Harem Scarem: Change The World
Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 06.03.2020
Produktion: Harry Hess
Albumlänge: 44.00 min
Genre: Melodic Rock
Wertung: 8.0 / 10
Harem Scarem sind langlebige kanadische Melodic-Hard-Rocker, die seit 1987 auf der Bühne aktiv sind. Zwischen 2008 und 2013 legten sie eine fünfjährige Pause ein – damals kündigten sie sogar offiziell ihre Auflösung an, die dann aber zurückgenommen wurde. Die Band steht seit einigen Jahren unter dem Dach des italienischen Labels Frontiers Music Srl., und das ist eine gute Sache: Die neue Musik der Gruppe ist seitdem auch allen europäischen Fans deutlich nähergebracht und wesentlich besser präsentiert worden.
Nach der Reaktivierung der Band 2013 nahm sie für das oben genannte Label zunächst ihr Kultalbum »Mood Swings« neu auf und veröffentlichte es unter dem Titel »Mood Swings II.«, ehe sie hochinspiriert zwei ausgezeichnete neue Studioalben herausbrachte: »Thirteen« (2014) und »United« (2017).
Am Anfang ihrer Karriere veröffentlichte die Band zwei herausragende Alben – ihr Debüt »Harem Scarem« und danach »Mood Swings« –, ehe sie allmählich im Drang versank, Sound und Stil anzupassen, bis sie erst 2002 mit dem Album „Weight Of The World“ ihre Wurzeln wiederfand und sich irgendwie wieder auf die alten musikalischen Gleise begab, denen Harem Scarem fleißig bis heute treu geblieben sind. Und das ist gut so. Das neue Album »Change the Wolrd« überrascht freilich in keiner Hinsicht mehr. Es ist ein von Harem Scarem erwartetes Produkt, ein Album, das energetisch und stilistisch sinnvoll an den Vorgänger »United« anknüpft, wobei auf Schritt und Tritt die Aura der nostalgischen Zeiten des Albums »Mood Swings« präsent ist. Für jeden Fan der Band reicht das, denn es ist die wesentliche Information, die garantiert, dass ihm auch das neue Album gefallen wird.
Harry Hess und Pete Lesperance bleiben auch im reiferen Alter der Band ihre treibende Kraft. Dieses Duo ist im Grunde das elementare Garant dafür, dass bei Harem Scarem alles ständig so gut funktioniert. Dieses Songwriting-Gespann kann und will schlicht nicht absacken. Diesmal schrieben sie das Material getrennt, jeder für sich, kamen dann zusammen und testeten, wie alle Ideen miteinander funktionieren. Entstanden sind zwölf neue Songs, die genau die richtige Länge haben (zwischen 3 und 4 Minuten), und das Album misst weniger als drei Viertelstunden. Trotzdem zünden nicht alle Songs gleich stark. Harem Scarem gehen diesmal erneut über mehrfach begangene Pfade, wobei zum Beispiel der abschließende Swallowed By the Machine und das langsame Mother Of Invention, das sich nirgendwo hinbewegt, etwas »abgegriffen« wirken. Ähnlich kann leicht »nerven« die x-fache Wiederholung des Refrains von Searching Of Meaning, der der Band offenbar so gut gefallen hat, dass sie ihn endlos wiederholen wollte. Aber egal – der Inhalt ist insgesamt immer noch in großer Mehrheit sehr, sehr gut und entspricht den Standards jedes überzeugenden Harem-Scarem-Albums. Neben dem hochvibrant-aufweckenden, mit Pomp durchdrungenen Titeltrack, der das Album eröffnet, sind die Höhepunkte diesmal Songs mit einem Hauch dunklerer Natur: direkt dahinter Aftershock, dann vor allem die herausragende Single The Death Of Me (mit Abstand der beste Song des Albums), das melancholische, mit einem Hauch Blues begleitete No Man’s Land oder die sensitive Ballade No Man Without You, weiter der knochige Rocker Riot In My Head mit Pete Lesperances aufgespitztem und unglaublich einfallsreichem klassischen Riff. In dieser Hinsicht legt noch Fire & Gasoline nach, wo Harry Hess mit einer überraschend tieferen Intonation der Gesangslinien aufwartet. Die Band hat die Songs erneut allesamt mit theatralischen Vokal-Multiharmonien verziert, für die Darren James Smith zuständig ist, der gelegentlich auch als Schlagzeuger bei Konzerten der Gruppe aushilft.
Gespielt wieder auf höchstem Niveau. Hess‘ Stimmkraft lässt nicht nach, und Lesperance bestätigt erneut, dass er ein wirklich verdammt geölter Gitarrist ist, wenn es darum geht, ein makellos ausgearbeitetes Riff in den Song zu bringen und ein giftiges Solo zu entfalten, bei dem sich die Haare aufstellen und einem die Augen aus dem Kopf treten. Klassischer Arrangement-Ansatz! Die atmosphärischen Höhepunkte entfalten sich in den Refrainmelodien, die beim ersten Hören sofort packen. Produktion wie immer hervorragend. Die Bausteine des Klangbildes perfekt platziert, ein Hauch von Lebendigkeit und Organischem durchgehend klar präsent und spürbar.
Fans der Melodic-Rock-Gruppe haben dieses Album garantiert zuhause. Als insgesamt fünfzehntes Studiowerk bringt es erneut die musikalische Substanz, die wir von der Band gewohnt sind, und garantiert Exzellenz im Melodic-Rock-Genre. Ganz einfach. Harem Scarem sind heute unter den genreverwandten Bands, was die Qualität betrifft, ein Kapitel für sich. Erfahrung, Talent, Wissen, Inspiration! Alles fügt sich stets zusammen zu einem perfekten Melodic-Rock-Kumulus!
Autor: Aleš Podbrežnik
Tracklist:
1. Change The World
2. Aftershock
3. Searching For Meaning
4. The Death Of Me
5. Mother Of Invention
6. No Man’s Land
7. In The Unknown
8. Riot In My Head
9. No Me Without You
10. Fire & Gasoline
11. Swallowed By The Machine
Besetzung:
Harry Hess – Gesang, Keyboards, Hintergrundgesang
Pete Lesperance – Gitarre
Creighton Doane – Schlagzeug
Darren Smith – Hintergrundgesang
