Johan Kihlberg’s Impera: Spirit Of Alchemy
Label: Metalville Records
Erscheinungsdatum: 9. 4. 2021
Produktion: Johan Kihlberg
Albumlänge: 39.03 min
Genre: Power Metal/Heavy Metal
Bewertung: 9.0/10
Das Projekt Johan Kihlberg’s Impera meldet sich zurück. Mit einem neuen, diesmal alchemistischen Album. Es handelt sich um ein seit zehn Jahren aktives Projekt des erfahrenen schwedischen Musikers – nennen wir ihn ruhig einen großen Veteranen –, der einst mit den Größen seines Fachs zusammengearbeitet und aufgenommen hat, darunter Kiss, Rainbow, Mötley Crüe, Thin Lizzy und Europe. Anfang April erschien das neue Album seines Projekts. Das bisher härteste. »Spirit of Alchemy« liefert aufgerauten Heavy oder, sagen wir es direkt, unverblümten Power Metal, der ein riesiger Hit gewesen wäre, wenn das Album vor gut zwanzig Jahren erschienen wäre. Diese ursprüngliche Rauheit und Schärfe ist eine hervorragende Kompensation für den übertriebenen Luxus, der einem im Power Metal allzu oft serviert wird. Vor allem ist dieses rohe und direkte Riff-Gewitter ein Genuss, denn es beschwört Elemente des Old-School-Metals vom Anfang der Achtziger herauf.
Kihlberg ist zum Glück also kein Märchenonkel, auch wenn das Albumcover alle möglichen Assoziationen weckt (auch MacGyver wäre begeistert). Im Grunde ist Kihlberg – und das ist keine Neuigkeit – Schlagzeuger, aber natürlich auch Komponist. Wieder hat er eine Crew von Musikern um sich geschart, die seine Kompositionen umgesetzt haben. Zum Leben erweckt. Kihlberg ist also der Kopf dahinter, der Visionär, das zentrale Antriebsrad. Ein Dirigent, der im Hintergrund alle Fäden zusammenhält. Wieder hat er für eine erstklassige Musikerriege gesorgt – eine Truppe schwedischer, wenn man so will Superstar-Namen des Heavy Metal und Hard Rock, angefangen mit Schlagzeuger Snowy Shaw (Therion, King Diamond, Mercyful Fate, Dream Evil, Dimmu Borgir, …), Bassist John Levén (Europe) – der vor Kurzem das Projekt The Crowne mitgegründet hat –, dazu zwei Lion’s Share-Mitglieder: der exzellente Gitarrenvirtuose Larss Chriss und Keyboarder Key Backlund. Basslinien steuern auf dem Album außerdem je für ihren Song bei: Mats Vassfjord – Bassist der kultigen 220 Volt – und der nahezu »allgegenwärtige« Pontus Egberg (u. a. King Diamond, Treat, Wolf).
Mit »Spirit Of Alchemy« ist also nicht zu spaßen. Neben den direkt stechenden Phrasen und den angriffslustigen Schlagzeug-Fills ist die hochenergetische musikalische Ausrichtung des Werks allgegenwärtig und deutlich spürbar. Gleichzeitig findet sich genug Raum für einen Schwall sensationeller Einschübe, die natürlich im Licht neo-klassizistischer Mittel komponiert sind und der Steigerung des dramatischen Spannungsbogens sowie des Druckaufbaus dienen. Aber ohne Süßlichkeit. Keine Angst vor Schmalz. Nicht eine Spur davon auf dem Album. Da die Musikalität nicht nur zur Schau gestellt, sondern verinnerlicht ist, zieht das Album einen hin und wieder auch auf ein gutes Lynch-Riff aus alten Dokken-Zeiten.
Für die Musik, die er schreibt und reproduzieren möchte, hätte Kihlberg kaum eine bessere Wahl treffen können als einen Vokalisten vom Schlage Jonny Lindqvists. Der Typ ist auf der Szene ebenfalls vom Veteranen-Schlag, da er seit fast zwanzig Jahren bei der Power-Metal-Truppe Nocturnal Rites aktiv ist. Und tatsächlich ist auch das Album »Spirit of Alchemy«, wenn man schon nach greifbaren Orientierungspunkten sucht, am nächsten an etwas dran, das an Nocturnal Rites aus alten Zeiten erinnert – und (mit Einschränkungen) an sehr frühe HammerFall. Lindqvist kann in den Lagen »nach Belieben« unterschiedlich viel Rauheit beimischen. Sein Markenzeichen. Hin und wieder nähert sich der Klang, besonders in den höchsten Lagen, einem Michael Sweet (Stryper) an – etwa im Pre-Chorus von All About You. Die gesangliche Darbietung überhöht den Moment des Verderbens, des Okkulten. Das Album trägt durchgehend eine leichte Kontur von Dunkelheit. Die Gitarrenphrasen atmen ausgezeichnet und erreichen ein brillantes Maß an Farbenreichtum und dynamischer Entwicklung, die das Album verkörpern. Larss Chriss erfreut den Hörer mit einigen außergewöhnlichen Gitarren-Kunststücken. Eine Glanzleistung von einem Gitarristen. Es gibt insgesamt neun Songs. Dazu kommt, dass das abschließende, dreieinhalb Minuten lange Battle (ähnliche Mittel benutzten vor zwanzig Jahren und mehr z. B. Virgin Steele) eigentlich ein pompöses, aber ungemein düsteres Abschluss-Instrumental ist, bei dem die orchestralen Arrangements das Ruder übernehmen und das wie ein musikalischer Unterbau für einen filmischen Epilog wirkt – sodass echte Heavy-Metal-Messe-Momente insgesamt acht bleiben, was ausgezeichnet ist.
Man ist tatsächlich überrascht, wie ein Power-Metal-Album im Jahr 2021 noch begeistern kann. Und »Spirit of Alchemy« ist als Titel dafür wie gemacht. Gespielt wird brillant. So wie der Titel es verlangt. Alchemistisch. Es strahlt Unerschütterlichkeit und Herzblut aus, gleichzeitig aber das allgegenwärtige Flüstern des unausweichlichen Untergangs, bei dem das Blut in den Adern gefriert. In jeder Hinsicht das richtige Album für alle, denen Tradition am Herzen liegt, ohne einen Hauch von Süßstoff, die ein starkes spielerisches Manifest und außergewöhnliche treibend-musikalische Energie zu schätzen wissen. In jeder Hinsicht Arbeit, die mit der Rhetorik absoluten skandinavischen Perfektionismus und großer Hingabe vollbracht wurde. So wie es die Besten können.
Autor: Aleš Podbrežnik
Tracklist:
1. Nothing Will Last
2. Read It and Weep
3. All About You
4. When Souls Collide
5. In Heaven
6. What Will Be Will Be
7. Lost Your Life to Rock’n’Roll
8. No
9, Battle
Besetzung:
Johan Kihlberg – Komponist
Jonny Lindqvist – Gesang
Lars Chriss – Gitarre
Kay Backlund
John Levén – Bassgitarre
Mats Vassfjord – Bassgitarre auf Track Nr. 7
Pontus Egberg – Bassgitarre auf Track Nr. 5
Snowy Shaw – Schlagzeug
