Dynazty – Game of Faces

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Veröffentlicht: 14. 2. 2025 bei Nuclear Blast
Produktion: Dynazty
Länge: 42:14
Genre: Disco Metal


„Pop-Sounds im Metal-Gewand“

Um das Jahr 2010 tauchte in Power-Metal-Kreisen ein interessantes Phänomen auf. Eine Gruppe von Bands formierte sich, die Klänge und Rhythmen der Disco-Musik der 70er, des Pop der 80er und der Euro-Dance-Musik der 90er in einen Sympho-Power-Mantel hüllte. Wenig überraschend stammen diese Bands aus der schwedischen und finnischen Power-Metal-Szene. Die führenden und erfolgreichsten Vertreter dieser relativ neuen Bewegung sind Amaranthe, gefolgt von Metalite als offensichtlichstem Ableger, dann Battle Beast, Beast in Black, H.E.A.T und natürlich Dynazty. Wahrscheinlich habe ich noch die eine oder andere Band vergessen — die hier genannten sind die medienpräsentesten. Allen diesen Bands gemeinsam sind zwei Dinge: überdurchschnittlicher Gesang und eine total vollgepackte Produktion. Trotz des gemeinsamen Nenners bemüht sich jede dieser Bands, eine andere musikalische Richtung der letzten drei Jahrzehnte des vorigen Jahrhunderts in den Vordergrund zu stellen. H.E.A.T setzen dabei auf Glam Metal, Battle Beast auf Pop Rock der 80er, Dynazty hingegen …

Dynazty sind ein interessantes Biest. Auf ihren ersten drei Alben spielten sie eine moderne Version von Glam/Sleaze/Hard Rock, mit dem Album Renatus aus dem Jahr 2014 machten sie dann einen sauberen Schnitt und wechselten in den oben beschriebenen Sound. Game of Faces ist damit bereits das sechste Album in diesem Stil — ein Zeugnis der außerordentlichen Produktivität der Band, denn ein solches Veröffentlichungsrhythmus ist heutzutage nur noch selten jemandem möglich.

Game of Faces weicht in keiner Weise von den fünf Vorgängern ab — vielleicht ist von allem einfach noch mehr da. Mehr Melodien, mehr Sound, mehr Produktion, mehr straosphärischer Gesang. Die Jungs haben ihr Handwerk zur Perfektion verfeinert: alle Tracks sind super melodisch, super laut, super vollgepackt mit Gitarrensoli und gesättigt mit Keyboards, um die sich beide Gitarristen kümmern. Ich muss zugeben, dass ich ein großer Fan von Nils‘ Gesangsstil und seinen stimmlichen Fähigkeiten bin — und der Mann enttäuscht auch auf diesem Album in keiner Sekunde. Seine Melodien und die Interpretation an sich sind erstklassig, und live ist er sowieso unschlagbar.

Da Nils auch einer der drei Sänger bei Amaranthe ist, werden die Ähnlichkeiten in Melodien, Sound und kompositorischem Ansatz von Album zu Album immer auffälliger. Zufall, dass auch Elize, die Hauptsängerin und Songwriterin bei Amaranthe, hier Backing Vocals beisteuert? Zufälle gibt’s nicht! Die Produktion erinnert stark an die mittlere Phase von Nightwish (Once, Dark Passion Play) — Keyboards und Samples besetzen mindestens die Hälfte des Klangbilds, sodass es einem regelrecht in den Ohren brummt. Chorrefräne reihen sich einer ans andere, und das Ganze wird mit einer Präzision umgesetzt, die schon einen Tick zu zuckersüß geraten ist.

Das Problem dieses Albums ist die übertriebene Einheitlichkeit — um nicht zu sagen Gleichförmigkeit. Die Songs fließen fast ohne Unterschied ineinander über, ohne Raum zum Durchatmen. Die einzige Ausnahme ist das halb-balladeske, hymnische Dream of Spring, das schon vom Text und Stil her leicht an die bereits erwähnten Nightwish erinnert. Die Rhythmen sind größtenteils tanzbar (hört euch nur mal den Eurovision-Schmissling Devilry of Ecstasy an!), und die Hälfte der Songs würde problemlos in die Playlist eines beliebigen Nachtclubs Ende der 90er passen.

Nicht unerheblich ist die Tatsache, dass sich alle Tracks bis auf zwei Ausnahmen im Bereich der berühmten dreieinhalb Minuten bewegen.

Das Album ist ein erstklassiges Produkt des Genres — das Genre selbst ist jedoch ein einziges großes Fragezeichen, zumindest für mich. Was soll der Sinn von Pop-Popsongs sein, die mit doppelter Bassdrum, kreischenden Soli und himmlischen Gesangshöhen verkleidet werden? Ganz sicher bin ich mir nicht. Definitiv lässt sich das Album aber problemlos mehrfach hören und man kann dabei sogar Spaß haben. Meine Lieblingstracks habe ich eher zufällig ausgewählt — mal hat mich eine Melodie gepackt, mal ein Rhythmusmuster, ich könnte es nicht genau sagen. Oder war es doch das Wehen von Nils‘ Mähne in einem der Musikvideos?

Klebrige Bonbons: Dark Angel, Call of the Night, Fire to Fight

Wertung: 7,5/10

Autor: Igorac

P.S. Habt ihr schon mal eine Tracklist mit so klischeehaften Metal-Titeln gesehen?


Tracklist:
01. Call of the Night 
02. Game of Faces 
03. Devilry of Ecstasy 
04. Die to Survive 
05. Fire to Fight 
06. Dark Angel 
07. Fortune Favors the Brave 
08. Sole Survivor  
09. Phoenix 
10. Dream of Spring 
11. Mystery

Musiker:
Jonathan Olsson – Bass, Backing Vocals
Georg Härnsten Egg – Schlagzeug, Backing Vocals
Love Magnusson – Gitarren, Backing Vocals, Keyboards
Nils Molin – Gesang
Mikael Lavér – Gitarren, Backing Vocals, Keyboards

Elize Ryd – Backing Vocals
Linnéa Vikström – Backing Vocals



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