Destinia : Metal Souls

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Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 13.07.2018
Produktion: Nozomu Wakai
Albumlänge: 49.15
Genre: Hard Rock / Power Metal

Mitte letzten Juli erschien das zweite vollwertige Studiowerk des Projekts Destinia, hinter dem der japanische Gitarrenvirtuose Nozomu Wakai steckt. Nozomu gehört zu den seltenen japanischen Musikern, denen es durch harte Arbeit und großen Fleiß gelungen ist, den großen Wurf zu landen und sich einen Vertrag bei einem europäischen Label zu sichern – womit sein neues Album »Metal Souls« auch für europäische Metal- und Hard-Rock-Fans greifbar wird. Die Rede ist vom italienischen Frontiers Music Srl. Vor vier Jahren erschien das Debüt »Requiem for A Scream«, dem die EP »Anecdote of the Queens« (2015) folgte, und im vorletzten Jahr sogar ein Livealbum. Das zweite Album, das neue und aktuelle also, sprich »Metal Souls«, stellt einen entschiedenen Schritt nach vorne dar.

Warum? Klar, schon das Debüt stellte den Gitarristen als Musiker vor, der ein echter Perfektionist und Detailversessener ist – doch für das neue Album hat Wakai es geschafft, eine echte Band zusammenzustellen, die in ihren Rollen an der Seite des Gitarristen engagiert jeden einzelnen Titel trägt. Von Anfang bis Ende des neuen Albums. Obwohl Nozomu offiziell eine »one man band« bleibt und obwohl die drei Mitwirkenden offiziell nur als Gastmusiker gelten, klingt »Metal Souls« so, als wäre es von einer echten Band eingespielt worden.

Welche drei Namen sind es eigentlich, die mit Wakai auf »Metal Souls« zusammenarbeiten und dem neuen Album so viel mehr Ausdruckskraft gegeben haben? Konnte man vor »Metal Souls« bei Wakai an klangvollen Namen allenfalls Sänger Rob Rock hervorheben, der auf einigen Tracks den Gesang beisteuerte, ist »Metal Souls« ein kompaktes und ausgefeiltes Produkt, an dem von der ersten bis zur letzten Nummer neben dem außergewöhnlichen Gitarristen noch Sänger Ronnie Romero, Bassist Marco Mendoza und Schlagzeuger Tommy Aldridge mitwirken. Wollt ihr mehr davon? Mehr geht wohl kaum.

»Metal Souls« bewegt sich in den Gewässern des neoklassischen Hard Rock, der in einen Power-Metal-Angriff übergeht und umgekehrt. Im Songwriting spürt man klare und deutliche Einflüsse des Hard Rock der Siebziger, wie Whitesnake, Rainbow, Deep Purple, sowie späterer Bands wie Dio, Michael Schenker Group, Yngwie J. Malmsteen’s Rising Force, Impellitteri, Axel Rudi Pell,…Wakai ist kein Egomane und in dieser Hinsicht kein möglicher »wahnsinniger« Gitarren-Maschinengewehrschütze, der alles nur auf Geschwindigkeit setzt und dafür sogar Kompaktheit und Eingängigkeit der jeweiligen Komposition opfert. Der Mann ist nämlich ungemein raffiniert im Platzieren von Phrasen, mit denen er hohe melodische Eingängigkeit und Kompaktheit aufrecht erhält. Sein Ansatz und Stil sucht Inspiration bei den Großen des gitarristischen Rock-Spiels, wie etwa Randy Rhoads und Michael Schenker. Klar ist, dass Nozomu keine musikalische Revolution auf die Bühne bringen wird und dass die Formen seiner Kompositionen sich in ihren Zügen an bereits Gehörtes, an bewährte Klischees anlehnen – es handelt sich im Grunde um Revivalismus der Achtziger – aber auf der anderen Seite ist das Album knackig und auf einem außergewöhnlich hohen Qualitätsniveau umgesetzt, bei dem Herzblut alle Einwände bezüglich Generik übertrifft. Die Tracks stehlen sich gegenseitig die Show mit explosiven und ultra-bombastischen Refrainmelodien. Be A Hero, Take Me Home, das Eröffnungsstück Metal Souls, Promised Land… die Highlights herauszupicken fällt schwer.

Romero glänzt am Mikrofon! Sein Gesang funktioniert fantastisch. Manche Linien mit seiner Klangfarbe erinnern tatsächlich an das, was Romero heute bei CoreLeoni macht, während das ausgezeichnete und eines der stärksten Stücke des Albums Promised Land auf »Metal Souls« die besten Momente von Gotthard mit Steve Lee am Mikrofon heraufbeschwört. Kurzum: ein neoklassisch und mit barocken Verzierungen gewürztes Hard-Rock-bis-Heavy-Metal-Album ohne »Malmsteen-Sensationalismus«, dem es an Explosivität und Dynamit nicht mangelt. Eine besondere Note und ihren Stempel hinterlassen auf dem Album die legendären Marco Mendoza und Tommy Aldridge, die bei Whitesnake und Thin Lizzy eine Zeitlang gemeinsame Kumpels waren. Daher auch so viel mitreißendes klassisches Hard-Rock-Sentiment, obwohl »Metal Souls« in produktionstechnischer Hinsicht ein mächtig aufgemotztes und extrem metallisiertes Album ist (Jens Bogren und Fredrik Nördstrom haben es gemixt und gemastert), weshalb es beim ersten Hören eigentlich sehr nach Power Metal klingt.

Das Album »Metal Souls« ist ein Werk, das dem Projekt Destinia (global) die Türen weit aufstößt für weitere kreative Schritte und Visionen. Nozomu Wakai beweist sich darauf als außergewöhnlich geschickter Komponist, der die typische »japanische Naivität« beim Nachahmen des westlichen Hard-Rock-Erbes hinter sich gelassen hat. Durch die Integration von Romero löst er mit spielerischer Leichtigkeit das ewig brennende Problem japanischer Musiker, die englische Sprache in der Metrik der Verse richtig einzusetzen. »Metal Souls« ist also eine echte »Bombe« des Hard-Rock-und-Metal-Revivalismus der Achtziger. Stilistisch ist das ein außergewöhnlich präzises Album. Präzise in dem Sinne, dass es ein japanischer Musiker komponiert hat, der damit so effektiv an das kollektive Gehör europäischer wie auch amerikanischer Fans von ultra-eingängigem Hard Rock und Metal klopft. Nozomu Wakai hat daher das Potenzial, sich in der Zukunft weit oben auf der Szene durchzubeißen.

Autor: Aleš Podbrežnik
Wertung: 9.0 / 10

Destinia – Take Me Home

Trackliste:
1.    Metal Souls
2.    Rain
3.    The End Of Love
4.    Promised Land
5.    Take Me Home
6.    Raise Your Fist
7.    Be A Hero
8.    Metamorphoses
9.    Cross The Line
10.    Judgement Day

Besetzung: 
Nozomu Wakai – Gitarre
Ronnie Romero – Gesang
Marco Mendoza – Bass
Tommy Aldridge – Schlagzeug

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