Mary Rose im Sommerpuls vor der eigenen Haustür (2024)
Mary Rose
Freitag, 12. 7. 2024, um 21:00 Uhr
Postojna / Titov trg / Slowenien
Auch diese Freitage kommen. Endlich. Julifreitage. Eingeklemmt in glühend heiße Hundstage, in denen einem die Nerven durchbrennen können. Tage, an denen man in den unruhigen Himmel starrt, kurz wegschaut – und einen im nächsten Augenblick ‚aus dem Nichts‘ ein giftiger Gewitterguss ‚fragwürdiger Herkunft‘ begräbt. Da ist sie also wieder, die tägliche Irrenanstalt – für den Autor dieser Zeilen war es mal wieder nötig, aus Ljubljana zu flüchten! Dieser höllische Gestank der Straßen Ljubljanas, die unerträgliche Hitze des abstrahlenden Betonurwalds und das Delirium auf allen wichtigen Straßen – dazu die endlosen Pakete an Sadomasochismus seitens der Horden wahnsinniger Touristen und Transportfahrzeuge, die längst alle Grenzen des (fleißig verdrängten) gesunden Menschenverstands gesprengt haben und tief über den Rand ins Chaos abgeglitten sind. All das, was wir dankbar ‚vergoldet‘ und als neue Normalität des Alltags akzeptiert haben. Und so weiter,… Doch manchmal, in den Abendstunden solcher Tage, beruhigen sich die Dinge irgendwie doch und erinnern an die alten ‚Stillleben‘, die Freitage einst mitbrachten.
Sogar das ‚erloschene‘ Postojna, das an Wochenenden nur noch als Schlafstadt funktioniert, schafft es gelegentlich aufzuwachen. Wenn die Stadt an so einem Freitagabend die auserwählte Schar der alten, guten Generation ‚überlebender‘ Metaller und Rocker zusammenbringt, die einst in dieser Stadt und den umliegenden Orten an jeder Ecke herumwimmelten – und deren Gelenke nach all den Jahren des ‚Rostens‘ noch genug Schmierung aufbringen, um sich zu einem Konzert aufzumachen. Auf den Titov trg ‚getrieben‘ hat sie diesmal das Konzert der slowenischen Glam-Metal-Legenden – also der einheimischen, aus Postojna stammenden Hardrocker Mary Rose. Die Zeit rennt. Im Herbst sind es zwei Jahre seit dem Jubiläumsfest, bei dem die Band mit zwei ausverkauften Shows im Kulturhaus Postojna den 30. Jahrestag der Veröffentlichung des kultigen Debüts „Rocks Off“ feierte.
Es ist neun Uhr abends, und der Platz vor der großen Bühne ist recht ordentlich gefüllt. Das Intro zu einer stündigen Party erklingt. Ein kurzes, aber süßes Zusammentreffen – u.a. auch mit einem deutlichen Augenmerk auf das Anklopfen an die Töne der Nostalgie. Die Band war also zeitlich begrenzt. Das Repertoire richtete sich nach dem Material des Albums „Resničen svet“ (2019, RockLine Rezension), dazu kamen Momente des Vorgängers „Feniks“ (2006, RockLine Rezension), wobei den stimmungsmäßigen Höhepunkt der abschließende Teil des Auftritts mit den beiden „Rocks Off“-Klassikern (1990, RockLine Rezension) Hold On Baby und She’s Run Away lieferte – und die letzten Konzertminuten mit einem Strauß Queen-Klassiker krönte.
Einstein muss man nicht neu entdecken. Und auch wenn Mary Rose heutzutage relativ selten auftreten, bleiben sie ein Synonym für erstklassige Auftritte und Rock’n’Roll-Parties. Das Quintett, in dem der unverwüstliche ’schreckliche‘ Vokalakrobat Žak die Aufmerksamkeit auf sich zieht – der wieder eine Spitzenvorstellung ablieferte – und eine der Ikonen des slowenischen Hard Rock, was das Beherrschen der Postulate der sechssaitigen ‚Bibel‘ betrifft – das ist natürlich Eki, ohne den Mary Rose schlicht nicht ist –, funktioniert teuflisch kompakt und perfekt. Im Anfangsteil kratzten die Gitarren leicht aus den Monitoren, aber der Sound wurde schnell auf ein angenehmes Niveau eingeregelt. Gelegentlich zogen Sandis Keyboards ‚den Kürzeren‘, aber ansonsten: eine einstündige Bombe und ein großartiger Konzert-Tornado, den man von so einer Band erwartet und fordert. Zur Prägung der exzellenten Bühnendarbietung trägt die verjüngte Rhythmussektion bei – mit dem huronengleichen Schlagzeug-Jongleur, dem explosiven David, und dem durchgehend ’saitengespannten‘ Bassisten Anže. Mit einem Wort: „Kanonade“. Das Publikum reagierte mit ausgezeichnetem Besuch, besetzte aber erneut Positionen dort hinten, im Radius von ca. 7 m vom Bühnenrand und weiter weg (in Richtung weg von der Bühne), was bei solchen Konzerten in Postojna über die Jahre zur ständigen Praxis geworden ist. Diese Reserviertheit der offensichtlich verinnerlichten charakterlichen Schüchternheit des hiesigen Publikums war eigentlich das einzige kleinere Minus der Veranstaltung – andernfalls hätte das Konzert sehr wahrscheinlich auf ein noch höheres Stimmungsniveau abgehoben!
Mary Rose sind ein lebendiges Relikt der slowenischen Rock-Szene der Achtziger. Das Album „Rocks Off“ sichert ihnen den dauerhaften Status einer Band, die einen der grundlegenden Meilensteine des Heavy Metal und Hard Rock der Achtziger in Slowenien in der Tasche hat. Mary Rose sind Legenden der slowenischen Rock-Szene, und diesen Status kann ihnen niemand wegnehmen. Eki und die Crew haben dabei noch nicht ihr letztes Wort gesprochen – es gibt noch einige unrealisierte Pläne für die nahe Zukunft. Das Konzert in Postojna war zwar kurz, aber voller Qualitäten. Es bestätigte einmal mehr das großartige Vergnügen ihrer Konzertauftritte! So wird es auch in Zukunft bleiben.
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik (Nr. 1 – 22 & 25) & Edita Klemen (Nr. 23 und 24)
Mary Rose – Setlist:
1. Intro
2. Preteklost
3. Vizija
4. Kralj za eno noč
5. Nagon
6. Paranoja
7. Kje si zdaj
8. Sam
9. Stampedo
10. Planet
11. Krivda
12. Ko tako objame
13. Ples
14. Hold On Baby
15. She’s Run Away
16. Queen medley
























