Mary Rose und erstklassiger Rock-’n‘-Roll-Wahnsinn im Fieber der Samstagnacht in Žusterna (2025)

foto: ALEŠ PODBREŽNIK 2025
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Mary Rose
Samstag, 18. 1. 2025
Koper / Snack Bar (Aquapark Hotel Žusterna) / Slowenien


Mary Rose sind slowenische Rock-Legenden. Der bestätigte Auftritt der Band in der Žusterna in Koper kam geradezu wie gerufen für die klassische Nachneujahrs-Konzertflaute. Nicht nur bei uns, in unserer Region – das lässt sich auf den ganzen alten europäischen Kontinent übertragen. So ist jeder Januar. Ohnehin sind Mary Rose in den letzten Jahren keine allzu häufigen Gäste auf den Bühnen, obwohl sich für die Band zuletzt einige ziemlich wichtige Dinge ereignet haben. In Postojna feierte sie 2022 ihr 30-jähriges Bestehen, knapp ein Jahr zuvor erlebte sie die Wiederveröffentlichung eines der wichtigsten Alben in der Geschichte des slowenischen Rock ’n‘ Roll, nämlich des Albums „Rocks Off“ – RockLine Rezension. Das Konzert in der Žusterna in Koper war für Mary Rose aber gleichzeitig auch aus einem anderen Grund ein sehr wichtiges Ereignis. Doch dazu bald mehr im weiteren Verlauf dieser Konzertrezension.

Im Team des kultigen Quintetts sind drei sehr erfahrene Musiker. Feste Größen der Band! Und das bleibt auch 2025 so. Das sind: der unnachgiebige Gitarren-Ass, Mann, Mythos und Legende Eki Alilovski, sowie einer der besten Rock- und Metal-Vokalisten unserer Region Žanil Tataj Žak, der gerade sein zweites Studioalbum – das Spitzenwerk „Coda“ – veröffentlicht hat (2025, RockLine Rezension), und natürlich der abgebrühte Ex-Tabujevec und Keyboarder Sandi Trojner. Bassist Anže Stegel, der erstmals mit der Band beim überaus wichtigen Konzert in Postojna auftrat, wo Mary Rose im Herbst 2022 ihr 30-jähriges Bestehen feierten, wird immer mehr zum tragenden Baustein des Bandsounds – aber am Schlagzeug fehlte zum ersten Mal David Debevec. Bitte was? So läuft das eben. Die Band hat sich für das Konzert in Koper durch ein neues Mitglied verstärkt! Das ist Gian ‚Gico‘ Žgur Islami. Ein vollwertiges neues Bandmitglied also!

Der Snack Bar war an diesem Abend brechend voll. Einen Platz weder an der Theke, geschweige denn an einem Tisch, hast du auch dann nicht bekommen, wenn du mindestens anderthalb Stunden vor Konzertbeginn erschienen bist. Am Veranstaltungsort hatte sich eine Menge versammelt – nicht nur Fans von gutem Rock und von Mary Rose, sondern auch so einige Gesichter, die seit Jahren zu den festen Größen der heimischen Musikszene gehören. Seien es Musiker, Journalisten oder einfach jene wichtigen Leute und Musikenthusiasten, die auch mal Management- und Verlagsaufgaben übernehmen. Großartige Energie an der slowenischen Küste also, an einem Samstagabend, der von Minute zu Minute heißer wurde!

Als das Fieber des Samstagabends dem Siedepunkt entgegenstrebte, stürmten um genau 22.00 Uhr unsere legendären Postojnaer Matadoren des Hard Rock und Glam Metal auf die Bühne. Um dieses Mal entspannt guten Sound genießen zu können, musstest du ziemlich weit hinten stehen, ein paar Meter vor dem Mischpult, das sich im Snack Bar an der Wand gegenüber der Bühne befindet. Aber wenn du dich dort hinstelltest, hattest du eine ziemlich schlechte Sicht. Wegen der Säulen, die die Gebäudekonstruktion tragen und sich unweigerlich im Sichtfeld häufen. Wenn du vorne warst, hast du die Energie natürlich unmittelbarer gespürt, aber weniger klar gehört. Wir, durch die Jahre an vieles gewöhnt, haben uns lieber nach hinten verzogen, der Mechanorezeption den Vorzug gegeben und wirklich genossen. Dort waren die Klangelemente, mit dem Vokal-Apostel Žak, sehr gut verteilt, und auch Sandis Keyboards, die im Mix des Klangbilds bei Mary-Rose-Konzerten oft den Kürzeren ziehen, kamen dort sehr gut zur Geltung. In dieser Hinsicht kamen wir besonders im großen Finale auf unsere Kosten, als die Band nacheinander vier Songs des kultigen Debüts „Rocks Off“ herausschoss, in dem die ‚Van-Halen‘-haften Synthesizer der Achtziger einen wichtigen Teil des damaligen Band-Arrangements übernehmen.

Bei dem wie immer atemberaubenden Einsatz von Žak und seiner charakteristischen Bühnenpräsenz, dem immer souveräneren Anže, der sich mit voluminösen Basslinien selbstbewusst auf der rechten Bühnenseite ‚breitgemacht‘ hat, dem unzerstörbaren Talent des einen und einzigen – der ersten Ikone der Band, nämlich Gitarrenvirtuose Eki, dem stets aufmerksamen, feinfühligen und engagierten Sandi, interessierte uns dieses Mal am meisten Gico. David ist einer. Einer für sich. Seinen Doppelgänger wirst du nicht finden. Es wäre pure Zeitverschwendung, wenn die Band einen Schlagzeuger suchen würde, der so ist wie David. Und Gico ist ein anderer Schlagzeuger, der aber seine Rolle in jeder Hinsicht gerechtfertigt hat. Kompatibel. Von Präzision und Explosivität bis hin zu allen gespielten Übergängen und Einlagen. Dabei war das sein erster Auftritt, und der Kerl hat sich in allem äußerst souverän und überzeugend präsentiert – das bedeutet, dass die Band ihn bei den Proben sehr, sehr gut eingespielt hat! Und das ist für das neue Bandmitglied also erst der Anfang.

Die Energie des Veranstaltungsorts, auf dem der Geruch von reichlichem Bratfett aus dem Restaurant schon längst jene undurchdringlichen Zigarettenrauchwolken der miefigen Spelunken von vor zwanzig Jahren und mehr abgelöst hat, war bei den phänomenalen Riffs, der Kanonenrhythmik und der mörderischen Performance von Žak sowie vor allem der hervorragenden Interaktion mit dem Publikum, das eine Menge gute Laune und entspannte Stimmung einbrachte, genau das, was wir (angesichts des alltäglichen Wahnsinns) heute immer mehr vermissen und tatsächlich das, wofür du bei solchen Events hingehst. Hindernisse und Barrieren verschwinden, du spürst Kameradschaft und fühlst Verbundenheit. Der Auserwählten. An einem Ort. Das ist Rock ’n‘ Roll. Das kann dir niemand nehmen!

Mary Rose spielten an diesem Abend ein Repertoire mit dem Hauptaugenmerk auf dem dritten Album „Resnični svet“ (2019, RockLine Rezension), ergänzt durch das nicht minder großartige „Feniks“ (2006, RockLine Rezension) und im großen Finale der Höhepunkt mit vier Klassikern des Debüts „Rocks Off“! Die Songauswahl natürlich wie die große Kirsche obendrauf, aber gleichzeitig dem Repertoire recht ähnlich, das wir letzten Juli auf dem Hauptplatz von Postojna gehört haben. Die Band in allem souverän, wie wir es gewohnt sind, vielleicht nur im Schlussteil, wo sich leichte Erschöpfung bemerkbar machte und das Solo in Action für einen kurzen Moment ‚versiegte‘. Falls jemand es seltsamerweise noch nicht weiß, möchte ich dieses Mal trotzdem betonen, dass wir angesichts von Ekis ernsthaften gesundheitlichen Problemen froh sein können, Mary Rose überhaupt noch auf der Bühne zu sehen. Die verehrte Gitarrenlegende und natürlich die anderen vier haben auch dieses Mal ihr Herz auf der Bühne gelassen. Wie immer, wenn uns nicht nur die Performance selbst, sondern auch die überwältigende Erkenntnis erstaunt, mit was für einem starken Arsenal an Kompositionen die Band aufwarten kann!

Das aufgefrischte Quintett hat also in Koper eine ausgezeichnete Show geliefert und zieht unerschütterlich weiter. Neuen Abenteuern entgegen. Mary Rose sind großartig ins neue Jahr 2025 gestartet! Sie haben eine wunderschöne Show abgeliefert, voll hochgestimmter Spielfreude – das Ergebnis von Talenten, langjähriger Erfahrung und selbstbewusster Hingabe an die musikalische Magie. Am Stück. Ohne Schwankungen. Durchgehend auf höchstem Niveau, getragen von den großartigen Vibes des prallvollen Saals! An diesem Abend konnte einfach nichts schiefgehen. Na ja, nur diese undankbare Erkenntnis, dass das Ganze viel zu schnell vorbei war!

Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik & Edita Klemen

Setlist:
1. Preteklost
2. Vizija
3. Kralj za eno noč
4. Nagon
5. Paranoja
6. Kje si zdaj
7. Sam
8. Stampedo
9. Planet
10. Krivda
11. Ko tako objame
12. Ples
13. Hold On Baby
14. She’s Run Away
15. Rocking Pneumonia
16. Action


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