Konzert? Njet, Schlachthaus im Orto Bar (2025)
Niet, Vorband Ember
Samstag, 20. 12. 2025
Orto Bar, Ljubljana, Slovenien
„Ich hab rot gesehen!“
Nachdem ich Niet im akustischen Gewand in Ajdovščina erlebt hatte (9. 8. 2025 – Rockline Konzertrezension), anschließend die Diskografie durchforstet und mich ein bisschen begeistert hatte, war es vor den Feiertagen Zeit, mir endlich auch die knallharte, elektrische Version anzusehen.
In einer komplett neuen und halb unbekannten Besetzung machten wir uns von Ajdovščina auf in den Orto. Die gastronomische Versorgung im Auto war dank Teja und Petra erstklassig, am Steuer saß der zuverlässige Borut.
Als wir unter dem Orto bei einem Lokal zweifelhaften Rufs parkten, stießen wir auf eine Gruppe ausgelassener Blumenkinder aus Gorenjska, mit denen wir die Zeit bis zum Konzert totgelacht haben. Dabei haben wir den Auftritt der Vorband Ember komplett verpasst – die hatte dem Publikum, nach dessen Reaktion bei den letzten Akkorden zu urteilen, einen verdammt guten Eindruck hinterlassen.
Niet eröffneten ihren hochoktanigen Auftritt mit einem älteren Stück, Molk. Boruts la-la-la-la! Und los geht’s! Die Fahrt im altgläubigen Punkerzug des Todes konnte beginnen. Während die anderen stoisch auf der Stelle stehen, ist es natürlich Sänger Borut, der Richtung und Tempo dieses Zuges vorgibt. Wie ihr euch denken könnt: es ging schnell, und die Fahrt war rasant. Das Publikum war von der ersten Sekunde an ekstatisch, fraß Borut aus der Hand, und die Energie ließ bis zum letzten Ton nicht nach. Niet hatten die Setlist (die ihr auf einem der Fotos sehen könnt) grob in Blöcke aufgeteilt – ein paar alte, ein paar neuere, ein paar mittelklassische Nummern, für jeden was dabei. Klassiker hat die Band in ihrem Repertoire mehr als genug, um sowohl Musiker als auch Publikum durchgehend auf Hochtouren zu halten.
Im Parkett war es höllisch heiß, der Schweiß spritzte, das Bier floss in Strömen, und mehr als einmal entlud sich ein blutiger Pogo. Echtes Punker-Chaos, keine Pause in Sicht. Selbst bei den Balladen Bil je maj und Beli prah war diese Dringlichkeit und Ungeduld in der Luft zu spüren, die einen Konzertabend zu etwas Besonderem macht. Wo ich Beli prah gerade erwähne und mir die Setlist auf dem Foto ansehe (siehe Galerie – unten), fällt mir auf, dass die Liste nicht vollständig ist. Scheiß drauf.
Der Club war brechend voll, der Sound schmutzig roh und laut genug, dass es schnitt – aber noch unterhalb der Ohrenstöpselgrenze.
Die rohe Energie von der Bühne hat den ein oder anderen falschen Ton im Gitarrensolo, den verpassten Rhythmus, den verpatzten Vokalmoment überdeckt. Aber bei so einer Punkerparty tragen solche Kleinigkeiten nur zur Live-Atmosphäre bei. Und wie lebendig war dieser Auftritt! Gründungsmitglied und Hauptkomponist, Gitarrist Igor Dernovšek, machte zwar den Eindruck, als wäre die Bühne der letzte Ort auf diesem Planeten, an dem er sein wollte. Dennoch behielt er das Geschehen von seiner Ecke aus im Blick und grinste sich eins ins Fäustchen, wenn er das Chaos im Club sah.
Das Konzert war viel zu schnell vorbei, aber Meister wissen: man muss auf dem Höhepunkt aufhören! Allerdings hielt dieser Höhepunkt an jenem Abend an und an – und es war ein bittersüßes Gefühl, als er verging. Ich war wohl nicht der Einzige, der von Kopf bis Fuß durchnässt in einer Mischung aus Schweiß und Bier endete. Die Band hat geliefert, was wir wollten, und ich bezweifle ernsthaft, dass irgendjemand unbefriedigt nach Hause gegangen ist. So ein Punker-Schuss-Konzert ist genau das Richtige, um die endlose Reihe hartgesottener Metal-Events zu durchbrechen – wie ein Schnaps zwischen einer langen Runde Spritzer.
Die post-koitalen (ups, post-konzertlichen) Momente vergingen mit Plaudern und Fotos mit Gitarrist Robert und Sänger Borut sowie entspannter Diskussion. Danke, Meister!
Text und Fotos: Igorac




































