Jeff Kollman: East of Heaven

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Label: Marmaduke Records
Erscheinungsdatum: 21. 5. 2021
Produktion: Jeff Kollman
Albumlänge: 59.21 min
Genre: Art Rock / Instrumental Rock
Wertung: 9.5/10


Der amerikanische Gitarrenass Jeff Kollman ist einmal mehr ein unabhängiger und in jeder Hinsicht besonderer Musiker, der mit seiner treffsicheren künstlerischen Note in allem, was er anpackt, nicht aufhört zu begeistern. Er ist ein Gitarrist, der chamäleonhaft in mehreren verschiedenen Genres zu Hause sein kann, in ihrer Fusion und Verschmelzung. Zwischen ihnen wechselt er mit scheinbarer Federleichtigkeit. Dabei besitzt er auch ein feines Gespür für ausgearbeitete und ausgefeilte Arrangements. Angesichts der Tatsache, dass er ein technisch auf Hochglanz polierter Großmeister des Gitarrenspiels ist, stellt Kollman im Ausdruck seit jeher innere Gefühle an erste Stelle und sucht nach musikalischer Kompaktheit – auch wenn der Hörer schnell entdeckt, dass Jeffs musikalisches Fundament stark durch die Grundprinzipien des Jazz untermauert ist.

So lassen sich Kollmans Alben mit absoluten künstlerischen Unikaten vergleichen, wie sie ultimative Gitarren-Eigenbrötler vom Schlage eines Michael Landau, Neal Schon, Al Di Meola oder Carl Verheyen darstellen. Das sind Musiker, die in der Sechssaiter-Theorie promoviert haben, die aber in ihrem Tun mit einer so ausgeprägten und eigenwilligen musikalischen Charisma ansprechen, dass sie in allem, was sie anpacken, auf einer eigenständigen kreativen Ebene wirken – einzigartig, unnachahmlich. Gewachsen aus sich selbst heraus. Daher überrascht es nicht, dass Kollman mit einem musikalischen Kaliber wie Alan Parsons zusammenarbeiten konnte, dessen musikalisches Erbe von Musikern eine außerordentlich vielschichtige musikalische Aufnahmefähigkeit bzw. eine makellose Reichweite hochintelligenter musikalischer Elastizität verlangt. Und nicht zuletzt konnte Kollman auch von einigen auserwählten Glücklichen beobachtet werden, die sich im Mai 2008 in der Cvetličarna in Laibach versammelt hatten (genau am Tag der Veröffentlichung dieser Rezension, aber dreizehn Jahre früher), als Kollman damals in der Begleitband von Glenn Hughes auftrat. Rund 200 Köpfe konnten ihn schon damals live erleben und ein „Stückchen“ vom naturwüchsigen Wesen der großen musikalischen Talente dieses Künstlers kennenlernen.

Nun also spricht »East of Heaven« – Jeffs neues Soloalbum – mit der zuvor beschriebenen künstlerischen Elastizität an, spricht eklektisch an und stellt über alles die Empfindungen, die das Innere des Musikers erzeugt. Das ist das erste und grundlegende Leitmotiv, das das Ego klar auf Distanz hält. Ohne jegliche Eskapaden einer wilden Slalomfahrt mit wahnsinnigem Dauerfeuer von Notensalven. Dem Album gebieten allein die Gefühle. Und das Werk bewegt sich außerordentlich sanft, zeitweise auch bezaubernd, wenn nicht gar hypnotisch – besonders dann, wenn das Hervorheben lang nachhallender Töne in den Vordergrund tritt, wo Jeff den meisterhaft zur Verfügung stehenden Raum nutzt, der sich ihm hier öffnet, um diese Töne filigran zu „verbiegen“ und ihnen jedes Mal einen anderen kontrastierenden Akzent hinzuzufügen. Mit jedem Griff, jeder Berührung… Jeder gespielte Ton reiht ein neues Gefühl aneinander. Es gibt viel Melancholie, Sehnsucht, doch finden sich auch Momente ausgeprägter Verspieltheit – so wie die absolute Abweichung in Superstring Theory, das irgendwo bei einer Minute und Dreiviertel seines heiteren Treibens andeutet, dass die Inspiration für die Hauptphrase tatsächlich vom musikalischen Erbe einer Band im Stil von AC/DC stammte. Aber das ist ein „verlorener“ Track unter den vierzehn Stücken des Albums, das in einer außergewöhnlichen Filigran-Mischung neoklassischer Ausflüge anspricht, mit denen es auch Nuancen des Melos von Andalusien und dem italienischen Mittelmeer berührt (So Long Ago, Montecatini Waltz, The Darkness Resides) – wobei Al Di Meola zu anderen Zeiten die Ohren gespitzt hätte. Auf dem Album tritt immer wieder ein akustischer und feinsinniger Purismus in den Vordergrund. Der künstlerisch einzigartige Wert eklektischer Berührung. Das Jazz-Element ist stark und präsent, doch Jeff „schmuggelt“ es dosiert und mit sinnlicher Geschicklichkeit in sein Spiel – der Hörer kommt ihm oft erst im „zweiten Plan“ auf die Spur. Ein begeisterndes Werk, voller Überraschungen und ungewöhnlicher Züge, treffend, abwechslungsreich und farbenfroh serviert, die ständig in einem außerordentlich hörenswerten musikalischen Abenteuer koexistieren.

Auf dem Album fehlen natürlich nicht die Momente, die Jeffs starke Zugehörigkeit zur Jazz-Rock-Fusion enthüllen, doch der Raum für Jazz- und Rock-Fusion ist vollblütig in seinem musikalischen Nebenprojekt  Cosmosquad reserviert. Auf dem Album »East of Heaven« reizt er mit solchen Momenten bildreicher Jazz-Rock-Streiche bzw. Expressionen auf angenehme Weise, was die ideelle und expressive Lebendigkeit des Werkes stärkt. Und einer dieser Momente des Albums ist genau sein Titeltrack.

Kollman gleitet immer wieder zwischen erkundenden Formen, die aus sanften Melodien musikalisch ungewöhnlicher Tonfolgen bestehen, was über das Album hinweg den abenteuerlustigen und freiheitsliebenden Charakter der Luzidität und ideellen Funkensprüherei aufrechterhält. Auch dieses Mal hat Kollman für eine vollkommen organisch reine Klangbeschaffenheit des Werkes gesorgt. Denn auf dem Album begleiten ihn vier Musiker, und in den Stücken, wo die Gitarre nicht das einzige Instrument ist, lässt sich spüren, dass ein solches Team schnell Material für ein neues Cosmosquad-Album hervorbringen könnte.

»East of Heaven« ist eine brillante Leistung. Wunderschön. Es belohnt den Hörer mit jedem Durchlauf im CD-Player. An Sinnlichkeit und filigraner Feinmechanik eines ideell geschmeidigen und treffsicheren Ausdrucks unter dem Kommando der ungeahnten Talente dieses Musikers fehlt es nicht – zugleich betont das Werk, mit welcher Leidenschaft und welchem Feuer es während der Aufnahmen gespielt wurde. Von Kopf bis Fuß. Ein Album intensiver Expressionen und bildreicher musikalischer Landschaften, das dich davonträgt. Es entrückt einen für einen Moment von all der seltsamen Realität, der wir schon eine Weile beiwohnen. Befreit und erfüllt. Verzaubert. Das war auch die Absicht seines Schöpfers.

Autor: Aleš Podbrežnik

Trackliste:
1.Loss
2. The Mass Exodus
3. Homage To King Edward
4. Superstring Theory
5. Ghostly
6. Insomnia
7. 67 XR-7
8. Montecatini Waltz
9. Isolation 2020
10. East Of Heaven
11. So Long Ago
12. Hidden Dimensions
13. The Darkness Resides
14. See You On The Other Side

Besetzung:
Jeff Kollman – Gitarre
Guy Allison – Keyboards
Paul Shihadeh – Bass-Gitarre
Shane Gaalaas – Schlagzeug
Jono Brown – Schlagzeug


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