FM: Old Habits Die Hard

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Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 12. 5. 2024
Produktion: FM
Albumlänge: 51:04 min
Genre: AOR
Bewertung: 8.5/10


FM, die legendären britischen Könige des AOR- und Melodic-Rock-Genres, melden sich mit ihrem vierzehnten Album einer langen Karriere zurück. Es wären noch mehr geworden, hätte die Band nicht zwischen 1995 und 2010 pausiert. Zwischen 2010 und 2024 haben sie das aber mehr als wettgemacht und mit dem neuesten Werk bereits neun Studioalben am Stück abgeliefert.

Alte Gewohnheiten legt man nicht so leicht ab — schon gar nicht, wenn sie einem einen Royal Flush bescheren. Damit deute ich bereits an, dass auch das neue Album »Old Habits Die Hard« wieder eine reinrassige FM-Schöpfung ist. Von Kopf bis Fuß. Mit dem neuen Album feiert die Band gleichzeitig ihr 40-jähriges Bestehen. Laut Sänger Steve Overland vereint das neue Album auf einen Schlag alle wesentlichen Zutaten, die den kultigen Künstlerstatus dieser echten AOR-Legenden von den britischen Inseln über 40 Jahre hinweg ausmachen. Damit hat Overland nichts gesagt, was die Fans der Band nicht längst wüssten.

Nachdem die Band 2022 ihr letztes Studioalbum »Thirteen« veröffentlicht hatte (Rockline-Rezension), war der Nachfolger eigentlich deutlich früher geplant. Das Erscheinungsdatum von »Old Habits Die Hard« musste FM vor allem wegen Keyboarder Jem Davis verschieben, bei dem Krebs diagnostiziert worden war. Der Band zufolge geht es Jem inzwischen gut und er hat die Operation erfolgreich überstanden. Der zweite Grund für die Verzögerung war der Tod von Steves Bruder, Gründungsmitglied und Original-Gitarrist von FM, Chris Overland. Das neue Album ist daher nicht nur dem 40-jährigen Bandjubiläum gewidmet, sondern auch dem Andenken an den verstorbenen Chris Overland.

Schon der Opener Out Of The Blue ist dem Text nach eine Art Erinnerung an den verstorbenen Chris. Ein großartiger Albumauftakt, der die Landebahn für das berühmte britische AOR-Flaggschiff der Achtziger absteckt! Was den Ansatz betrifft — vor allem klanglich, aber auch in Sachen Arrangement — ist »Old Habits Die Hard« stärker auf die Eighties ausgerichtet als der Vorgänger »Thirteen«. Und nicht nur als der Vorgänger. Sondern auch als einige der Alben davor. Der Sound ist definitiv organisch, warm und lebendig, aber die Band hat sich diesmal etwas vom Hammond-Einsatz entfernt, der kaum noch wahrnehmbar ist, und ist beim Arrangieren der Keyboard-Klangtextur zu einem nostalgischen Achtziger-Widerhall zurückgekehrt. Auch im dichten Spektrum der Klanglandschaft der Produktion selbst lassen sich akustische Gitarrenlinien klar heraushören. Und ja. Wie gesagt. Das neue Album flirtet erstaunlich geschickt mit den Achtzigern — überraschend ist das keine Neuigkeit. Das tut jedes FM-Album. Das ist klar. Aber das Gefühl wird hier stärker betont, gerade durch die „weichere“ Produktion und durch Arrangements, die sich vom markanten Zusammenspiel von Gitarren-Phrasierung und Hammond-ähnlichem Sound wegbewegen. Die Krönung dieses satten Annäherns an den Achtziger-Sound ist auf dem neuen Album zweifellos Whatever It Takes. Dann wäre da noch der Track Black Water — ein Ausflug in unbekannteres Terrain, bei dem die Band sich austobt und ihr schon sprichwörtliches AOR-Kompositionsrezept etwas auflockert, was dem Album eine angenehme Abwechslung beschert.  

Overlands Gesang bleibt faszinierend. Faszinierend präsent wieder im Zentrum der Aufmerksamkeit. Dieser fantastische Sänger, der sich durch eine ausgeprägte Soul-Ader bei der Wahl seiner Vokallinien auszeichnet, klingt erneut so, als wäre er kein bisschen gealtert — wenn man seine stimmliche Reichweite und seinen Output auf den Klassikeralben der Band wie »Indiscreet« (1986) und »Tough It Out« (1989) zum Vergleich heranzieht.  

FM bleiben mit »Old Habits Die Hard« genau dort, wo der Albumtitel es andeutet. Und genau das wollen Fans der Band und des (heute) zutiefst archaischen und fossilen AOR-Genres auch! Die Generationenherolds, die das Genre in den Achtzigern auf die Beine gestellt haben, sind im Grunde die Einzigen, die nach all dem zurückgelegten (kurvenreichen und staubigen) Karriereweg noch wirklich glaubwürdig sind. Das nimmt ihnen niemand. Und das ist Tatsache. Auch die neueste FM-Platte ist der durch und durch aufrichtige und direkte Abdruck dieser „Pionier-Rhetorik“ — teuflisch geschickt verinnerlicht und mit der Reife unserer Zeit ins Heute übertragen.

Autor: Aleš Podbrežnik

Trackliste:
1. Out of the Blue (4.21)
2. Don’t Need Another Heartache (4.35)
3. No Easy Way Out (3.54)
4. Lost (5.20)
5. Whatever It Takes (4.37)
6. Black Water (4.52)
7. Cut Me Loose (4.34)
8. Leap of Faith (4.05)
9. California (5.17)
10. Another Day in My World (4.14)
11. Blue Sky Mind (5.06)

Besetzung:
Steve Overland – Gesang, Gitarre
Merv Goldsworthy – Bass
Pete Jupp – Schlagzeug
Jem Davis – Keyboards
Jim Kirkpatrick – Gitarre


FM – „Old Habits Die Hard“ (Frontiers Music Srl., 2024)
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