als brillant geschlossen. Und noch mehr. Auch auf dem neuen Album ist Sperling mit seinen solistischen Eskapaden und atemraubenden Geschwindigkeitsausflügen schlicht unglaublich. Patrick hat sich dabei auf dem neuen Album völlig losgelassen und noch einen Gang höher geschaltet.

Die Fäden hält auch auf dem neuen Orden Ogan-Album das wachsame Auge und das aufmerksame Ohr von Bandchef Seeb Levermann in der Hand, der im Studio auch diesmal weitgehend eine ‚One-Man-Band‘ ist — gerade was die Produktion betrifft. Seine Produktion hat Orden Ogan im Grunde erst definiert. Dass man es mit Orden Ogan zu tun hat, ist so auch auf dem neuen Album sofort erkennbar. Der Leadgesang geschickt hinter Pastellen aus Vokalharmonien verborgen, der unaufhaltsame Geschwindigkeitsmarsch der Doppelbassdrum-Pedale, der (in bester deutscher Powermetal-Manier) im Klangbild heraussticht. Dazu eine neue Serie mehr als eingängiger Leitmotive und der ‚giftig bombastische‘ Effekt der erzeugten Albumatmosphäre — zu verdanken auch dem Luxus der hinzugefügten Orchesterarrangements. Schon beim eröffnenden, ultraschnell angesetzten sonischen Kinnhaken Kings Of The Underworld sind die Markenzeichen des Bandprofils voll präsent.

Genau diese Produktion — eigentlich Hyperproduktion —, die Orden Ogan-Alben zuteilwird und von der auch das neueste keine Ausnahme macht, kann so manchen altgedienten Puristen und Liebhaber des analogen Knöpfedrehens von der Band abschrecken. Clicks und eingespielter Linien gibt es auch auf dem neuen Album jede Menge, und das Ganze wirkt durch dieses übertriebene und üppige Verzieren und Kontrastieren der Klangelemente offen gesagt ausgewaschen und steril. Das muss man in Kauf nehmen, denn die Sache ist was die Kompositionsstruktur betrifft sehr geschickt verpackt — und? Ja, auch hier wird es wieder eine Menge Leute geben, die genau diese Produktion geradezu einfordern, und wie gesagt ist sie gewissermaßen ein essenzieller Baustein der künstlerischen Wiedererkennbarkeit der Band, was im engen Power-Metal-Schablonenjargon von heute extrem schwer zu erreichen ist.

Das gesamte Album, von Kopf bis Fuß, packt einen mit echter Orden Ogan-Intensität. Bombast gibt es auch auf diesem Album im Überfluss. Darin sind Seeb und seine Truppe wahre Meister ihres Handwerks, und das kann ihnen niemand nehmen. Die Favoriten sucht man sich selbst — das steht fest. Die Songs sind von einem theatralischen Dramaeffekt durchdrungen, der mit hymnisch angelegter Refrainsingbarkeit sofort zuschlägt. Pomposität ist der zweite Name von Orden Ogan. The Order Of Fear, Moon Fire, My Worst Enemy, Conquest, Prince Of Sorrow oder die abschließende Mini-Suite, die über acht Minuten lange The Long Darkness. All diese Hymnen klauen sich mühelos gegenseitig die Aufmerksamkeit. Und nebenbei bemerkt: ich habe eben die Hälfte des gesamten Albums aufgezählt. Was erst passiert, wenn die auf Konzertbühnen detonieren? Kurzum — Orden Ogan bleiben genau da, wo ihre Fans sie haben wollen, und mit einem derart pompösen Album werden sie ihre Fangemeinde allenfalls noch weiter ausbauen.

Autor: Aleš Podbrežnik

Trackliste:
1. Kings Of The Underworld
2. The Order Of Fear
3. Moon Fire
4. Conquest
5. Blind Man
6. Prince Of Sorrow
7. Dread Lord
8. My Worst Enemy
9. Anthem To The Darkside
10. The Journey Thus Far
11. The Long Darkness

Besetzung:
Sebastian „Seeb“ Levermann – Gesang
Niels Löffler – Gitarre
Patrick Sperling – Gitarre
Steven Wussow – Bassgitarre
Dirk Meyer-Berhorn – Schlagzeug


Orden Ogan – „The Order Of Fear“ (Reigning Phoenix Music, 2024)
Pošlji komentar

Your email address will not be published.

Ta stran uporablja piškotke z namenom zagotavljanja spletne storitve, oglasnih sistemov in funkcionalnosti, ki jih brez piškotkov ne bi mogli nuditi. Z obiskom in uporabo spletnega mesta soglašate s piškotki. Sprejmi Preberi več

Zasebnost&piškotki