Neal Schon: Universe

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Label: The Music Universe
Erscheinungsdatum: 6. 12. 2020
Produktion: Narada Michael Walden & Neal Schon
Albumlänge: 70.10 min
Genre: Art Rock / Instrumental Rock
Bewertung: 9.0/10


Neal Schon ist einer jener Gitarristen, den jeder in seinem Leben schon gehört hat. Ob er wollte oder nicht. Wenn du zur Generation der Achtziger gehörst, dann auf jeden Fall. Wer dem Kerl auf seinem FB-Profil folgt, konnte im vergangenen Jahr stundenlang Neals gitarristischen Wahnsinn genießen, den er via Webcam geteilt hat. Mehrmals pro Woche hat Neal so seine Follower unterhalten. In seinem Stil. Einzigartig, durchdringend und unverwechselbar. Weil der Typ damit einfach nicht aufgehört hat – es war nämlich jenes Jahr, in dem der Teufel den Spaß davontrug und die Zeit für kreativen Abenteurergeist wieder im Überfluss vorhanden war –, konnte so mancher ahnen, dass im Hintergrund mehr steckt. Ein Album entsteht. Diese Neuigkeit hat Neal relativ spät bekanntgegeben. Knapp einen Monat vor dem offiziellen Release. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Bei der Produktion und den Feinheiten des Komponierens, einschließlich der Schlagzeugarbeit, hat Neal sein neuer Journey-Gefährte unterstützt: der erfahrene und vielseitige Meister des Knöpfedrehens im Studio, Multi-Instrumentalist und Komponist Narada Michael Walden.

Neal Schon ist der Typ, der mit seinen blutjungen siebzehn Jahren 1971 bereits Carlos Santana für Santanas Album »III« begleitete. Ende 1972 gründete er mit Greg Rolie Journey. Der Rest ist Geschichte. Schon gilt seit Jahrzehnten als eine der einflussreichsten Gitarren-Ikonen, die den Sound der Rockmusik popularisiert haben, und besonders wichtig ist sein Beitrag zum Aufstieg des AOR-Genres in den Achtzigern. Großen Zuspruch bekommt Schon aber auch von all jenen, die Jazz-Rock-Fusion verfolgen oder sich einfach von der abenteuerlichen Verschmelzung von Musikgenres angezogen fühlen.

Der Sound von Schons Gitarre bleibt auch auf dem Album »Universe« ein einzigartiges Unikat, ausgestattet mit dem magischen und ungreifbaren Touch eines gewaltigen Charismas und einem Universum an Gefühlen und Emotionen, die das Wesen dieses Musikers ausmachen. Schon der erste Track Something in the Heart lässt sofort erahnen, dass der Rest des Materials ein ganz besonderes und eigenständiges musikalisches Erlebnis liefern wird.

»Universe« ist das neue, hervorragende Album dieses Musikers. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass dieses Schon-Album unter all seinen Solo-Studioalben vielleicht sogar sein aufrichtigstes und umfassend repräsentativstes Werk ist. Der faszinierende Musiker hat sage und schreibe siebzig Minuten Musik darauf eingespielt, und die langweilt dabei keine Sekunde lang. Das Album ist eine Kombination aus neuen Eigenkompositionen, ergänzt durch Schons Coverversionen einiger Klassiker. Von The Beatles über Hendrix, Prince, Stevie Wonder (I Believe), Lucio Dalle (Caruso) bis hin zu John McLaughlin (Be Happy). Allein diese Auswahl deutet auf die ungreifbare, vielschichtige künstlerische Reife von Neal Schon hin. In den Jahren 2020 und 2021 hat Schon wirklich keinen Grund mehr, noch irgendetwas tun zu müssen, das ihm Ruhm einbringen würde. Auf dem neuen Album hat er sich dem eigenen Vergnügen des künstlerischen Ausdrucks hingegeben und einfach genossen. Das spürt man bei jedem Schritt durchs Album. Ein Album, das du immer wieder neu entdeckst, so dicht gepackt ist sein Inhalt. Ein faszinierendes Theater beziehungsweise ein Karussell vielfältiger musikalischer Inhalte, die in einer raffinierten genreübergreifenden Verschmelzung einmal mehr einen magischen Stempel setzen.

Das ohnehin schon bunte Wechselspiel aus Eigenkompositionen und Coverversionen hat Schon meisterhaft auch dadurch kontrastiert, dass sie mit unterschiedlichen Ansätzen eingespielt wurden. Einige hat er einfach so aufgenommen, dass er sie beim ersten Versuch einspielte und die gesamte Lebendigkeit des Originals bewahrte. So zum Beispiel bei Hendrix‘ Voodoo Chile und Third Stone From The Sun. Bei anderen hat er für Orchesterarrangements gesorgt, wofür er die Dienste des Magik*Magik-Orchesters der Gründerin und u.a. Dirigentin Minna Choi in Anspruch genommen hat. Die Stücke Silent Voyage und Lights (das Original gehört Journey) bieten in Zusammenarbeit mit dem Magik*Magik-Orchester eine außerordentlich gelungene Unterlage für die rauschenden und streichelnden Gitarrenmelodien von Neal Schon. Die Klanglandschaft der Stücke gewinnt dabei durch die Pastellfarben des Orchesters zusätzlich an Tiefe und klanglichem Reichtum. Eine besonders brillante und verführerische Version von Princes Purple Rain hat Schon in Nashville auf die Aufnahmespulen gelegt, wobei Gary Cirimelli bei den Orchesterarrangements mitgewirkt hat. Ein Klassiker, den unzählige Interpreten spielen, aber ein Klassiker, der durch die einzigartige Sprache von Neal Schons Gitarrenspiel erneut einen ganz eigenen und unverwechselbaren Stempel bekommt. Hey Jude ist eine interessante Mischung. Schon verleiht dem Stück eine persönliche Note, und es ist nicht einmal klar, dass es sich um ein Cover handelt. Diesen Track hat Neal gerne als festen Bestandteil der Zugaben seiner Konzertauftritte integriert.

Ein Album mit vielen musikalischen Gesichtern und Impressionen, das fasziniert und bezaubert – und wie gesagt: Schon allein vom Titel her, aber auch angesichts der Quintessenz all seiner Werke, höchstwahrscheinlich das repräsentativste Werk dieses brillanten und ungreifbaren Gitarren-Asses.

Noch eine Info für PRS-Gitarren-Fans. Schon hat für das neue Album ausgiebig seine beiden PRS-Gitarrenmodelle mit den Bezeichnungen NS-14 und NS-15 eingesetzt.

Autor: Aleš Podbrežnik


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