Lelee: Čuka bije pumpa

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Label: Moonlee Records
Veröffentlichungsdatum: 18. 6. 2021
Produktion: Uroš Milkić
Albumlänge: 32.58 min
Genre: Alternative Rock / Post Punk / Indie
Bewertung: 9.0/10


Lelee sind noch eine ausgesprochen interessante und ungewöhnliche Alternativrock-Formation, die unter dem Dach des nicht minder interessanten und unabhängigen Musiklabels Moonlee Records agiert — eines Labels, das sich auf das Aufspüren und Fördern unabhängiger Bands mit Alternativrock-Prägung spezialisiert hat, die vor allem und hauptsächlich aus dem geografischen Raum und dem Erbe des ehemaligen gemeinsamen Staates Jugoslawien stammen.

Es handelt sich um ein Trio mit Sitz in Ljubljana, wenngleich die Truppe aus allen Himmelsrichtungen zusammengewürfelt ist. Sängerin und Bassistin Jelena Rusjan, die viele von uns aus der aktuellen Inkarnation der legendären Borghesia sowie der Band Trus! kennen, stammt ursprünglich aus Belgrad, Gitarrist Damjan Manevski kommt aus Mazedonien, und Schlagzeuger Jan Kmet ist ein waschechter Einheimischer. Eine ausgesprochen interessante Kombination also, die auch ein eigenwilliges und urwüchsiges musikalisches Profil hervorbringt, das der Studioerstling »Čuka bija pumpa« festhält.

Lelee sind hochgradig musikalisch. Und als Trio genau das, was jedes Trio braucht und was wir von einem echten Rock-Trio erwarten. Sie vermitteln ein Gefühl von Ungezügeltheit, von Zügellosigkeit — auch wenn sie auf den ersten Blick gezähmt und sogar gebändigt klingen. Trotzdem spürst du schnell den Funken balkanischer Potenz, den diese farbenprächtig gemischte musikalische DNA erzeugt. Du spürst diese Wildheit, diese Unruhe, die in solchen Konstellationen stets an die Oberfläche drängt und Bands aus diesem Raum mit dem Stempel des Urwüchsigen versieht. Jelenas Leadgesang, Jans monolithische und knochentrockene Drums sowie Damjans durchdringende Basslinien und seine aktive, stellenweise »Cure-eske« Gitarre lassen an Einflüsse aus dem Erbe der alten jugoslawischen Post-Punk- und New-Wave-Schule denken. Zugleich trägt die Band ein verinnerlichtes Indie-Charisma in sich, das sich durchs Album klar wahrnehmen lässt.

Die Band ist dabei auch offen für vielfältige künstlerische Herausforderungen — und das ist sehr gut so, auch im Hinblick auf die Pflege ihres expressiven Charakters und die künstlerische Evolution in der Zukunft. Die Arrangements werden gelegentlich durch den Einsatz von Synthesizern aufgebrochen (Kopnež, Srce), und im Track  Ništavilo kommt zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort auch Saxofon zum Einsatz, das sich ausgesprochen gefällig in die Natur der Kompositionen einfügt. Ništavilo ist eine der interessantesten Kompositionen des Albums — sehr besonders, von der Art eines künstlerischen Ausreißers, wobei die Elemente der Pop-Art-Ästhetik in diesem Track noch zusätzlich intensiviert werden. Selbst David Bowie zur Zeit der Arbeit am Album »Aladdin Sane« hätte sich ihrer nicht geschämt.

Intro und Abschluss sind die ‚aufgedrehtesten‘ Teile des Albums — für das Alternative-Rock-Genre erwartbar und willkommen. Im Speedmodus sticht auf dem Album besonders der abschließende Generacija XYZ heraus, der mit donnernden, peitschenden Drum-Hits und einem wutgeladeneren Gesang den Boden unter den Füßen wegfegt und dem Song den Charakter eines Punk-Rock-Garagenkrachs verleiht. Ansonsten kann die Band durchaus auch ‚artsy‘. Die Substanz der Songs ist nämlich eine ausgesprochen interessante und farbenfrohe Indie-Pop- und Post-Punk-Rock-Bilderschau — die besonders in den langsameren Passagen, vor allem dank der Gesangsproduktion von Jelena Rusjan, die in ihrem gelegentlich ‚benebelt-verträumten‘ Charakter (den die Synthesizer-Pastelle noch intensivieren) klingt, als käme sie aus dem Jenseits (Kopnež) —, sowie dank der bereits erwähnten monolithischen Rhythmusfiguren in solchen Momenten auch eine gewisse ‚Tripoidität‘ evoziert, ja sogar einen leichten Hauch von Psychedelik.

Die Gitarre deckt viel Raum ab — obwohl sie dem Clean-Sound treu bleibt. Dabei entwickelt sie einen nostalgischen »Jangle«-Klang, der phänomenal mit den fetten Basslinien und den geradlinig ausgeführten Rhythmen harmoniert. Vereinfacht gesagt: Das Trio hat seine Energielinien im kreativen Dreieck des klassischen Rock-Trios hervorragend verteilt und positioniert und füllt den Raum, der sich in den Sphären dieser Alternative-Rock-Klanglandschaft öffnet, sowohl im Arrangement als auch in der Ausführung mit großer Kühnheit und Effizienz.

Lelee sind Eigenbrötler — im besten Sinne. Sie entwickeln eine eigenwillige musikalische Natur, die gleichzeitig besonders ist und sich dennoch so vertraut anfühlt wie Atemluft. Diesen musikalischen Charakter verstehen dabei alle Bewohner mit geografischen Wurzeln in Südosteuropa oder der westlichen und zentralen Balkanregion. Lelee sind also eine Band, die die volle Aufmerksamkeit aller Kenner und Erforscher der alternativrockigen Prosa mit Art-Charakter und dem unvermeidlichen Hauch expressiver Ungewöhnlichkeit verdient.

Autor: Aleš Podbrežnik


Tracklist:
1. Izvan sebe (3:39)
2. Fasciniran (sum od mnogu lugje) (3:15)
3. Ništavilo (3:16)
4. Čudo (4:18)
5. Kratkog daha (2:48)
6. Poželuvam (5:15)
7. Srce (3:20)
8. Kopnež (5:10)
9. Generacija XYZ (2:53)

Besetzung:
Jelena Rusjan – Bass, Gesang
Damjan Manevski – Gitarre, Backing Vocals
Jan Kmet – Schlagzeug

Gastmusiker:
Blaž Gracar – Synthesizer auf Track Nr. 8
Andrej Fon – Saxofon auf Track Nr. 3
Uroš Milkić – Synthesizer auf Track Nr. 7, Backing Vocals auf den Tracks Nr. 3 und 9

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