NEIN! zur Gewalt und JA! zur Musik in Castra

foto: IGORAC 2025
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Niet
Samstag, 9. 8. 2025
Castra (Burgmauer), Ajdovščina, Slowenien


Jede Waffe bringt Leid
Und jedes Leid verwandelt sich in Aufstand

Wenn deine Frau Konzertkarten kauft, sagst du nicht „niet“, auch wenn du kein Fan der Band bist – geschweige denn von akustischen Auftritten. Die Legende des slowenischen Punk habe ich nie live gesehen, aber wie jeder slowenische Hörer etwas härterer Musik habe ich natürlich die Melodien und Texte von Songs wie Lep dan za smrt, Vijolice, Depresija, aber auch post-Habič-Klassikern (Primož Habič, originaler Sänger der Band) wie Ruski vohun und Bil je maj in den Genen.

Die Band wurde für diesen, unplugged, Anlass mit dem Streichquartett Vijolice und Keyboarder Blažem Avsenik bereichert. Mit leichter Verspätung ertönte das Intro, Balada za obešence (eine Vertonung des französischen Dichters François Villon in der Übersetzung von Janez Menart, geschaffen für den Soundtrack der Theatervorstellung Rokovnjači). Die Bühne nahmen die Bandmitglieder und die begleitenden Musiker ein. Mit Erleichterung stellte ich fest, dass sie das Wort „unplugged“ sehr locker nahmen, denn abgesehen von der Akustikgitarre in den Händen des ehemaligen Drinker-Mitglieds Robert Likar saß da (Unplugged-Acts sitzen bekanntlich immer) ein klassisches Rock-Quintett auf der Bühne. Gitarre in den Händen von Igor Drnovšek, dem einzigen Originalmitglied, Bass in den Händen des Jüngsten, Janez Brezigar. Am Schlagzeug das Urgestein, Tomaž Bergant – Breht, und am Mikrofon Borut Marolt, einstmals Sänger der Band Prisluhnimo tišini.

Ab dem Eröffnungssong V bližini ljudi erlebten wir einen energiegeladenen Streifzug durch die Diskografie der Band, mit zwei Verschnaufpausen in Form von Bil je maj und Beli prah. Die Musik ist natürlich purer Punk, der durch Marolts Bariton an Rätselhaftigkeit gewonnen hat. Primož Habič war weniger Sänger und mehr ein Vokalist mit Haltung – und solche Frontmänner sind immer am schwersten zu ersetzen, aber Marolt hat längst bewiesen, dass er das draufhat und es hinbekommt. Seine Interpretationen der älteren Songs sind engagiert und durch zusammengebissene Zähne herausgesungen – so wie es sich bei einer solchen musikalischen und textlichen Grundlage gehört. Da ich die frühe Karriere von Niet nicht aktiv verfolgt habe, liegen mir die neueren Sachen vielleicht sogar noch mehr – besonders herausgestochen haben das neueste Werk Tema rjove skozi mesto (eine echte kleine Punk-Hymne), Ti in jaz in noč in večnost sowie das melodische Rad imam dež.

Natürlich steckt der düstere Kern aber nach wie vor in den Klassikern mit Habič am Mikrofon: das bittersüße Februar, Vijolice, Lep dan za smrt, und natürlich Ritem človeštva, das mit den Worten aus dem Untertitel bitter die grausame Gegenwart verinnerlicht, die wir auf der ganzen Welt erleben.

Das anfangs etwas zurückhaltende Publikum taute beim morbid fröhlichen Ruski vohun richtig auf, und die Party hörte bis zum Ende des Konzerts nicht auf. Bei Vijolice kam es fast zu einem Moshpit mit Marolt mittendrin. Echt irre.

Das Konzert hat mich jedenfalls sehr positiv überrascht – den Jungs fehlt es nicht an Energie, die Songs haben trotz der pseudo-akustischen Arrangements genug düstere Autorität, um unter die Haut zu kriechen und die Haare zu Berge stehen zu lassen. Vielleicht waren die „Vijolice“ aus dem Streichquartett klanglich etwas unterrepräsentiert, aber das hat vielleicht die ursprüngliche Rohheit der Performance verstärkt, was mir sehr gut gepasst hat.

Und noch eine kleine Kritik an die Getränkeanbieter: Es gab kein Bier im Angebot, weil man die Bekanntheit einheimischer Winzer fördern will. Ernsthaft? Niet und Wein? Das passt überhaupt nicht zusammen.

Gespielte Songs (soweit ich alles mitgekriegt habe):
1. Balada za obešence (intro)
2. V bližini ljudi
3. Perspektive
4. Sam
5. Tvoje oči
6. Bil je maj
7. Rad imam dež
8. Dekle izza zamreženega okna
9. Otroške roke
10. Melanholija
11. Depresija
12. Škrati in gosenice
13. Ogledalo
14. Ruski vohun
15. Vidim rdeče
16. Ti in jaz in noč in večnost
17. Tema rjove skozi mesto
18. Lep dan za smrt
19. Molk
20. Ritem človeštva
21. Vijolice
22. Beli prah
23. Strah in krik
24. Februar

Text und Fotos: Igorac


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