Jaded Heart: Stand Your Ground
Label: Massacre Records
Erscheinungsdatum: 27. 11. 2020
Produktion: Jaded Heart
Albumlänge: 52.14 min
Genre: Hard Rock/Heavy Metal
Wertung: 8.0/10
Jaded Heart gelten heute als so eine Art kultmäßig übersehene Hard-Rock-Könige, die dazu verdammt sind, ewig in Clubs zu regieren. Eine Band mit über 30 Jahren auf dem Buckel, der es ganz am Anfang der Karriere richtig gut aussah — aber die Dinge entwickelten sich anders, und die Gruppe durchlebte mehrfach harte Zeiten. Trotzdem erschienen die Alben, und die Band trotzkte dem Gegenwind. Für ihr Werk, ihre Beharrlichkeit und vor allem ihre beneidenswert hohe musikalische Qualität haben sie sich nie die verdiente Anerkennung und Aufmerksamkeit erarbeitet. Sie sind das Paradebeispiel dafür, dass man sich selbst die Nägel bis aufs Blut abbeißen kann, ohne je den Durchbruch zu schaffen.
Im Laufe der Jahre hat sich der Stil der Gruppe merklich gewandelt. Aus einer Band, die gleich zu Beginn ihrer Karriere von den heimischen (deutschen) Musikmedien viel Aufmerksamkeit bekam und einen Hard Rock spielte, der stark von Def Leppard und anderen AOR-Errungenschaften inspiriert war, wurden Jaded Heart mit der Zeit immer härter und härter. Seit 2013 agieren sie als Quintett — ohne Keyboards, mit zwei Gitarren. Die Produktion wurde spürbar schärfer, der Sound so wuchtig wie möglich. Auch der Gesang des schwedischen Sängers Johan Fahlberg ist zunehmend aggressiver geworden. Ebenso haben Jaded Heart die pompösen Arrangements weitgehend abgespeckt, die nur noch in den melodiösen Refrains durchklingen — erkennbar an der punktuellen Unterstützung des Leadgesangs durch Backing Vocals.
Die Band verliert also nicht an Schwung. Ein neues Album alle zwei Jahre ist seit vielen Jahren fester Bestandteil des Gruppenrhythmus, und offensichtlich sammeln sich in dieser Zeit genug verwertbare musikalische Ideen an. »Stand Your Ground« ist wieder ein ausgesprochen aggressives Werk und wandelt in den Fußspuren der Vorgänger »Devils‘ Gift« (2018), »Guilty by Design« (2016) und »Fight The System« (2014). Auf diesen Releases — und das neue ist da keine Ausnahme — haben Jaded Heart das Schreiben und Spielen von Riffs bis hin zu einer ernsthaften Annäherung an den Heavy Metal getrieben. Das heutige Erscheinungsbild der Gruppe kommt Bands wie Dream Evil oder Primal Fear sogar näher als dem Kunstanspruch, den sie noch vor 15 und mehr Jahren pflegten.
Gute 52 Minuten Musik, insgesamt zwölf neue Songs — und die Band zeigt nichts, was seismische Erschütterungen musikalischer Selbstherausforderung auslösen würde. Sie halten die Zügel fest in der Hand, sind bequem innerhalb ihres bestens beherrschten Rezepts verortet und bleiben sich auch mit »Stand Your Ground« kompromisslos treu. Die Ausführung hält das hohe Niveau. Geteilte und giftig gewürzte Gitarrensoli, Johan Fahlbergs autoritärer und durchdringender Gesang, der auch auf dem neuen Album in Sachen Explosivität keine Abstriche macht. Die höllisch aufgedrehte Produktion hält das Gefühl von Lebendigkeit, erwünschter Ruppigkeit und gleichzeitig einer theatralischen Portion Dunkelheit, Melancholie und Verderben aufrecht. Die Band gräbt mit aller Kraft und hält sich bei der Umsetzung des neuen Materials in keiner Weise zurück. Das alles ist Garant für die Qualität des neuen Werks, das Fans dieses Sounds — und früherer Bandalben — nicht im Stich lassen wird. Weil aber jede Minute des Albums im bewährten Kompositionsrezept »verpackt« ist, wirkt es etwas langgezogen: Nicht alle Songs erreichen die gleich packende Ausdruckskraft, weshalb das Album locker um zwei Tracks kürzer sein könnte. Es ist also ein schönes und sehr qualitätsvolles Werk, wie man es von so erfahrenen und gestählten Veteranen zu Recht immer erwartet. Genau das, was der Titel sagt. Stand your ground. Aber nicht mehr als das.
Autor: Aleš Podbrežnik
Trackliste:
1. Inception
2. Stand Your Ground
3. One Last Time
4. Reap What You Sow
5. Break Free
6. Hero to Zero
7. Kill Your Masters
8. Embrace a Demon
9. Hopelessly Addicted
10. Self Destruction
11. Stay
12. Lost in Confusion
13. Inside a Hurricane
Besetzung:
Johan Fahlberg – Gesang
Peter Östros – Gitarre
Masa Eto – Gitarre
Michael Müller – Bass
Bodo Stricker – Schlagzeug
