Escape: Fire In The Sky
Label: AOR Heaven
Erscheinungsdatum: 30. 4. 2021
Produktion: Escape
Albumlänge: 54.38 min
Genre: AOR/Melodic Rock
Wertung: 9.0/10
Escape sind eine britische Band aus West Yorkshire, hinter der der hervorragende Gitarrist und Komponist Vince O’Reagan steht. Dieser hat im Laufe seiner Karriere auf den Alben einer ganzen Reihe von Künstlern seinen Namen hinterlassen — die jedoch, anders als der Name Bob Catley (Magnum), mit dem O’Reagan auf zwei von Catleys Studioalben zusammenarbeitete, ihre Musik nie einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen konnten (Alibi, Arabia, Legion). Logisch. Wir reden von neuen Zeiten und dem Aufwärmen von AOR-Archaismen. O’Reagan hat seine Band Escape, die in den Jahren 2012 und 2013 zwei Studioalben veröffentlichte, im vergangenen Jahr neu belebt und aufgefrischt — was bedeutet, dass die Besetzung Rochaden erlebte und er außerdem erkannte, dass es höchste Zeit für ein neues offizielles Musikdokument wäre. Die Band ist vom Jahrgang her deutlich älter als die beiden Erscheinungsdaten vermuten lassen, da Escape bereits damals einige sehr alte Motive und Kompositionen aus den frühen Neunzigern verwendet hatte.
Was »Fire In The Sky« bietet, ist eigentlich kein neues Escape-Studioalbum, sondern eher eine Kompilation — genauer gesagt eine Kompilation des „Besten“ von Vince O’Reagan. Darauf finden sich neu eingespielte Tracks vom Escape-Album »Borderline« (2013) und von O’Reagans Soloalbum »Temptation« (2014); außerdem hat der Musiker mit Zustimmung von Magnum-Sänger Bob Catley zwei von Catleys Songs auf »Fire In The Sky« aufgenommen (Blinded By A Lie, Walk On Water), die er selbst geschrieben hat und die aus Catleys Soloalbum »Spirit of Man« (2006) stammen. Der Autor sämtlicher ausgewählter Kompositionen ist also O’Reagan.
In die neue Besetzung hat O’Reagan lediglich Keyboarder Irvin Parratt übernommen, der bereits am zweiten Escape-Album und an O’Reagans Soloalben mitgewirkt hatte. Gesang, Bass und Schlagzeug liegen hingegen in den Händen neuer Bandmitglieder. Das neu eingespielte Material klingt im Grunde sehr klassisch. Der Achtziger-Einfluss ist allgegenwärtig und daran besteht kein Zweifel. In O’Reagans Spiel spürt man gelegentlich, vor allem in den Soli, den Einfluss von Journey-Zauberer Neal Schon. Sucht man Vergleiche mit älteren AOR-Bands von der britischen Insel, käme man am ehesten auf Shy; was die aufgefrischten Produktionsansätze betrifft, nähert sich der Sound von Fire In The Sky dem des Projekts Serpentine und/oder der Band Vega (O’Reagan arbeitete mit Nick Workman auch kurzzeitig in der Band Eden zusammen). In produktionstechnischer und arrangementbezogener Hinsicht drängen sich auch Vergleiche mit den Soloarbeiten des ehemaligen Saga-Sängers Rob Moratti auf. Zu diesem Eindruck trägt neben der enorm polierten und modernen Produktion, die das Maximum an Pomp und Bombast herausholt, auch der Gesangsansatz und die Stimmfarbe von Sänger Graham Beales bei — klar, souverän und äußerst musikalisch. In den höheren Lagen erinnert er gelegentlich an den verstorbenen Tony Mills (Shy, TNT). Der vielschichtig rauschende Synthesizer-Sound ist in Harmonien aus den Achtzigern verankert und bildet einen konkreten, wichtigen Klangbaustein, der mit durchdringendem Phrasing ein echtes Pomp-Theater entfacht.
Ausrutscher gibt es auf dieser Kompilation definitiv keine. Es geht um Kalibrierung — die Justierung der musikalischen Philosophie erfahrener Musiker für neue Zeiten. Das Erscheinen der Sammlung »Fire in the Sky« ist ein äußerst willkommener Weckruf für alle Fans (in Slowenien waren es nie besonders viele), die das Geschehen in den Genres Melodic Rock der neuen Zeit und AOR-Archaismus verfolgen. Die Band hat mit der Auffrischung von O’Reagans eigenem Songkatalog frischen Wind in die Segel bekommen und damit ein richtiges Studioalbum angekündigt, das vollständig aus neuem Eigenmaterial bestehen wird. Angesichts der Auswahl der Kompositionen auf dieser exzellenten Sammlung »Fire in the Sky« sind die Erwartungen an Escape und das neue Studiowerk mehr als berechtigt hoch.
Autor: Aleš Podbrežnik
Trackliste:
1. Lost And Found (4:34)
2. Heroes In The Night (4:39)
3. Temptation (4:33)
4. Restless Heart (4:34)
5. Something To Believe In (4:30)
6. Blinded By A Lie (4:36)
7. Coming Home (4:06)
8. Borderline (4:16)
9. Destiny (5:05)
10. Walk On Water (4:29)
11. Fire In The Sky (9:10)
Besetzung:
Graham Beales – Gesang
Vince O’Regan – Gitarre, Hintergrundgesang
Irvin Parratt – Keyboards, Hintergrundgesang
Pete Betts – Bassgitarre, Hintergrundgesang
Bob Pears – Schlagzeug
