DragonForce: Warp Speed Warriors (Japanese edition)

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Veröffentlicht: 15.3.2024 bei Napalm Records
Produktion: Damien Rainaud, Sam Totman, Herman Li
Länge: 68 Min., 11 Sek.
Genre: Extreme Power Metal


„Die Jungs sind wieder in der Stadt … fast“

DragonForce ersetzten 2011 ihren charismatischen Frontman ZP Theart durch den himmlischen Kreischer Marc Hudson – und es war, als hätten sie dabei die Magie verloren, die sie auf den ersten drei Alben ausgezeichnet hatte. Um ehrlich zu sein: Schon das vierte Album Ultra Beatdown (mit ZP am Mikro) aus dem Jahr 2008 hatte auf Probleme im Paradies hingedeutet, aber niemand – am allerwenigsten ich – hatte die Wende zum Schlechteren erwartet, die die Band mit dem Album The Power Within im Jahr 2012 hinlegte. Die Songlängen schrumpften von acht auf gut fünf Minuten, die schwindelerregenden 3-Minuten-Soli wurden durch Soli in eher standardmäßiger Länge ersetzt, und die Songs selbst waren auf ungewöhnlich simple Art langweilig. Wenn ich erwähne, dass das Beste auf dem Album Seasons war – geschrieben vom damaligen Bassisten Frederic Leclercq und klingend wie ein durchschnittlich gelungener Stratovarius-Song –, wird klar, dass DragonForce in unruhige Gewässer geraten waren. Die Lage versuchten sie dadurch zu retten, dass Sam Totman den Komponisten-Stab an den oben erwähnten Leclercq weitergab, der vergeblich versuchte, Thrash- und Progressive-Elemente in den musikalischen Ausdruck einzubringen. Das führte zu einem soliden (aber nicht dank Leclercq) Maximum Overload (2014), einem erbärmlichen (abgesehen von zwei Tracks) Reaching Into Infinity (2017) und dem absolut nichtssagenden Extreme Power Metal (2019). Letzterer ist für mich persönlich nicht anhörbar. Denn da ist kein Power Metal (zumindest nicht im DragonForce-Stil), und erst recht nicht, dass er extrem wäre. Ein einziges Desaster. Natürlich hat es auch nicht geholfen, dass sich im Laufe dieses Prozesses der Keyboarder und einer der Gründer der Band, Vadim Pruzhanov, völlig entfremdet hatte. Die Band trennte sich unter ungeklärten Umständen nach der Veröffentlichung von Reaching Into Infinity im Jahr 2018 von ihm. Vadim war, genau wie die Gitarristen Li und Totman, ein integraler Bestandteil des DragonForce-Sounds. Seine zunehmend kleinere Rolle und schließlich sein Ausstieg aus der Band machten sich auf den Alben deutlich bemerkbar.

Nun, Frederic ging nach dem Fiasko mit dem Extreme Power Metal-Album zu Kreator, um dort Bass zu spielen. Im Einklang mit modernen Metal-Trends stieß Bassistin Alicia Vigil (Vigil of War) zur Band, und nach kurzer Bedenkzeit nahm Sam Totman wieder alle kompositorischen Zügel in die Hand.

Nach fünfjähriger Pause haben wir endlich die Veröffentlichung des neuesten Albums Warp Speed Warriors erlebt. Leider kann ich nirgendwo im Netz ein Bild des alten DragonForce-T-Shirts finden, auf dem in großen, durchgestrichenen Buchstaben »Midtempo Power Metal« stand. Wie die Zeiten sich ändern! DragonForce haben nämlich als Lead-Singles zwei Midtempo-Katastrophen herausgebracht: Doomsday Party und Power of the Triforce. Mit Midtempo-Songs hatte Sam schon bei Cry Thunder auf The Power Within angefangen, weitergemacht mit Three Hammers – und dann konnte er nicht mehr aufhören. Kurzum, damit haben DragonForce einen guten Teil ihrer Identität verloren, und Sam hat offensichtlich Blut geleckt. Dann folgte Power of the Saber Blade als Video-Single, das bessere Zeiten ankündigte. Wahrscheinlich das Beste seit Judgement Day vom Reaching Into Infinity-Album befindet sich leider nicht auf Warp Speed Warriors, aber der Geschmack von alten DragonForce war da.

Genug der langweiligen Einleitung – kommen wir zum Album selbst. Wie erwähnt hat Totman fast alles erledigt, was man dem Album auch anmerkt. Eine Hälfte davon ist nämlich reiner und originaler »Vintage«-DragonForce. Im Opener Astro Warrior Anthem gönnen sich Sam und Herman nach jeder Zeile der Strophe ein kleines Mini-Solo. Und das durch den ganzen Song!!! Der Rhythmus ist mörderisch, das Tempo halsbrecherisch – DragonForce sind zurück! Im gleichen Stil finden wir auf dem Album Burning Heart, The Killer Queen und Pixel Prison, und die Ballade zum Niederknien ist diesmal das hervorragende Kingdom of Steel, das sowohl vom Titel als auch vom musikalischen Stil her die True-Metal-Heroen Manowar in Erinnerung ruft. Die Beste aus diesem Quintett ist The Killer Queen mit ständigen Rhythmuswechseln und einem wirklich eingängigen Refrain.

Die zweite Hälfte des Albums ist fragwürdiger. Neben den zwei erwähnten Singles haben wir hier das unnötige Intro Prelude to Darkness, das komödiantische (aber nicht vollständig falsche) Space Marine Corp sowie das fragwürdige Cover Taylor Swift Wildest Dreams. Wenn DragonForce sich beim Cover Ring of Fire von Johnny Cash weidlich lustig machen und höllisch Spaß haben konnten, und My Heart Will Go On von Celine Dion ein erstklassiger, wenn auch leicht missglückter Witz war, kann man sich bei diesem Cover nicht des Gefühls erwehren, dass es darum geht, Fans aus der jüngeren Generation zu fischen. Da mir meine Töchter verboten haben, das Original zu hören, kann ich euch nicht sagen, ob das Cover OK ist oder nicht – es klingt halt wie ein drittklassiger DragonForce-Song und ist auf dem Album völlig überflüssig.

Die erweiterte Version enthält:

  • Astro Warrior Anthem mit dem bellenden Gesang von Matt Heafy aus Trivium, der zum Song absolut nichts beiträgt – dazu kommt noch ein Solo von Nita Strauss, das ich, wäre da nicht der große Produktionsunterschied, nicht von Lis Solo unterscheiden könnte.
  • Burning Heart mit Alissa White-Gluz (Arch Enemy), die mit ihren Vocals eine völlig andere Dimension hinzufügt und den Song um zwei Level hebt.
  • Doomsday Party mit Elize Ryd (Amaranthe), die alles gibt, aber dem katastrophalen Song einfach nicht helfen kann. Als ob man zwei Wochen nicht duschen würde und die Sache dann mit einem 300-€-Parfüm retten wollte. Geht nicht.
  • Instrumentalversion von Power of the Triforce. Unnötig.

Abschließend möchte ich noch das brennende Problem dieses Albums ansprechen. Das ist die Produktion. Es ist schwierig, wenn jemand denkt, er weiß und kann alles – genau so haben Li und Totman dieses Album größtenteils produziert. Das Ganze klingt steril, der hervorragende Gee am Schlagzeug klingt wie eine Rhythmusmaschine, und Coen Jenssen (Epica) an den Keyboards geht im All unter – als wäre es nicht schon genug, dass sein Stil einfach nicht zu DragonForce passt. Vadim, wo bist du? Wenn ich nur daran denke, was Flemming Rasmussen mit diesem Album gemacht hätte!!! Oder zumindest, wenn schon nichts anderes, Andy Sneap.

Noch ein Wort zu Alicia. Das Mädel ist eine kompetente Sängerin, daher stellt sich die berechtigte Frage, warum man sie nicht in einem Duett eingesetzt hat. Sie bekommt aber etwas Raum (Burning Heart, The Killer Queen), wo sie ein paar Bassfiguren zeigen kann – und den nutzt das Mädel auch erfolgreich aus.

DragonForce sind auf halbem Weg zurück zum alten Ruhm. Schon wenn man das katastrophale Doomsday Party rausnähme und durch Power of the Saber Blade ersetzte sowie das unnötige Intro Prelude to Darkness wegließe, würde ich hier ein Album rezensieren, bei dem die Endnote mindestens einen Punkt höher wäre. Aber die Dinge entwickeln sich für die Band in die richtige Richtung – ich drücke die Daumen, dass Sam dem folgt, was er am besten kann, und uns beim nächsten Mal etwas Ähnliches wie das Album Sonic Firestorm (2004) zaubert.

Highlights: Burning Heart (mit Alissa), The Killer Queen, Kingdom of Steel

7,5/10

Autor: Igorac


Tracklist:

  1. „Astro Warrior Anthem“ 6:50
  2. „Power of the Triforce“ 3:53
  3. „Kingdom of Steel“ 4:45
  4. „Burning Heart“ 5:55
  5. „Space Marine Corp“ 6:17
  6. „Prelude to Darkness“ 0:52
  7. „The Killer Queen“ 5:49
  8. „Doomsday Party“ 5:14
  9. „Pixel Prison“ 6:42
  10. „Wildest Dreams (DragonForce’s Version)“ (Taylor Swift cover) 2:50

Bonustracks:

  1. „Astro Warrior Anthem“ (featuring Matt Heafy and Nita Strauss) 6:50
  2. „Burning Heart“ (featuring Alissa White-Gluz) 5:55
  3. „Doomsday Party“ (featuring Elize Ryd) 5:16
  4. „Power of the Triforce“ (instrumental) 3:53

Musiker:
Marc Hudson – Lead- und Hintergrundgesang
Herman Li – Gitarre, Hintergrundgesang, Produktion
Sam Totman – Gitarre, Hintergrundgesang, Produktion
Alicia Vigil – Bass, Hintergrundgesang
Gee Anzalone – Schlagzeug, Hintergrundgesang

Zusätzlicher Musiker:
Coen Janssen – Keyboards

Technisches Team:
Damien Rainaud – Produktion, Mastering, Mixing, Engineering

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