Ecliptic: The Path of 01
Label: Modigo Records
Erscheinungsdatum: 11. 6. 2019
Produktion: Ecliptic
Albumlänge: 58.26 min
Genre: Jazz Rock Fusion/Avantgarde/Electronic
Bewertung: 9.0/10
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Wo ist eigentlich der Juni 2019 geblieben? Damals erschien das Album von Ecliptic mit dem Titel »The Path Of 01«. In ebendiesem besonders regnerischen Juni eröffneten Ecliptic auch den Konzertabend vor dem krönenden Abschluss des letztjährigen Ljubljana Jazz Festivals – begleitet vom Regen und vor dem Auftritt von Snarky Puppy wärmten sie das Publikum in den Križanke auf.
Band? Was Band! Eine Crew echter musikalischer Schwergewichte, wenn es um die slowenische Musikszene geht. Die fünf Mitglieder dieser Crew kommen aus sehr unterschiedlichen musikalischen Welten. Jani Moder (Gitarre), Igor Matkovič (Trompete), Jani Hace (Bassgitarre), Žiga Kožar (Schlagzeug) und Murat (Gesang, Beatbox). Eine wahnsinnige Kombination! Schon wenn du die Namen des Quintetts kurz überfliegst, wird sofort klar, dass das Album »The Path of 01« ein musikalisches Abenteuer der besonderen Art ist – und auf jeden Fall ein einzigartiger Leckerbissen für anspruchsvolle Musikgourmets.
Eindeutig handelt es sich um ein jazzfusioniertes Klanggebilde, in dem sich digitales und analoges Klangprinzip die Hand reichen. »The Path Of 01« ist ein eigenwilliges Geflecht, das in seiner ganzen Aufgelockertheit und seinem kühnen jazzigen Abenteurertum fasziniert – verkörpert durch den allgegenwärtigen Teamgeist eines vollblütigen gegenseitigen Wahrnehmens und Wirkens der starken chemischen Bindungen zwischen den Klangbausteinen. Das Album zeichnet sich durch Eklektizismus aus und überhäuft den Hörer auf Schritt und Tritt mit luziden Hebeln des musikalischen Experimentierens. Es greift auf eine Verbindung von Klangbausteinen zurück, bei der man beim »ersten Hinhören« oft meint, ihre gegenseitige Verträglichkeit sei utopisch. »The Path Of 01« ist ein weiteres faszinierendes Werk, das beweist, wie viel greifbare musikalische Fremdartigkeit – die auf Schritt und Tritt begeistert – durch eine ausgesprochen flexible und versöhnliche Sprache auf höchstem gegenseitigem Verständigungsniveau erreichbar ist, bei einer ansonsten anspruchsvollen Aufgabe der Gruppe. Die fünf Mitglieder entwickeln durch dieses Werk eine wunderschöne und begeisternde symbiotische Beziehung.
Beim traditionellen Ansatz der Integration von Gitarre, Bassgitarre und Bläsern muss man ein äußerst wichtiges Faktum im Blick behalten: dass sowohl Moder, Matkovič als auch Hace durchgehend zu Tricks greifen – sei es zur elektronischen Klangmanipulation oder zum Einsatz zusätzlicher Soundeffektierung, die auch vor klangsynthetischen Mitteln nicht zurückschreckt. Murats Beitrag verleiht dem Ausdruck der Gruppe eine exzellente zusätzliche Würze. Durch seine unterhaltsamen Streiche des »Beatbox«-Ansatzes entwickelt das Album noch mehr Dynamik, und die Atmosphäre packt einen in den Kontrasten noch intensiver. Gleichzeitig fungiert ein solcher Einsatz der Stimme oft als zusätzliches Rhythmusinstrument. Stimmt schon, dass Moder und Matkovič gelegentlich auf traditionelle Jazzelemente zurückgreifen, was im Ausdruck eine starke Note der Jazzrock-Fusion betont, die durch die außergewöhnliche rhythmische Dynamik von Hace und Kožar verstärkt wird – gleichzeitig ist die Implantation elektronischer Klangstrukturen tatsächlich ein gleichwertiger Baustein der Klangkultur dieser Besetzung. Auf dem Album sind durchaus Genre-Abweichungen wahrnehmbar, wie das bei Cowboi der Fall ist, das sich surfermäßig öffnet, oder Miss Feather, das in der zweiten Hälfte mit Elementen der Weltmusik zu flirten beginnt und wo die Band auch einen Moment der Mystik herauslockt (eine ruhige Passage kurz vor dem lärmendem Albumabschluss). Die Bandmitglieder bringen sich auch sehr gut gegenseitig in Schwung. In Saltobeat phrasieren die Bläser von Matkovič mit länger gespielten Tönen und bereiten so den Weg für Kožars Exposition, der sich hier ausgiebig austobt und am Schlagzeug aufblüht. Flashback ist der Punkt des Albums, an dem die Sprache der Gitarre dominiert – wenn der erfahrene Jani Moder mit seinen Gitarrenakrobatiken in den Vordergrund tritt.
Die Crew reagiert mit Gespür. Sie spielt mit Instinkt. Das Album erweckt ein Gefühl der Spontaneität, obwohl eine solche Interpretation des Materials ein außerordentliches Maß an Konzentration erfordert – was die außergewöhnliche filigrane Sensibilität im mystischen Time to Leave the Party widerspiegelt. Das Album entwickelt sich jedoch im Einklang mit dem Axiom »erwarte das Unerwartete«. Man muss das Faktum im Blick behalten, dass es sich um erfahrene Musiker handelt, die keine Versteckspiele kennen und sich daher ein außerordentliches Maß an freiheitsliebender jazziger Kühnheit leisten können. Die Messlatte der kreativen Selbstherausforderung setzen solche Musiker, die auf enorme Erfahrungen zurückblicken, immer sehr, sehr hoch. Ein solcher Charakter des freiheitsliebenden Eskapismus kreiert automatisch Inhalte streng eklektischer Natur. Das ist auch ein Album, das trotz seines ausgesprochen experimentellen Fokus wunderbar mit greifbaren Phrasierungen ausbalanciert ist. Das verleiht den ohnehin schon aufgelockerten Kompositionen noch immer das rechte Maß an Kompaktheit.
Das Album »The Path Of 01« ist ein Spiegelbild grenzenlosen Spaßes im Studio. Es ist eine eklektische Verschmelzung ausgelassener musikalischer Verrücktheit mit dem Unterfangen, fünf musikalische Egos zu einem perfekten Klangkörper herauszufordern, der den Hörer durch weniger bekannte, »gut bewachte« und noch unerkundete Musikgefilde führt. Die breite und freiheitsliebende Offenheit des Quintetts gegenüber jedem beliebigen Experiment bzw. »musikalischem Streich« garantiert der Gruppe auch für die Zukunft eine evolutionäre Intensivierung des eigenen Ausdruckspotenzials.
Autor: Aleš Podbrežnik
Tracklist:
1. Analog Chief (10:28)
2. Emptiness (02:25)
3. Catcher (E.l.a.) (06:31)
4. Are We Digital? (02:04)
5. Flashback (07:47)
6. Time to Leave the Party (06:11)
7. Saltobeat (10:16)
8. Cowboi (03:03)
9. Miss Feather (09:44)
Besetzung:
Jani Moder – Gitarre, Effekte
Igor Matković: – Trompete, Elektronik
Jani Hace – Bassgitarre, Effekte
Murat – „beatbox“
Žiga Kožar – Schlagzeug, Effekte
