Eclipse: Wired

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Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 8. 10. 2021
Produktion: Eric Mårtensson
Albumlänge: 41.16 min
Genre: Melodic Hard Rock / Heavy Metal / Glam Metal Revival
Wertung: 9.0/10


»Wired« ist das neunte Studioalbum der schwedischen Hard-Rock-Institution Eclipse, denen vor allem nach dem phänomenalen »Bleed & Scream« (2012) der Durchbruch in der Szene gelang – und von Album zu Album gewannen sie eine immer größere Fangemeinde. Die Band agiert seit gut zwei Jahrzehnten unter der Führung des phänomenalen Eric Mårtensson, der der Hauptvisionär der musikalischen Ausrichtung ist. Eric ist das Mädchen für alles. Er komponiert stets die gesamte neue Originalmusik, produziert sie, ist Hauptsänger und obendrein noch Multiinstrumentalist. Die Achse mit Gitarrist Magnus Henriksson, der seit den Anfängen der Band dabei ist, ist ein essenzieller Baustein, mit dem Eclipse ihre unverwechselbare Ausdruckssprache erzielen. Ihre ganz persönliche musikalische Handschrift.

In ihrer Karriere haben Eclipse beim Songwriting noch keinen Fehler gemacht. Das letzte Album »Paradigm« (2019, RockLine Rezension) deutete allerdings an, dass die Kreativität etwas versiegt war, dass die Band irgendwie in der Komfortzone steckengeblieben war und die wesentlichen Ausdrucksladungen auf ihrem künstlerischen Entwicklungsweg bereits verschossen hatte. Ein mehr als gutes, sagen wir ruhig richtig gutes Album – also erwartungsgemäß geschaffen, aber ohne Ausreißer nach oben.

Ungeachtet dessen, dass die Band ihre Alben im Zweijahresrhythmus veröffentlicht, ist »Wired« wieder ein Werk, bei dem Mårtensson es geschafft hat, aus sich herauszuholen, was bei Eclipse am meisten geschätzt wird. Diese unglaublich ansteckende Musikalität, das erstklassige Niveau an Bombast in der Erschaffung jenes Drama-Theater-Spektakels, das die besten Studioalben der Band ziert und mit dem Eclipse die Musikmassen für sich gewonnen und überzeugt haben. Diese Band ist interessant, weil sie im Grunde Hard Rock spielt, der durch eine dünne unsichtbare Linie auf das Terrain des Heavy Metal übertritt – und Eclipse wirken dadurch oft regelrecht melodic-metal-esk. Dazu mischen sie auf eine raffinierte Art giftig ansteckende Musikalität. Stellenweise begeben sie sich in Richtung Glam-Metal-Revival-Elemente, während sie an bestimmten Punkten AOR-Sentimentalität wecken können – die Patenschaft dieser außergewöhnlichen Musikalität lässt sich jedenfalls bei Bands wie ABBA und Roxette suchen. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Skandinavische Pedanterie und Sinn für Musikalität enttäuschen in der Regel nie.

Twilight mit dem Eingangsmotiv, das theatralisch Beethovens Eroica zitiert – gilt als einer der pompösesten Tracks der neuen Platte. Der Refrain ist brillant eingängig. Schon der Einstieg des Albums reitet auf den Schwingen sofortiger musikalischer Invasivität, wenn Eclipse mit Roses On Your Grave, Dying Breed und dem besonders glam-metallisch kribbelnden Saturday Night (Hallelujah) zünden. Ein hervorragender Track, voller sprudelnden Optimismus – als hätte das Leben in der Lockdown-Ära keineswegs aufgehört –, mit dem Eclipse auf Tour ganze Hallen im Handumdrehen zum Kochen bringen werden. Ein Track, der ins eiserne Konzertrepertoire übergehen wird. Da ist Carved In Stone. Das ist eine treibende Ballade, die das Album in der Mitte etwas runterholt, aber ohne zuckerige Überladenheit, die einen schlechten Nachgeschmack hinterlassen würde – die skandinavische Düsternis bleibt auch hier unnachgiebig. Twilight direkt danach hebt das Album mit voller Wucht wieder auf Party-Niveau. Den dunkleren Moment bringt die hochdramatische und zugleich außergewöhnlich musikalische, melancholische Poison Inside My Heart.

Dann ist da Bite The Bullet, eine der drei Singles des neuen Albums. Ein giftiger Trick, der Funken schlägt wie die besten Zeiten des Glam Metal (Autograph, Winger, …), mit einem der mächtigsten Riffs, die Eclipse für das neue Album geschrieben haben – und zweifellos einer der Höhepunkte des Albums. Skandinavischer melodischer Hard Rock und Metal tragen in den aktuellen Werken von Eclipse also einen der wesentlichen Fahnenträger der neuen Zeit. Mårtensson gelang diesmal wirklich alles. Auch We Didn’t Come To Lose zollt Größen wie Treat, Europe, Renegade, 220 Volt usw. Tribut – Stampfen, Pomp und Bombast lassen keinen Augenblick nach. Bite The Bullet, We Didn’t Come To Lose und der überaus faszinierende Abschlusstrack Things We Love tragen keltische Folk-Ornamente in Terzharmonien, die (vor allem in den Eröffnungsteilen) Assoziationen zum guten alten Gary Moore und seinen Alben aus der Mitte der Achtziger wecken – Henriksson hat diese definitiv gründlich verinnerlicht.

Damit ist es noch nicht getan. Fans dieses musikalischen Genres und der Band überhaupt müssen sich unbedingt die digitale Version oder das CD-Format des neuen Albums zulegen, denn nur diese beiden enthalten einen zusätzlichen Track. Das ist Dead Inside, der dem übrigen Originalmaterial des neuen Albums in keinerlei Hinsicht nachsteht – sonst wäre dieser Abschnitt in diesem Rezensionsessay völlig überflüssig.

Offensichtlich hat die Konzertpause mehr als erfolgreich dazu beigetragen, die nötige kreative Inspiration zu sammeln, und »Wired« platzt wieder aus allen Nähten vor kompositorischer Brillanz von Eric Mårtensson und seinen Mitstreitern. Vielleicht hat zur Frische des neuen Albums auch die Tatsache beigetragen, dass Eclipse vor Beginn der Aufnahmen die Rhythmussektion in ihrer Besetzung komplett ausgetauscht haben. »Wired« ist ein brillantes neues Album der Band und erreicht das Niveau der besten Momente vergangener Alben (»Bleed & Scream«, »Armageddonize«, »Monumentum«). Was die Gesangsdarbietung betrifft, lässt sich ohne Weiteres festhalten: Eric ist mit den Jahren zu einem wirklich erstklassigen Vokalisten gereift und herangewachsen. Der Gesang ist gediegen, autoritär und lauert ständig in entschlossener Dominanz.

»Wired« ist ein Album, das sofort Adrenalin ins Blut pumpt und Gänsehaut auslöst. Ein Album, das dich aufrichtet, dir Flügel verleiht, dich mit sprudelndem Optimismus und Heiterkeit füllt. Auch wenn es einige melancholische Inhalte trägt – aber vom packenden Drama-Theater-Flair –, bringt es auch ein nostalgisches Paket Glam-Metal-Revival mit, das donndernd zum totalen Exzess und zur Ausgelassenheit aufruft. Eclipse sind da. Ihre Position haben sie erneut schamlos, kompromisslos und mit arroganter Vehemenz eingenommen. Wie es sich für die Besten eben gehört.

Autor: Aleš Podbrežnik


Trackliste:
1. Roses On Your Grave
2. Dying Breed
3. Saturday Night (Hallelujah)
4. Run For Cover
5. Carved In Stone
6. Twilight
7. Poison Inside My Heart
8. Bite The Bullet
9. We Didn’t Come To Lose
10. Things We Love
11. Dead Inside (Bonustrack – nur CD-Format und digital)

Besetzung:
Erik Mårtensson – Gesang
Magnus Henriksson – Gitarre
Victor Crusner – Bass
Philip Crusner – Schlagzeug

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