Joe Bonamassa: Live at the Hollywood Bowl with Orchestra

J & R Adventures 2024
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Label: J & R Adventures
Erscheinungsdatum: 21. 6. 2024
Produktion: Kevin Shirley
Genre: Blues Rock
Bewertung: 9.0/10


Joe Bonamassa ist die treibende kreative Kraft des modernen Blues Rocks! Eine Dampflokomotive, die mit ihrer unerschöpflichen Kreativität und ihrem Ehrgeiz dafür sorgt, dass das Genre auch im Jahr 2024 noch lebt — zu einer Zeit, in der man sich auf individueller Ebene verdammt noch mal anstrengen muss, um in einem „Ozean aus Billionen“ neuer Musikveröffentlichungen (genreübergreifend) überhaupt noch echte Substanz zu erspüren. Bonamassa ist in gewisser Weise ein Held: Er hat sich in ein musikalisches Feld gewagt, das die Kreuzung aus Blues und Rock darstellt — und das zu einer Zeit, als dieses Feld alles andere als en vogue war. Und es nie wieder sein wird. Trotzdem hat er es geschafft. Mit verbissener Unnachgiebigkeit hat er sich langsam zu einem Großkünstler entwickelt, der Säle mit mehreren Tausend Besuchern füllt. Große Venues verkauft er mit spielerischer Leichtigkeit aus. Dafür hat er aber auch geschuftet — gerade in der frühen Phase seiner Karriere stand deren Fortgang mehrfach auf der Kippe, weniger wegen des Genres selbst (obwohl in den Sechzigern und Siebzigern das Feld, das er heute besetzt, längst abgegrast schien), sondern weil die Labels damals schlicht kein Interesse hatten, ihn zu unterstützen.

Joe ist heute ein hochgeschätzter Musiker. Der oberste Gitarren-Botschafter des Blues Rocks, der mit seiner zähen Beharrlichkeit das Genre zurück ins Rampenlicht geholt hat — und seine Konzerte sind ein bildgewaltiges Erlebnis aus entfesselten Leidenschaften und Emotionen, durchtränkt von einem oft bewusst gleißenden, fetten (auch kernigen) Gibson-LP-Sound, der bei der Lautstärkeentwicklung nicht knausert. Konzerte, die ein ganz besonderes Erlebnis liefern. Er hat immer angestrebt, dass seine Kompositionen „vollständig“ klingen. Wie ein rundes „Orchester“, das das volle Spektrum des Klangbilds ausschöpft. Von Background-Sängerinnen bis hin zu einer stattlichen (gleißenden) Begleitband und entsprechend feinem Arrangement — gerade auf seinen letzten Alben beweist der Musiker, dass er diese Vision mit reifer Konsequenz eingelöst hat.

Diese Philosophie überträgt sich natürlich vom Studio auf die Bühne! Der letztjährige Auftritt in der Hollywood Bowl ist schlicht die Krönung des Ganzen. Joe Bonamassa, der seit 2003 in Los Angeles lebt, hat mehrfach im The Greek Theatre gespielt — von dort stammt auch eines seiner Konzertalben. Diesmal hat er sich für eine andere Location entschieden! Eine, von der er oft geträumt hat, dort eines Tages aufzutreten (und vielleicht auch etwas aufzunehmen). Dabei hatte er ein 40-köpfiges Orchester um sich, die Arrangements dafür steuerten die erfahrenen David Campbell, Trevor Rabin und Jeff Bova bei, die ihr Geld mit dem Schreiben und Komponieren von Filmmusik verdienen. Also die Besten ihres Fachs. Die Crème de la Crème der aktuellen Hollywood-Szene. Das neue Konzertdokument ist deshalb etwas ganz Eigenes und Besonderes. In der relativ kurzen, aber fruchtbaren Karriere dieses Musikers ist es auf gewisse Weise der künstlerische Höhepunkt des bisher Zurückgelegten. Es steht für sich. An seinem Platz.

Ein Virtuose wie Bonamassa, diesmal umgeben von einem 40-köpfigen Orchester! Würde sich ein Fan da überhaupt mehr wünschen? Das ausgewählte Repertoire klingt magisch. Alles, was bei Bonamassa im Studio entsteht, bekommt in der Live-Show einen neuen, anderen Anstrich — nennen wir es einen künstlerisch expressiven „Verlängerungsarm“. Und genau dieser, eingefangen in der Hollywood Bowl, hebt sich von Bonamassas bisherigen Konzertveröffentlichungen ab. Er spricht mit einer anderen Magie an, mit einer Zauberkraft und vor allem mit einer besonders theatralischen Note! Gerade wegen der veredelten Orchesterarrangements, besonders in den Einleitungsteilen oder bei den ausgedehnten Schlusspassagen! Die Orchestereinwürfe sind das entscheidende Element, das diesem Werk einen ganz besonderen Stempel aufdrückt! Die Darbietung? Wie immer durchdrungen vom Dynamit der Zentralfigur namens Joe Bonamassa! Das kann ihm niemand nehmen. Das Repertoire ist sorgfältig zusammengestellt. Es bietet einen abwechslungsreichen Querschnitt durch Joe Bonamassas bisherigen Weg. Das Werk brodelt vor eingefangener Energie und eigenartigen Schwingungen — und jeder einzelne Titel des Repertoires gewinnt durch das Zusammenspiel zwischen Joes Gitarrengenialität und dem Orchestereffekt einen unverwechselbaren musikalischen Charakter und expressiven Glanz!

Das Album „Live At Hollywood Bowl“ ist Pflicht für jeden Fan von Joe Bonamassa. Eines Musikers, der durch sein unglaubliches Engagement dafür sorgt, dass unter seinem Namen jährlich mindestens ein Dokument erscheint. Wenn kein Studioalbum, dann eine Coversammlung oder ein Konzertalbum. Wenn weder das eine noch das andere noch das dritte — dann tut er sich mit einem anderen Künstler zusammen und veröffentlicht ein gemeinsames Album oder eine Single. Und obendrauf? Kann es auch noch ein neues Black Country Communion Album geben. Kurz gesagt: ein musikalisches Phänomen, das mit 47 Jahren auf dem Höhepunkt seiner Kräfte steht und seinen bisherigen Weg mit einem besonderen Konzert-Juwel feiert, das mit ganzer Intensität an einem besonderen Ort seiner Karriere strahlt. Als solches wird es auch in den kommenden Jahren den Status eines der Kronjuwelen behalten.

Autor: Aleš Podbrežnik

Tracklist:
1. When One Door Opens Overture
2. Curtain Call
3. Self-Inflicted Wounds
4. No Good Place For The Lonely
5. Ball Peen Hammer
6. The Last Matador Of Bayonne
7. Prisoner
8. If Heartaches Were Nickels
9. The Ballad Of John Henry
10. Twenty-Four Hour Blues
11. Sloe Gin


Joe Bonamassa – „Live At Hollywood Bowl with Orchestra“ (2024, J & R Adventures)
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