Generator : Open Eyes

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Label: Eigenveröffentlichung
Erscheinungsdatum: 20.09.2018
Produktion: Generator
Albumlänge: 46.57
Genre: Art / Pop Rock
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Generator ist ein neunköpfiges Kollektiv, dessen kreativer Kern sich auf der Achse zwischen Sängerin Anina Trobec und ihrem Partner, dem englischen Musiker Joseph Wheba, formiert – er ist auf dem Debüt »Open Eyes« vor allem für die Keyboards zuständig.

Das Album »Open Eyes« ist im Kern ein Art-Pop-Album. Direkt auf den Punkt gebracht: Es ist ein Album, das mit seiner musikalischen Substanz die Grenzen vorhersehbarer Pragmatik beim Komponieren sprengt – in dem Sinne, dass ein Künstler mit seiner Arbeit auch nach Radioairplay greifen soll. Im Grunde dreht sich alles um den ansteckenden und charismatischen Soul- und R&B-Gesang von Anina Trobec, doch das Team des neunköpfigen Kombos ist in seinen Ausgangsideen mutig genug, funkensprühend und vor allem einfallsreich, um dieser Soul- und R&B-Kontur des Gesangs eine Menge Genrezutaten beizumischen, die angenehm überraschen und den Hörer beschäftigen – und genau deshalb distanziert sich das Produkt entschieden von Pop-Schablonen und Vorhersehbarkeit. All dieser »Mehrwert« verleiht Generator eine Note der Eklektizität beziehungsweise eine absolute musikalische Eigenheit.

Das Geflecht aus Bläserpastellen, fein eingebetteten und warm-organisch klingenden Keyboards (auch die Patina des urigen Hammond-Orgel-Sounds fehlt nicht), Gitarreneinlagen, klar definierten Ausbrüchen in komplexere rhythmische Schleifen ausgewählter Rhythmen (auch Reggae, Latino, Balkan, mit Ausflügen in die rhythmische Tanzbarkeit der Siebziger-Disco) sowie die Verbindung von Weltmusik-Elementen, Reggae, Funk, … Dazu kommt die Integration von Jazz-Einlagen, die mit kompatibler Arrangements-Einbettung die Kerne der Songs wirkungsvoll beleben. In dieser Hinsicht ist »Open Your Eyes« ein äußerst sorgfältig und raffiniert verpacktes Produkt. Es bewahrt nämlich eine bemerkenswerte Zugänglichkeit und Kompaktheit. Bei all der Lebendigkeit und den vielfältigen musikalischen Arrangements-Details, die sich ausgesprochen harmonisch in diesem musikalisch sehr reichen und expressiv verdichteten Klangumfeld tummeln, bleibt es dennoch im expressiven Umfeld der Popkultur verankert.

Die Affinität des Kollektivs zur Reggae-Musik bringt drei in diesem Sinne gewebte Tracks auf das Album, die so platziert sind, dass sie die interessantesten Teile des Albums gewissermaßen »entlasten« – genau jene, die mit der größten Note der Eklektizität des Kollektivs und den musikalischen Besonderheiten aufwarten. Das bringt zwar eine angenehme Abwechslung ins Album, doch wenn man die gesamte Substanz des Albums miteinander vergleicht, wirken die Reggae-Tracks am vorhersehbarsten und überraschen damit am wenigsten. Die Höhepunkte sind woanders zu suchen – vor allem in jenen Momenten besonders kühner Sprünge in der Rhythmik wie auch der Genrekultur des Produkts. Einen solchen liefert der plötzliche Rockereinbruch der Gitarre von Marko Turk (sprich: Tučo von der Band Dan D) im Song Frame Bend Over, an einer Stelle im Stück, an der man ein solches Arrangement überhaupt nicht erwarten würde.

Überhaupt sind alle Musiker außerordentlich erfahren, und alles fügt sich wunderbar harmonisch in das Geflecht all der musikalischen Nuancen der expressiven Klanglandschaft, die auf dem Produkt geschaffen wurde – was die musikalische Reife der einzelnen Musiker widerspiegelt. Das unterstreicht auch der Beitrag der Mitwirkenden, die ihren persönlichen Interpretationsstempel hinterlassen, während diese Entwicklung auf dem Album zusätzlich betont, dass hier ein ausgezeichnetes gegenseitiges Gespür und Verständnis aller Musiker am Werk ist. Dennoch braucht es bei einer Nonett-Formation einen klaren Dirigentenstab, und Anina und Joseph liegt diese Rolle offensichtlich sehr gut.

Generator präsentiert sich auf dem Debüt als Band, die im künstlerischen Sinne sehr interessant ist – interessanter, als man hätte erwarten können, angesichts des allgemeinen Eindrucks, nämlich jenes Eindrucks von »durchschnittlicher Grauheit«, den die meisten neu entstandenen Bands hinterlassen, die mit verschiedenen künstlerischen Mitteln versuchen, sich im slowenischen Pop-Umfeld zu bewegen. Definitiv ein ambitioniertes und breit angelegtes Projekt, das sich künstlerisch noch entwickelt und wächst, wobei für die Zukunft viele verschiedene Ausdrucksquellen offen sind, wenn es darum geht, die eigene künstlerische Charisma herauszuarbeiten. Mit einer natürlichen Evolution. Generator formt sich ausdrucksmäßig also noch. Das Album ist dennoch etwas zu lang, was zwar die Ambition seiner Schöpfer widerspiegelt, doch die Substanz schwankt qualitativ nicht, sie hält die qualitative Konsistenz – weshalb es gegenüber Anmerkungen zur Spielzeit einen »gedeckten Rücken« hat. Das Album »Open Your Eyes« wirkt bei all dem interessanten charakterlichen Ausdruck des detaillierten Zusammenfügens musikalischer Züge wie eines der interessantesten und kühnsten Produkte auf dem Feld der Popmusik, die im vergangenen Jahr auf der Sonnenseite der Alpen erschienen sind. Es ist ein Künstler, dem es in dieser Hinsicht sehr spannend sein wird, auf seinem weiteren musikalischen Weg zu folgen.

Autor: Aleš Podbrežnik
Bewertung: 9 / 10


Trackliste:
1. Open Eyes (04:18)
2. Frame Bend Over (04:04)
3. Trouble Me (03:31)
4. Dancer (05:12)
5. Suddenly (03:57)
6. Ljubav (03:04)
7. Mother’s (03:19)
8. Easy (03:36)
9. Cleavage (04:01)
10. Love Is The Most (04:26)
11. Cider (04:10)
12. TMWIWTG (02:53)

Besetzung:
Anina Trobec – Gesang
Joseph Wheba – Keyboards, Backgroundgesang
Marko Turk – Gitarre
Tomaž Zorko – Gitarre
Mitja Turk – Saxofon
Gregor Turk – Posaune
Denis Androić – Trompete
Primož Špelko – Bassgitarre
Maksim Špelko – Schlagzeug

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