Frank Zappa würde heute 85 Jahre alt werden!

FRANK ZAPPA
0 805

Frank Zappa würde genau heute runde 80 Jahre alt werden, wenn das Schicksal es nicht anders gewollt hätte. Das unvergessliche künstlerische Genie, der große Visionär und Denker, der brillante kreative Geist – er hat vor vielen Jahren mit seiner Persönlichkeit und seinem Werk neue musikalische Horizonte und neue Dimensionen der (R)evolution der Rockmusik erschlossen. Vor allem die Fusion des Gitarrenspiels mit buchstäblich jedem musikalischen Genre. Von klassischer Musik über Free Jazz und alles dazwischen – bis hin zu Dimensionen, die der Kern einer freiheitsliebenden und wahrheitssuchenden künstlerischen Ausdrucksweise ungreifbar und grenzenlos bildreich angetrieben hat. Ohne Einschränkungen und frontal! Das heißt: mit dem vollständigen Einreißen aller Tabus. Wahre Kunst duldet und erträgt nämlich keine Einschränkungen. Genau deshalb war Frank Zappa dem gesellschaftlichen System mehrfach ein gefährlicher Dorn im Auge. Schlicht und einfach deshalb, weil sein herzlicher Geist die Massen bewegte und sie so tief berührte, dass die Menschen begannen, in sich zu kehren – und? Ja. Ihren eigenen Kopf zu benutzen. Genau das, worum uns die »Seelenhirten« unaufhaltsam zu berauben versuchen, und weshalb die heutige Welt am Rande einer großen Gefahr steht, wo wir große Einigkeit zeigen müssen, wenn wir bestehen wollen – und wenn mit dieser Einigkeit die Lebensprinzipien, die Moral, die Werte und die Ordnung bestehen sollen, für die Generationen und Generationen unserer Vorfahren gekämpft haben. Für kommende Generationen. Frank lebte voll und frei und machte in seinen Überzeugungen keine Kompromisse mit jenen, die der Kunst und den Menschen Kontrolle und Überwachung aufzwingen wollten. Aus großem Respekt, den das Team von Rockline diesem einzigartigen Künstler entgegenbringt, haben wir einen kompakten biografischen Überblick seines Lebensweges zusammengestellt. Ruhm sei dir, Frank!

Frank Vincent Zappa ( 21. Dezember 1940 – 4. Dezember 1993) war ein amerikanischer Komponist, Gitarrist, Sänger, Filmregisseur und Satiriker. Im Laufe seiner 33-jährigen Musikkarriere erwies sich Zappa als einer der produktivsten Musiker/Komponisten des 20. Jahrhunderts. Unter anderem veröffentlichte er mehr als 60 Studioalben (alle zu seinen Lebzeiten), von denen fast alle Originalkompositionen enthielten. Darüber hinaus war er ein hervorragender Elektrogitarrist und ein begabter Produzent sowie Toningenieur, der fast jedes seiner Alben von Anfang an eigenständig produzierte – seit 1966.

Seine Werke umfassten nahezu alle bekannten Musikgenres (darunter Avantgarde, Big Band, Blues, klassische Musik, Doo-Wop, elektronische Musik, Funk, Hard Rock, Jazz, Jazz Fusion, Musique concrète, Pop, Progressive Rock, Proto-Rap, Reggae, Rock, Ska und Weltmusik). Den Großteil seiner Werke durchdrang eine originelle Mischung aus Hochkultur, Rockoper, Absurdismus, irrationalem Humor und gesellschaftlicher Satire. Zappa war auch bekannt als großer Kenner und Entdecker zahlreicher musikalischer Talente. In seinen zahlreichen Besetzungen spielten zu verschiedenen Zeiten Musiker wie Adrian Belew, Terry Bozzio, Aynsley Dunbar, Lowell George, Jean-Luc Ponty, Ruth Underwood, George Duke, Vinnie Colaiuta, Mike Keneally und Steve Vai.

Zappa hatte im Laufe seiner Karriere weltweit zahlreiche äußerst treue Anhänger, besonders in den USA, Großbritannien, Italien, Deutschland und in den skandinavischen Ländern. Seine frühen Alben hatten einen bedeutenden Einfluss auf zahlreiche Bands. Die Alben, die bei Musikkritikern gut ankamen, bescherten ihm auch beachtlichen kommerziellen Erfolg, besonders Ende der 70er und Anfang der 80er mit den Hit-Singles „Don’t Eat The Yellow Snow“, „Dancin‘ Fool“, „Bobby Brown Goes Down“ und „Valley Girl“. Zappa hat, urteilt man vor allem nach seinen zahlreichen beißenden Kommentaren über die Musikindustrie, kommerziellen Erfolg und Anerkennung nie sonderlich hoch geschätzt.

Frank Vincent Zappa wurde am 21. Dezember 1940 in Baltimore geboren. Als er 10 Jahre alt war, zog er mit seinen Eltern nach Kalifornien. Das erste Instrument, das er spielte, war Schlagzeug. In dieser Zeit mochte Frank in der Musik am liebsten Rhythm and Blues. Doch als Zappa 1954 die Platte „The Complete Works Of Edgar Varèse, Vol. One“ entdeckt, reißen ihn die ungewöhnlichen und avantgardistischen Kompositionen auf dem Album vollkommen in ihren Bann. Das war wahrscheinlich Franks erste Begegnung mit abstrakten musikalischen Kompositionen – mit musikalischen Formen, die später auch in seiner eigenen Musik auftauchen sollten. Während seiner Gymnasialzeit spielte er in verschiedenen Garagenbands. Doch eigene Rock ’n‘ Roll-Musik begann er erst Anfang zwanzig zu schreiben. Klassische Musik hingegen begann er bereits mit 18 Jahren zu schreiben. Einige seiner frühesten Kompositionen schrieb er für diverse B-Filme, darunter etwa »The World’s Greatest Sinner« und »Run Home Slow« (dessen Drehbuch sein Gymnasiallehrer schrieb). Das Hauptmotiv aus »Run Home Slow« ist heute auf den Kompilationen »The Lost Episodes« (1996) und »The Mystery Disc« (1998) zu hören. Von 1962 bis 1964 war Zappa Songschreiber für mehrere verschiedene Bands (diese Stücke findet ihr auf den Kompilationen »Cucamonga« (1998) und »For Collectors Only« (2003)). 1964 gründete Zappa seine eigene Band The Soul Giants. Später benannte er sie in The Mothers um (eine Art Kompromissabkürzung für ‚motherfuckers‘). Kurz darauf erregten sie die Aufmerksamkeit von Produzent Tom Wilson. The Mothers unterschrieben einen Vertrag beim Label Verve, einer Tochtergesellschaft von MGM Records, und änderten danach ihren Namen in The Mothers Of Invention (um dem Großteil der MGM-Records-Führungsebene entgegenzukommen, die den früheren Bandnamen als zu provokant empfand). 1966 veröffentlichten sie ihr erstes Album »Freak Out!«, das zweite Doppelalbum der Rockgeschichte (nach »Blonde On Blonde« von Bob Dylan) und nach Meinung der meisten das erste Konzeptalbum in der Geschichte der Rockmusik, das die Entwicklung des Progressive Rock maßgeblich beeinflusste. Dieses revolutionäre Album enthielt eine ungewöhnliche Mischung aus Rhythm and Blues, satirischen Texten und Avantgarde. Mit seiner ersten Besetzung von The Mothers of Invention schuf Zappa zahlreiche Meisterwerke des Progressive Rock. Alle seine Alben aus den 60ern sind fantastisch – mit Ausnahme von »Cruising With Ruben & The Jets« (1968), das seine satirische Hommage an die Doo-Wop-Musik ist. Unter seinen frühen Alben ist »We’re Only In It For The Money« (1968) besonderer Erwähnung wert, auf dem Zappa die damalige Hippie-Kultur und den The-Beatles-Klassiker »Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band« (1967) aufs Korn nimmt. Das gesamte Cover von »We’re Only In It For The Money« ist eine Parodie auf dieses Album. Am 20. August 1969 löste Zappa The Mothers of Invention auf. Die bedeutendsten Mitglieder der frühen Besetzung von The Mothers of Invention waren Frank Zappa (Gitarre, Gesang, alles live), Ray Collins (Gesang), Jimmy Carl Black (Schlagzeug und Perkussion, das »Maskottchen« der Band), Roy Estrada (Bassgitarre, Gesang), Don Preston (Keyboards), Billy Mundi (Schlagzeug), Bunk Gardner (Bläser), Jim ‚Motorhead‘ Sherwood (Bläser), Ian Underwood (Bläser, Klavier) und Ruth Underwood (Perkussion). Einige dieser Musiker tauchten später in anderen Besetzungen von Zappas Band auf und machten sich als Solomusiker einen Namen. Aus den frühen Jahren ist auch sein zweites Soloalbum »Hot Rats« (1969) zu erwähnen, auf dem er begann, mit Jazz Rock Fusion zu experimentieren – es gilt als eines seiner besten und beliebtesten Alben.

In den 70ern gründete Zappa eine neue Besetzung von The Mothers of Invention, zu der auch Mark Volman und Howard Kaylan gehörten, frühere Mitglieder von The Turtles, auch bekannt unter dem Spitznamen Flo & Eddie. Diese Besetzung war jedoch von kurzer Dauer, weil ein durchgeknallter »Fan« Zappa während eines Auftritts im Londoner Rainbow Theatre von der Bühne stieß. Die Folge war eine schwere Verletzung. Nach seiner Genesung stellte er The Mothers of Invention wieder zusammen. In dieser Zeit spielten in der Band neben ihm unter anderem: Ian und Ruth Underwood, Tom Fowler (Bassgitarre), Bruce Fowler (Posaune), George Duke (Keyboards), Jean-Luc Ponty (Violine) und Napoleon Murphy Brock (Saxofon). Zappa war die meiste Zeit Hauptvokalist und Gitarrist. Mit dieser legendären Besetzung nahm Zappa einige seiner zugänglicheren und unterhaltsameren Blues-Rock-Alben auf. Während einige Fans der frühen The Mothers of Invention von seinen Alben aus dieser Periode nicht begeistert waren, zählen andere »Over-Nite Sensation« (1973), »Apostrophe (‚)« (1974) und »One Size Fits All« (1975) zu seinen besten Werken. Meine Meinung ist, dass beide Phasen seiner Karriere (Ende der 60er und erste Hälfte der 70er) fantastisch sind. Mitte der 70er begann Zappa auch mit Klangcollagen zu experimentieren und nahm ein Album mit seinem Schulfreund Don Van Vliet auf (besser bekannt unter dem Künstlernamen Captain Beefheart). Die Tour von 1975 und 1976 (mit Terry Bozzio am Schlagzeug) war seine letzte mit der Band unter dem Namen The Mothers Of Invention.

Damals konzentrierte sich Zappa auch offiziell auf seine Solokarriere. Von den späten 70ern bis Anfang der 80er arbeitete er mit Musikern wie Terry Bozzio (Schlagzeug), Adrian Belew (Gitarre, Gesang), Tommy Mars (Keyboards, Gesang), Patrick O’Hearn (Bassgitarre), Eddie Jobson (Violine, Keyboards), Ray White (Gitarre, Gesang) und Ike Willis (Gitarre, Gesang) zusammen. 1979 nahm Zappa »Joe’s Garage« auf (1979, Rockline Rezension), eine Rockoper in drei Teilen darüber, was passieren könnte, wenn Musik illegal werden würde. In den 80ern war Zappa unglaublich beschäftigt. Er nahm die Albumserie »Shut Up ‚N Play Yer Guitar« (1981) und das Album »Guitar« (1988) auf, auf dem er demonstrierte, was für ein exzellenter Gitarrist er über die Jahre geworden war. Darüber hinaus nahm er einige Alben mit einer völlig neuen Besetzung auf, zu der unter anderem Ray White, Ike Willis, Tommy Mars, Bobby Martin (Keyboards, Gesang), Scott Thunes (Bassgitarre), Chad Wackerman (Schlagzeug), Ed Mann (Perkussion) und (gelegentlich) seine große Entdeckung Steve Vai (Gitarre) gehörten. In dieser Zeit begab sich Zappa auch nach Capitol Hill, um gegen Zensur zu kämpfen (das amerikanische Bündnis von Moralhütern unter dem Namen »Parents Music Resource Center« griff ihn unaufhörlich an und forderte das Verbot aller Alben mit »expliziten Texten« – unter anderem stufte es das Album »Jazz From Hell« (1986) als explizit ein, für das Zappa einen Grammy erhielt und das vollständig instrumental ist, was einiges über die Glaubwürdigkeit dieser Organisation aussagt). Ausschnitte aus diesen Sessions sind auf dem Album »Frank Zappa Meets The Mothers Of Prevention« (1985) zu hören. In dieser Zeit begann Zappa auch mit dem Synclavier zu experimentieren (eine besondere digitale Technik zur Klangsynthese und Musikaufnahme – im Grunde der erste digitale Synthesizer), mit dem auch »Jazz From Hell« aufgenommen wurde. Nach einem großen Streit im Jahr 1988 entschied sich Zappa, fast die gesamte Band zu entlassen. Zappa war es mittlerweile müde geworden, mit einer Band zu arbeiten, und so spielte er die restlichen Jahre seines Lebens größtenteils allein Gitarre, nutzte das Synclavier und veröffentlichte Konzert-Kompilationen wie »You Can’t Do That On Stage Anymore« sowie »klassische« Musikprojekte wie »The Yellow Shark« (1993). Als die Ärzte bei ihm Prostatakrebs feststellten, brachte ihn das nicht aus der Ruhe – selbst danach schuf er ohne Pause weiter Musik. Als Frank Vincent Zappa am 4. Dezember 1993 im Alter von 52 Jahren starb, verlor die Welt einen ihrer größten Innovatoren, Kritiker und Komponisten. Sein letztes Album »Civilisation Phase III« (1994), mit dem er bereits in den 80ern begonnen hatte, erschien posthum. 1995 wurde er in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen, 1997 erhielt er posthum einen Grammy für sein Lebenswerk. Seine bekanntesten Denkmäler stehen in der Hauptstadt Litauens, Vilnius, und in Bad Doberan, einer kleinen Stadt im Norden Deutschlands. Zappas Vermächtnis führen in den letzten Jahren seine Söhne Dweezil und Ahmet fort, die 2006 auch das Festival »Zappa Plays Zappa« organisierten, das sich vor allem an jüngere Hörer richtete, die Franks Musik nie kennengelernt hatten, und an dem auch einige ehemalige Mitglieder von Zappas Bands mitwirkten, darunter Steve Vai, Napoleon Murphy Brock und Terry Bozzio.

Hier folgt eine kurze Vorstellung seiner besten Werke. Alle genannten Werke sind Pflichtprogramm für Musikkenner, und einige davon könnten gute Einstiegspunkte für jene sein, die seine Musik noch nicht kennen. Zunächst: Alle seine Alben mit der frühen Besetzung von The Mothers (außer »Cruising With Ruben & The Jets«) sind sehr gut. Die besten sind »We’re Only In It For The Money« (1968), »Uncle Meat« (1969) und »Weasels Ripped My Flesh« (1969). Das Debüt »Freak Out!« (1966) ist weniger interessant, hat aber eine besondere historische Bedeutung und gilt für manche sogar als erstes Album des Progressive Rock. Sein zweites Soloalbum »Hot Rats« (1969) enthält hervorragenden instrumentalen (abgesehen von Captain Beefhearts Gesang auf »Willie The Pimp«) Jazz Rock Fusion. »Hot Rats« ist definitiv eines seiner besten Alben und stellt zusammen mit »WakaJawaka« (1972) und »The Grand Wazoo« (1973) den Höhepunkt seines Jazz-Fusion-Experimentierens dar. Doch die meisten Nicht-Kenner, die seine Alben mit The Mothers of Invention und die Solo-Alben aus den 60ern nicht kennen, könnten diese Werke gründlich abschrecken und vom weiteren Entdecken abhalten. Wenn ihr zugänglichere Musik wollt, könnt ihr mit »Over-Nite Sensation« (1973), »Apostrophe (‚) (1974)« ali »One Size Fits All« (1975) anfangen. Das sind alles hervorragende Jazz-Blues-Rock-Alben. Zappas poporientiertestes Album war das kontroverse »Sheik Yerbouti« (1979). Es enthält viele zugängliche Zappa-Klassiker mit sehr witzigen Texten. Ihr könnt auch mit einer der Kompilationen anfangen: »Strictly Commercial« (1995), »Have I Offended Someone? (1997)«, »Cheap Thrills« (1998) und »Son Of Cheep Thrills« (1999) sind allesamt gute Kompilationen, die euch einen kurzen Einblick geben, wie vielfältige Musik dieses Musikgenie erschaffen hat.

Autor: Peter Podbrežnik
(Einleitung: Aleš Podbrežnik)

Pošlji komentar

Your email address will not be published.

Ta stran uporablja piškotke z namenom zagotavljanja spletne storitve, oglasnih sistemov in funkcionalnosti, ki jih brez piškotkov ne bi mogli nuditi. Z obiskom in uporabo spletnega mesta soglašate s piškotki. Sprejmi Preberi več

Zasebnost&piškotki