Diamond Head: The Coffin Train

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Label: Silver Lining Music
Erscheinungsdatum: 24.05.2019
Produktion: Rasmus Bom Andersen
Albumlänge: 50.00 min
Genre: Heavy Metal
Bewertung: 9.0 / 10


Diamond Head. Noch eine Band mit einer bewegten Geschichte und noch eine Band, die in den Achtzigern mit ihrem legendären Debüt in der klassischen N.W.O.B.H.M.-Ära, »Lightning To The Nations«, den weltweiten Aufstieg des Thrash Metal maßgeblich mitbeeinflusst hat – einer Szene, die in den letzten Jahren eine echte Renaissance erlebt. Heute hält Gitarrist Brian Tatler die Zügel bei Diamond Head in der Hand; er ist auch der Hauptschreiber des Materials und Schmied neuer Gitarrenphrasen. Vor drei Jahren veröffentlichte die Band das sehr gute Album »Diamond Head«, mit dem sie sich in einer frischen Besetzung präsentierte – mit einem neuen, unverwechselbaren Vokalisten dänischer Herkunft namens Rasmus Bom Andersen.

War »Diamond Head« durchaus ein solides Werk – erst recht, wenn man es mit einigen weniger gelungenen »Experimenten« der Band aus der Zeit nach den Achtzigern vergleicht – und ein Produkt, das mit seiner Qualität die Startbahn für einen potenziellen Nachfolger legte, dann ist »The Coffin Train« genau das.  Eine hervorragende Fortsetzung in jeder Hinsicht, mit der Diamond Head – ja, genau so, meine Damen und Herren – in großem Stil zurückgekehrt sind.

»The Coffin Train« transportiert, ungeachtet des Jahres 2019, tatsächlich jene ferne Schwingung des Übergangs von den Siebzigern in die Achtziger – leicht »demo-haft«, unpoliert, mit einem auch punkigen Anklang (wenn man so will), obwohl die Produktionsansätze und die Studiologistik heute natürlich völlig andere sind; und natürlich gehört es sich, dass ein neues Album in der Regel auch die neuesten technologischen Trends berücksichtigt, was Diamond Head selbstverständlich getan haben. Bei allem modernen Produktionsgestus, dem es dennoch gelungen ist, etwas von jenem fernen, nostalgischen Zeitgefühl einzufangen, als Metal noch ein unbeflecktes Kind voller jungfräulicher Wildheit und Naivität war, entfaltet das neue Diamond-Head-Album echte Schärfe und die gewollte Finsternis des Verderbnis-Okkults – was bedeutet, dass es ein entschieden vampiristisch aufgestacheltes und auch leicht unheilvolles Werk ist! Ein echtes klassisches Metal-Album aus den Händen und dem Geist eines Mannes, der diese Zeiten gelebt, geatmet und mitgestaltet hat (Brian Tatler)!

Die interessanteste Beobachtung ist, dass Diamond Head mit dem neuen Album – angesichts der Unerreichbarkeit des Albums »Lightning To The Nations« – auf der anderen Seite genau das erreichen. Bei all den künstlerischen Zügen, die Tatler mit seiner Crew im Laufe seiner Karriere mutig gegangen ist und dabei mehrfach gefährlich mit der Glaubwürdigkeit der Old-School-Metal-Pose gespielt hat, ist es genau »The Coffin Train«, ein Werk, von dem man sagen kann, dass Diamond Head damit ihren klassischen Achtzigerjahren am überzeugendsten nahekommen.

In den Kompositionen hört man die Einflüsse von Black Sabbath (das Stück Shadeds Of Black und später The Sleeper) sowie von Deep Purple (The Messenger – eine unglaubliche Kreuzung aus »retro-purplesken« Momenten und der N.W.O.B.H.M.-Ära). Natürlich ist hier die Standardbeobachtung angebracht, dass Tatler eben mit dem Blues aufgewachsen ist (besonders wenn man dem Solospiel lauscht), was natürlich rein generationsbedingt ist – und dennoch ist es dem legendären Gitarristen gelungen, eine Reihe von ungemein ansteckenden, treibenden, oldschool-metalisch zugespitzten Riffs aufs Band zu bannen, bei denen die Gänsehaut aufgeht, so überzeugend und eingängig wirken sie beim Hören, wenn sie einen zurück in die Achtziger entführen. Die Atmosphäre ist ausgesprochen düster, und der vokale Beitrag von Rasmus Bom Andersen ist dabei ein enorm wichtiger Faktor, der sich mit seiner außergewöhnlichen Kraft – getränkt in rauer Kehligheit – phänomenal mit Tatlers Gespür für das Schmieden neuer Riffs verbindet und ihnen mit vokaler Charisma einen dystopischen und postapokalyptischen Glanz echten, verderblichen Drama-Theaters einhaucht.

Der Einstieg ist am schärfsten und am stärksten metallisiert. Mit dem Opener, dem »maximal aufgestachelten« Belly Of the Beast, nähern sich Diamond Head auch den Wurzeln des Speed Metal. Dass es sich um eine Band handelt, die per Zeitmaschine 40 Jahre übersprungen hat, bestätigt sofort das nächste Stück Until We Burn, das düster ist, sich in langsamem Tempo entfaltet und durch das nicht der geringste Hauch von Hoffnung dringt. Tatlers Verzierungen über den Phrasen – dankbar und in strahlendem Können – fügen jenes oldschool-Element hinzu, das die düstere Atmosphäre verstärkt. Ähnliches schafft die Band etwas später im Titelstück. Es lohnt sich, das Stück The Sleeper hervorzuheben, das im kompositorischen Sinne das ambitionierteste Werk des Albums »The Coffin Train« ist und seine Inspiration durch Werk und Wirken von Black Sabbath nicht verbirgt; dabei entfaltet es sich enorm abwechslungsreich und ist aus mehreren Leitmotiven zusammengesetzt, wobei sich bei all den scharfen Phrasen, mit denen Diamond Head einen versorgen, irgendwo »im Hintergrund« potenzielle Progrock-Ansätze einschleichen. The Phoenix leiht sich sogar einige Arabesken und ist als Schlussstück genial oldschool »bis auf die Knochen« geschnitzt. Als solches beschließt es das Album in großem Stil und lässt den Hörer in einem Krampf hoher Anspannung und mit dem unbändigen »Drang« zurück, erneut auf »Play« am CD-Player zu drücken.

»The Coffin Train« ist ein außerordentlich inspiriertes Album, mit dem Tatler endlich den richtigen Anschluss an die Achtziger gefunden hat – und das trotz des kultischen Debüts, das einzigartig und unerreichbar bleibt. Aber bei all den künstlerischen Manövern durch die Karriere dieser Band, die mehrfach »lauwarm« ausgefallen sind, ist »The Coffin Train« endlich der Punkt, an dem Diamond Head sich am direktesten, überzeugendsten und mit großer Vehemenz auf ihre Wurzeln besonnen haben. Reifer und weiser. Mit einem erneuerten Team, in dem Tatler seine Vision optimal umgesetzt hat und das noch nicht das letzte Wort gesprochen hat. Nach dem, was das hervorragende »The Coffin Train« bietet, lässt sich schlussfolgern, dass Diamond Head ihre Lebensdauer um mindestens 15 Jahre verlängern werden – und das ist eine sehr, sehr gute und wunderschöne Nachricht. An Energie und kreativer Schärfe mangelt es ihnen nämlich nicht!

Autor: Aleš Podbrežnik

Trackliste:
01. Belly Of The Beast
02. The Messenger
03. The Coffin Train
04. Shades Of Black
05. The Sleeper (Prelude)
06. The Sleeper
07. Death By Design
08. Serrated Love
09. The Phoenix
10. Until We Burn

Besetzung:
Brian Tatler – Gitarre
Rasmus Bom Andersen – Gesang
Karl Wilcox – Schlagzeug
Andy „Abbz“ Abberley – Gitarre
Dean Ashton – Bassgitarre, Hintergrundgesang


Diamond Head – The Sleeper (offizielles Video)
Diamond Head – The Coffin Train (offizielles Video)
Diamond Head – Belly Of the Beast (offizielles Video)
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