Ghost of the Machine: Empires Must Fall
Label: Progrock.com Essentials
Erscheinungsdatum: 7. 3. 2025
Produktion: Bob Cooper
Albumlänge: 57.36 min
Genre: Progressive Rock
Wertung: 9.5/10
Ghost of the Machine sind ein Progressive-Rock-Quartett aus dem englischen Leeds. Es handelt sich um ein Sextett, das sich aus ehemaligen Mitgliedern der Band This Winter Machine (daher auch die Ableitung des Namens der neuen Formation) sowie Sänger Charlie Bramald zusammensetzt.
Die Band verfügt also über eine verdammt erfahrene Besetzung, die zur Generation britischer Musiker gehört, die stark von der Persönlichkeit und dem Werk der Progressive-Rock-Legenden Genesis, Camel und Yes geprägt wurde. Die Gruppe begeisterte Musikkritiker und Anhänger des Neo-Progressive-Rock, der für die britischen Inseln so charakteristisch ist, bereits mit ihrem Debüt „Scissorgames“ aus dem Jahr 2022, das von Musikkritikern mit zahlreichen Lobeshymnen bedacht und mit dem Titel des Progressive-Rock-Albums des Jahres ausgezeichnet wurde.
Die Erwartungen an das zweite Studioalbum der Band, die bis zu seiner Veröffentlichung in unveränderter Besetzung zusammenblieb, waren daher zurecht hoch – und das verdient definitiv alle Anerkennung. Das Besondere an Ghost of the Machine ist der Einsatz zweier Gitarren, weshalb das Phrasieren in den Arrangements der Kompositionen stärker betont wird und im Vergleich zu Gleichaltrigen ihrer Generation definitiv etwas mehr in den Vordergrund drängt. Insgesamt gibt es sechs Kompositionen, drei davon sind mäandernde epische Progressive-Rock-Sinfonien, die locker über zehn Minuten gehen. Auch Ghost of the Machine sind typisch britische Meister der hypnotischen Evokation von Mystik und einer packenden Atmosphäre, die zwischen echtem Theaterpompe, Melancholie und Sehnsucht pendelt – aber auch strahlende Lichtblicke des Optimismus hat, die gelegentlich durch die zutiefst mystische Atmosphäre des Albums durchschimmern.
Das Sextett ist bekannt für seine überragende kreative Arbeitschemie untereinander, die die grundlegende Basis für ein erstklassig strukturiertes Album wie das neueste, nämlich „Empires Must Fall“, bildet. Wer damit vertraut ist, was das Genre-Phänomen des Neo-Progressive-Rock nach, sagen wir mal, runden fünf Jahrzehnten seines Bestehens in dieser Galaxie vorzuweisen hat, weiß genau, worum es in diesem Rezensionsessay geht. Bands wie Gallahad, Pendragon, Jadis, das gute alte Pallas und so weiter. Die Natur der Kompositionen wandelt auf jener brillanten Grenzlinie zwischen ansteckender Eingängigkeit und komplexer Strukturiertheit. Ghost of the Machine verfallen dabei niemals in schwer verdauliche Exkurse, die sie in die Gewässer irgendwelcher RIO-/Avantgarde-Provokateure treiben würden, sondern folgen stets dem roten Faden kompositorischer Kompaktheit. Auch in den langen esoterischen Passagen, wo luxuriöse Klangkulissen aus rauschenden Keyboards und Gitarrenphrasen in einem perfekt kompatiblen, harmonischen Dialog ineinandergleiten, wirkt alles genau dort, wo es sein muss. Der Gesang von Charlie Bramald ist in Klangfarbe und Herangehensweise eine erstklassige Ergänzung der Geschichte von Ghost of the Machine. Da ist die kürzeste Komposition des Albums – The One, die mühelos auch im Radio laufen könnte, denn sie besticht durch eine außergewöhnliche Kompaktheit musikalischer Eingängigkeit, und genau in ihr erstrahlt Bramalds Gesangsperformance mit besonderer Intensität – dazu kommt eine außergewöhnlich schöne Klangfarbe. Das bestätigt der melancholische Einleitungsteil des abschließenden After The War, wo sein Gesang zusammen mit dem Klavier dir schlichtweg das Herz brechen wird.
Highlights herauszupicken fällt schwer. Das ist ein Produktionsmeisterwerk, mit einer außergewöhnlich raffinierten Anordnung der Bausteine des Klangbildes, was für einen wirklich luxuriösen Sound des Werks sorgt. Das ist ein Album, das als Schöpfung absolut in einem Stück begeistert. Als Ganzes. Man hört es von Anfang bis Ende. Am Stück. Anders geht es nicht. Und als solches funktioniert es makellos. Man kann ruhig sagen: fehlerlos. Nach „Scissorgames“ ist „Empires Must Fall“ mehr als ein begeisternder Nachfolger eines – wie auch immer man es dreht und wendet – brillanten Vorgängers, was bedeutet, dass die Band bei der Entstehung des neuen Materials vor der großen Herausforderung einer künstlerischen Weiterentwicklung stand. Und sie hat in jeder Hinsicht den überragenden künstlerischen Anspruch des Debüts eingelöst.
„Empires Must Fall“ ist also ein neues, fantastisches Werk, das alle – noch so anspruchsvollen, nennen wir sie ruhig ‚verwöhnten‘ – Liebhaber des Neo-Progressive-Rock begeistern wird, denen von Neuerscheinungen in diesem Genre nichts entgeht. Von Marillion, IQ bis Arena – und alles dazwischen. Daher warten wir schon ungeduldig darauf, was das dritte Ghost of the Machine-Album bringen wird.
Autor: Aleš Podbrežnik
Trackliste:
1. Keepers Of The Light (8:35)
2. The Days That Never Were (5:59)
3. Panopticon (11:44)
4. Fall Through Time (12:00)
5. The One (4:43)
6. After The War (14:32)
Besetzung:
Charlie Bramald – Gesang
Graham Garbett – Gitarren, Hintergrundgesang
Scott Owens – Gitarren
Mark Hagan – Keyboards, Klavier
Stuart McAuley – Bassgitarren, Pedale
Andy Milner – Schlagzeug
