Inglorious: We Will Ride
Label: Frontiers Music Srl.
Veröffentlichungsdatum: 12. 2. 2021
Produktion: Romesh Gogandoda
Albumlänge: 44.16 min
Genre: Hard Rock
Bewertung: 9.0/10
Inglorious sind eine britische Hard-Rock-Formation der neueren Generation. 2014 gegründet, brachten sie von Anfang an eine gehörige Portion Dynamit und Feuer mit – und zogen damit sofort die Aufmerksamkeit auf sich. Das erkannten alle, als die aufstrebende Band zwischen 2016 und 2019 in rasantem Tempo drei Alben am Stück herausbrachte. Selbst ein Kaliber wie Brian May sparte nicht mit Lob. Doch das war Vergangenheit. Nicht mal der Wechsel beider Gitarristen konnte sie aufhalten.
Trotz der immens hochwertigen Veröffentlichungen und der makellosen Qualität der überragenden Gesangsdarbietungen von Sänger Nathan James – für den es keine Überraschung war, dass er auch bei Trans Siberian Orchestra eingeladen wurde – vermittelten alle drei bislang erschienenen Alben das Gefühl, dass der künstlerische Zenit noch nicht erreicht war. Qualität ist zweifellos ein anderer Name für Inglorious – und das in einem Musikbereich, in dem man dem Etikett „Klischee“ kaum entkommen kann. Wenn es dir gelingt, den Hörer davon abzubringen, ans Klischee zu denken, obwohl er es gerade hört, hast du Großes geleistet. Und genau das haben Inglorious mit dem dritten Album »Ride to Nowhere« (2019) sehr überzeugend angedeutet – es bewies, dass die Besetzung durch die Umstrukturierungen die gewünschte Weiterentwicklung in Songwriting und Ausführung erreicht hatte. Wir reden von 2021, nicht von 1980. Was vor 40 Jahren der gesuchte Trend war, ist heute höchstens ein sehr anständiges »Aufwärmen alter Suppe«. Und damit tut man den hervorragenden neuen Bands, die sich im Ur-Hard-Rock bewegen, großes Unrecht. Das überwindest du aber immer mit viel Herzblut, Hingabe und Unnachgiebigkeit. Nach dem dritten Album kam es dann zu einer handfesten Umbesetzung. Danach traf im März 2020 auch noch die »Pandemie« ein, der »Lockdown«, die Bedingungen des Social Distancing und so weiter. Aber das hat die Truppe nicht aufgehalten, und im Februar dieses Jahres haben Inglorious bereits ihr viertes Album veröffentlicht.
Die Umbesetzung hat sich ausgezahlt. Tatsächlich ist »We Will Ride« die bislang reifste Leistung des erneuerten Teams, das auf diesem neuen Werk noch mehr Kompaktheit und gegenseitiges Einspielen unter Beweis stellt. Inglorious wirken auf dem neuen Album noch stärker, und die Verbindungen zwischen den Mitgliedern entfalten eine noch größere chemische Kompatibilität. Deshalb zeigt das neue Album auch einen neuen Reifesprung. Elf Songs trumpfen mit einer außergewöhnlichen Breite und Vielfalt an ideellen Impulsen auf. Das Werk ist durchzogen vom markanten Charakter kompakter und durchdringender Leitmelodien. Die Kompositionen sind detailliert strukturiert, unter Berücksichtigung aller wesentlichen Elemente, die im Hard Rock in einem Atemzug atmosphärisch packende Pomp-Theatralik und gleichzeitig eine hohe Musikalitätsdichte gewährleisten. Von der hervorragenden Kombination der begleitenden Vokalharmonien über das phänomenale Zusammenspiel der Gitarrenparts beider Gitarristen – allen voran das makellose Solospiel, dessen Höhepunkt im mystischen He Will Provide eingefangen ist – bis hin zur phänomenalen Gesangsdarbietung von Nathan James, der auch auf diesem Werk wieder ein Kapitel für sich ist. Die Band hat reifemäßig auch alle potenziellen Manöver hinter sich gelassen, die irgendwie nach anfänglicher Naivität riechen könnten. Stattdessen sind die Songs, die überwiegend in Moll entwickelt sind, im Verlauf der pompösen Entfaltung nach wie vor atmosphärisch düster – und gleichzeitig verstehen es Inglorious, in ihnen auch Mystik heraufzubeschwören. Obwohl das Werk handfest aufgekratzt und zackig ist, was bedeutet, dass es beim Freisetzen von Dezibeln keineswegs knausert.
Das Attraktivste an Inglorious ist, dass die Band den internalisierten Instinkt, den Werten des britischen Hard-Rock-Erbes der Siebziger und Achtziger zu folgen – wo sich Assoziationen von Bad Company über Led Zeppelin bis hin zu Thunder aufreihen –, durch die produktionstechnische Fülle der Ästhetik der neuen Zeit ausdrückt. Mit einem Vokalisten wie Nathan James ist es wirklich nicht schwer, eine solche musikalische Aura zu transportieren. Das Tüpfelchen auf dem i der Ausgefeiltheit dieses Werkes und des außerordentlich reifen künstlerischen Reifeprozesses der Band setzt die phänomenale Produktion, für die im walisischen Cardiff Romesh Gogandoda (Bring Me The Horizon, Bullet For My Valentine, Motörhead) gesorgt hat.
»We Will Ride« ist tatsächlich ein messerscharf vollendetes Werk. Es entdeckt keine musikalische Revolution. Das war auch nie die Absicht. Inglorious haben damit ihre ganze Zähigkeit und Unnachgiebigkeit bestätigt – und vor allem die Tatsache, dass sie in ihrer neuen Form zu einem sehr starken Team geworden sind. Künstlerisch wie spielerisch. Richtig aufgesattelt können sie jetzt unbekümmert und mit mächtig viel Selbstbewusstsein neuen Triumphen entgegenreiten.
Autor: Aleš Podbrežnik
Tracklist:
1. She Won’t Let You Go
2. Messiah
3. Medusa
4. Eye Of The Storm
5. Cruel Intentions
6. My Misery
7. Do You Like It
8. He Will Provide
9. We Will Meet Again
10. God Of War
11. We Will Ride
Besetzung:
Nathan James – Gesang
Danny De La Cruz – Gitarre
Dan Stevens – Gitarre
Vinnie Colla – Bassgitarre
Phil Beaver – Schlagzeug, Perkussion
