Marko Hietala: Pyre Of The Black Heart

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Label: Nuclear Blast Records
Erscheinungsdatum: 24.01.2020
Produktion: Marko Hietala
Albumlänge: 52.07 min
Genre: Art Rock
Bewertung: 9.5 / 10


Marko Hietala kennt jeder als Bassisten von Nightwish. Der Mann ist ein erstklassiger Musiker — nicht nur ein exzellenter Multi-Instrumentalist und verdammt guter Sänger, sondern auch ein außergewöhnlich begabter Komponist, was die Reihe der Alben seiner heute legendären finnischen Band Tarot beweist, mit der Hietala noch aus den Achtzigern verbunden ist, also aus einer Zeit, die noch deutlich vor der Gründung von Stratovarius liegt.

Hietala hat — als Teil von Nightwish oder in anderen Projekten — immer wieder bewiesen, wie er als brillante künstlerische Figur einem Song mit seinem Beitrag einen unauslöschlichen, persönlichen Stempel aufdrücken kann. Da drängt sich natürlich die rhetorische Frage auf, warum er sich nicht schon früher zu einem Solodebüt entschlossen hat. Die Antwort ist schlicht: Die Verpflichtungen rund um Nightwish, vor allem die letzte Welttournee, die sich über anderthalb Jahre hinzog, ließen das einfach nicht zu. So veröffentlichte Hietala im vergangenen Jahr schließlich Material, das lange herangereift war und das sich für ihn anders anfühlte als alles, was er zuvor gemacht hatte — deutlich persönlicher. Der Mann entschied, dass diese Ideen auf ein Soloalbum gehören. Zunächst erschien das Album auf Finnisch unter dem Titel »Mustan sydämen rovio«, und Ende Januar dieses Jahres kam dann dasselbe Album noch einmal raus — diesmal komplett auf Englisch als »Pyre Of The Black Heart«.

»Pyre Of The Black Heart« ist stilistisch ein völlig unbelastetes Album und lässt sich schlicht nicht mit einem kurzen Genre-Etikett fassen. Hietala verbindet darauf viele verschiedene musikalische Stilelemente miteinander. In dieser Hinsicht ist das Album echte Art! Es hält sogar (bedingt) das Etikett „progressiv“ aus — und wer vielleicht das Gegenteil erwartet hätte, liegt weit daneben: Das hier ist kein Metal-Album. Eher lässt es sich mit spürbaren Einflüssen des alten Rocks der Siebziger verbinden, ebenso mit dem Prog-Rock jener Ära, in dem man Elemente von Pink Floyd heraushört (hört euch allein das Gitarrensolo in For You an), aber auch von Black Sabbath (I Am The Way). Dazu mischst du noch eine Prise Folk-Rock, dazu eine gewisse Versöhnlichkeit mit dem Pop der Siebziger — und hast damit den groben gemeinsamen Nenner dessen, was dich auf diesem Album erwartet. Es steckt voller Details, etwa das geschickte Einweben von programmierten Sampling-Loops in die Arrangements, die perfekt dabei helfen, hochvibrante und brodelnde Atmosphären zu erzeugen. Die dynamischen Übergänge zwischen diesen stimmungsvollen Welten ziehen einen immer wieder neu in ihren Bann. Das Album ist melancholisch, aber gleichzeitig ungemein feierlich und bombastisch! In erster Linie ist es ein Art-Rock-Album. Es trägt ein brillant verinnerlichten Funken Eigenwilligkeit in sich, der mit Markos musikalischer Persona steigt und fällt. Runner Of The Railway zum Beispiel wirkt in allem ungewöhnlich und art-rockhaft, auch wenn man die Einflüsse der alten Schule von Jethro Tull (Folk-Rock-Kniffe) sowie Deep Purple (ein Schwall Hammond-Orgel-Soli) heraushören kann.

Gleichzeitig ist dieses Album auch deshalb einzigartig, weil Markos prägender und durchdringender Vokalcharakter so unverwechselbar ist. Auf dem Album agiert Marko als vokales Chamäleon, und es ist schlicht unglaublich, welch starken Ausdruckscharakter seine Stimme besitzt — sie ist ein wirkungsvoller Generator für eine außerordentlich gefühlvolle, sinnliche Melange aus vielfältigen Emotionen und Leidenschaften. Der Gesang spricht einen stets leidenschaftlich an, kann aber mit seiner Geschmeidigkeit und Intensität auch vollkommene Sanftheit und Feingefühl erreichen. Wenn man den Inhalt eines solchen Albums so abwägt, findet man kaum einen so vollendeten und vielseitigen Künstler wie Marko Hietala.

Die Kompositionen sind ideenreich und fließend. Das Album hebt gleich zu Beginn hoch atmosphärisch ab auf den Flügeln der bombastischen, hymnisch-pompösen Stones und The Voice Of My Father, während das mit einem Pop-Touch versehene Star, Sand And Shadow im Eröffnungsteil überrascht, der von programmiertem Sampling getragen wird — à la Ayreon. Dead God’s Son ist eine der stärksten Kompositionen des Albums, mit einer außergewöhnlich kraftvollen atmosphärischen Steigerung, die in einem brillant wuchtigen Refrainmelodien kulminiert. Das Album besitzt dadurch ein enorm hohes Maß an dynamischer Entwicklung, das auf Schritt und Tritt überrascht. Das Album ist keineswegs anspruchsvoll, aber auch nicht simpel. Wenn man einen Track gehört hat, weiß man nicht, was einen beim nächsten erwartet. Death March For Freedom basiert auf klackernden, vorgeschobenen Basslinien, die etwas von Yes-Sentiment des legendären Chris Squire aufgreifen — und ist dabei künstlerisch eindeutig mehrheitlich von Marko Hietala’s Kompositionsdenken geprägt.

Es ist erwähnenswert, dass Hietala ohne die richtige Studiobesetzung kein so interessantes Album hätte aufnehmen können — neben ihm waren das Schlagzeuger Anssi Nykänen, Gitarrist Tuomas Wäinölä und Keyboarder Vili Ollila. Das Album kulminiert in einer perfekten Verschmelzung der traditionellen Rockschule der Siebziger mit modernen Produktions- und Arrangementimpulsen. Ein in jeder Hinsicht besonderes Produkt, ein ungemein starkes Album, das ein hohes Maß an Ideenreichtum liefert, auf einer Welle von hochdramatischem Theater reitet und dabei durchgehend ein hohes Qualitätsniveau aufrechthält, das über die gesamte Spielzeit keine einzige Sekunde nachlässt. Zweifelsohne eine der stärksten Veröffentlichungen, die in der ersten Jahreshälfte dieses Jahres erschienen sind.

Autor: Aleš Podbrežnik


Tracklist:
01. Stones
02. The Voice Of My Father
03. Star, Sand And Shadow
04. Dead God’s Son
05. For You
06. I Am The Way
07. Runner Of The Railways
08. Death March For Freedom
09. I Dream
10. Truth Shall Set You Free

Besetzung:
Marko Hietala – Gesang, Bassgitarre, Akustikgitarre
Tuomas Wäinölä – Gitarre
Vili Ollila – Keyboards
Anssi Nykänen – Schlagzeug

Marko Hietala – Stones (offizielles Video)
Marko Hietala – Runner of the Railways
Marko Hietala – Star, Sand And Shadows (Konzervideo)
Marko Hietala – Death March For Freedom (offizielles Konzervideo)
Marko Hietala – The Voice Of My Father (offizielles Lyricvideo)
Marko Hietala – „Pyre Of The Black Heart“ (Albumcover)
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