HammerFall: Avenge the Fallen

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Label: Nuclear Blast Records
Erscheinungsdatum: 9. 8. 2024
Produktion: Fredrik Nördstrom
Albumlänge: 46.57 min
Genre: Power Metal
Bewertung: 8.5/10


HammerFall brauchen keine Vorstellung. Die altgedienten Power-Metaller aus Göteborg müssen sich nichts mehr beweisen. Schon lange nicht mehr. Am Horizont steht also das 13. Studioalbum der Band, »Avenge The Fallen«. Wie soll man den Auftakt dieser Besprechung formulieren, wenn man schon weiß, wohin sie führen wird? Eine knifflige Sache. »Avenge the Fallen« ist ein sehr solides neues HammerFall-Album, das alles mitbringt, was die Vorgänger mitgebracht haben – und auch wenn sich alle überraschenden Momente rund um die Power-Metal-Legenden spätestens mit »Crimson Thunder« (2002) erschöpft haben – für die eingefleischteren Metal-Fans bereits nach den ersten beiden –, behalten HammerFall auch auf dem dreizehnten Studioalbum ihre kompositorische Glaubwürdigkeit und Souveränität. »Infected« (2011) hat ihnen gezeigt, dass Experimente unerwünscht sind; der Nachfolger »(r)Evolution« (2014) hat sie dann wieder in die alten Gleise zurückgebracht. In die Komfortzone, die – Hand aufs Herz – von den Fans nicht nur gewünscht, sondern geradezu gefordert wird. HammerFall kennen ihre musikalische Rezeptur in- und auswendig, und deshalb ist es auch beim dreizehnten Studioalbum noch immer faszinierend zu erleben, wie geschickt sie ihre alten Tricks recyceln – die aber bewährt immer wieder und wieder zünden.

In einer Zeit, in der die Welt der Menschen längst weit über den Rand der Selbstzerstörung hinausgestürzt ist, wirken zehn hymnische Songs mit kampfeslustiger Lyrik umso angebrachter. Schlagwörter wie ‚Held‘, ‚König‘, ‚Rache‘, ‚Böse‘, ‚Freiheit‘ … Es fehlen nur noch ‚Drache‘ und ‚Hammer‘, dann wäre das Vokabular der neuen Songtitel perfekt. ‚Hammer‘ tauchte zuletzt bekanntlich im Titel des vorangegangenen HammerFall-Albums auf.

Hope Springs Eternal ist eine clevere Recycling-Variante der Ballade Glory To The Brave, angereichert mit Elementen aus dem Accept-Anthem-Opus vergangener Zeiten. Zündet aber trotzdem.  Das Album ist ansteckend und von Anfang bis Ende angenehm hörenswert. Die Phrasen sind typisch HammerFall. Die Tricks werden mit außerordentlichem Geschick immer wieder neu verpackt und untergeschoben. Clever. Die Pompösität wird durch Rufe männlicher Massen-Chöre gesteigert, die den Raum zwischen den Refrainmelodien von Joacim Cans füllen, der auch auf dem 13. Studioalbum das bekannt wiedererkennbare und integrale Element von Charakter und Werk der Band ist. Freedom ist in dieser Hinsicht eine der interessantesten Kompositionen des gesamten Albums. Die Band hat ihren alten und gut bewährten Trick wieder überzeugend ‚verkauft‘. Überraschungen bieten die neuen HammerFall keine. Aber sie sind außerordentlich hörenswert. Das Album kennt keinen ‚Zeiträuber‘ – nennen wir es den albuminternen ‚Totalausfall‘. Auf früheren Alben wie »Dominion« (2019, RockLine Rezension) oder »Built To Last« (2016) waren sie leicht zu finden. Der Vorgänger »Hammer Of Dawn« (2022, RockLine Rezension) kennt sie nicht. Und »Avenge The Fallen« folgt ihm erfolgreich. Und das ist gut, denn das macht daraus ein Werk, das wieder öfter im Player rotieren wird. Bei den eingefleischteren Fans der Band auch ein paar Monate lang.

Der Schlüssel zum erneut gelungenen Recycling liegt im elementaren Aufbau von Phrasen bzw. in der sehr elementaren Akkordfolge innerhalb der Leitmotive. Das sorgt für Eingängigkeit, für sofortige Greifbarkeit. Auch wenn es jetzt mal ein bisschen nach dem einen, mal nach dem anderen klingt – es klingt ständig nach irgendwas, das HammerFall schon mal aufgenommen haben, aber man hat keine Lust mehr, in den alten Alben der Band nachzuschlagen, weil man vollkommen zufrieden ist, wenn es nach ‚jenem Etwas‘ klingt – denn es klingt ‚wieder‘ danach und erinnert dabei gleichzeitig (wieder) auch ’sehr gut‘. Ich weiß nicht, ob ihr mir folgt, aber das ist der Kern des Recyclings: die eigene musikalische Formel unzählige Male so darbieten, dass jeder Power-Metal-Fan, der eigentlich längst genug davon haben müsste, die Band lobt – und ans Satthören gar nicht erst denkt.  

Das Album »Avenge The Fallen« ist somit ein sehr kompaktes HammerFall-Album, das die Fans der Band bereits in ihre Diskografie-Sammlung aufgenommen haben. Es hält das sehr hohe Qualitätsniveau des Vorgängers »Hammer Of The Dawn« aufrecht. Die Entwicklung ist dynamisch, was bedeutet, dass das Album eine angenehme Abwechslung der (bereits mehrfach erprobten, aber geschickt neu verpackten) kompositorischen Leitmotive zwischen den Songs aufrechterhält. Deshalb vergehen die knapp 47 Minuten Spielzeit sehr schnell. Ein künstlerisches Wunder ist das nicht – und das soll es auch gar nicht sein. Mehr noch: Es kann und darf das auch gar nicht sein. HammerFall und ihre Fans wissen das sehr genau, weshalb HammerFall mit dem neuen Album genau in jener Sphäre bleiben, in der sie sich am wohlsten fühlen – und die sie mit links beherrschen.

Autor: Aleš Podbrežnik

Tracklist:
1. Avenge The Fallen
2. The End Justifies
3. Freedom
4. Hail To The King
5. Hero To All
6. Hope Springs Eternal
7. Burn It Down
8. Capture The Dream
9. Rise Of Evil
10. Time Immemorial

Besetzung:
Joacim Cans – Gesang
Oscar Dronjak – Gitarre
Pontus Norgren – Gitarre
Fredrik Larsson – Bassgitarre
David Wallin – Schlagzeug


HammerFall – „Avenge the Fallen“ (Nuclear Blast Records, 2024)
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