Chalice Of Sin: Chalice Of Sin
Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 18. 6. 2021
Produktion: Alessandro Del Vecchio
Albumlänge: 48.43 min
Genre: Heavy Metal
Bewertung: 7.5/10
Chalice of Sin sind eine neue amerikanische Heavy-Metal-Formation, die teilweise in der Tradition der alten amerikanischen Metal-Schule wandelt (z.B. frühe Savatage, Crimson Glory, Liege Lord und/oder Metal Church). Angeführt wird die Band vom Sänger Wade Black (Crimson Glory, Seven Witches, Leatherwolf). Warum nur teilweise – das erklären wir im Folgenden.
Zunächst ein kurzer Blick auf Wade Black. Heute ist er so etwas wie eine Vokallegende im amerikanischen Metal – besonders im klassischen amerikanischen Bereich. In seiner Karriere sang er bei Crimson Glory (mit denen er das letzte Album „Astronomica“ von 1999 einspielte), Seven Witches (die Band des ehemaligen Savatage-Gitarristen Jack Frost), Leatherwolf, Leash Law und War of Thrones. Black stellte sich der Metal-Gemeinde erstmals vor, nachdem er 1990 mit seiner Band Lucian Blaque auf die Bühne trat, die bis 1995 aktiv war. Nach der Auflösung von Lucian Blaque war Wade Black als Gesangslehrer am Musikkonservatorium in Tampa, Florida tätig. Da er mühelos einen Stimmumfang von drei und mehr Oktaven beherrschte, war er bald als Lehrer für verschiedene Musikgenres gefragt.
»Chalice Of Sins« stellt den Sänger von einer überraschenden Seite vor. Diesmal hält er sich gerne in den mittleren bis höheren Lagen auf und fügt seiner klaren Stimmfarbe wiederholt auch Rauheit, Grobheit und Rohheit hinzu. Wer das Album »Astronomica« von den legendären Crimson Glory kennt, sollte wissen, dass Wade Black diesmal nicht nur sirenengleich in der dritten, vierten, fünften und noch höheren Oktave mit seinem überlegenen Gesang thront. Schreie in extreme Höhen – nennen wir sie »Wade Halfordeske« – streut er stellenweise als atmosphärischen Schmuck und Kontrast ein.
Die vielleicht glücklichste Entscheidung für Chalice Of Sins war die Wahl des dänischen Gitarristen Martin Jepsen Andersen (Blindstone, Creamy Beaver, Funk Royal, Meridian (31)), der sich im Phrasieren – angesichts der vokalen Natur von Wade Black – hervorragend mit dem Sänger eingespielt hat. Die Phrasen haben Stacheln, »stechen giftig« und strahlen tatsächlich eine entfernte Verbindung zur Doktrin der alten amerikanischen Speed-Metal-Schule aus. Das gilt auch für die Soli und das Phrasieren, das gerne in teuflisches Zupfen (bei Bedarf mit der Handfläche gedämpft) und Halbtonlösungen abdriftet. Phrasen und Rhythmen wechseln ihren Charakter mehrmals innerhalb der Songs, was bedeutet, dass das Songwriting auch einen Hauch von Komplexität aufgenommen hat – was sehr angenehm und willkommen ist. Andersen ist eine echte Entdeckung. Das Album hat stellenweise auch etwas »Witziges« – sagen wir: Spaßiges. So ist Whisky, obwohl es von einem düsteren Grundton ausgeht – sodass in diesem Fall eigentlich nur die Texte wirklich unterhaltsam sind.
Der einzige Fehler, den das italienische Label diesmal gemacht hat – und der Schwerpunkt liegt wirklich auf »italienisch« – ist, dass sie Alessandro Del Vecchio dem Projekt zugeteilt haben, der die Tracks mit Keyboards ausgestattet hat. Diese Art von Metal braucht keine Keyboards, lieber noch einen zweiten Gitarristen – denn hier geht es nicht um europäischen Power Metal à la Rhapsody of Fire. Besonders an den Stellen, wo Del Vecchio symphonische Tricks neoklassischen Inhalts einstreut, raubt das dem Produkt jenen düsteren, verderblichen, okkulten Charakter, den es so nicht in vollem Umfang entfalten kann. Schade. Daher fehlen dem Album ein paar zusätzliche Oktan im Tank, damit es richtig auflodern kann. Das gilt auch für das überaus ambitioniös angelegte Epos I Stand, das auf dem Album enormes Potenzial trägt. Auch Wade Black könnte stellenweise etwas weniger Kraft einsetzen oder mehr Gefühl und vokale Variabilität in die Songs bringen. Tatsächlich geht er durchgehend mit voller Power vor, was das Gefühl erzeugt, dass die Songs einander ähneln. Er singt nach wie vor hervorragend. Stell dir den verstorbenen Metal Church-Sänger David Wayne eine Nuance tiefer gestimmt vor. Das Album trägt also noch Reserven in sich, und Chalice of Sin sind keineswegs abzuschreiben. Sie brauchen nur ein paar Korrekturen.
Autor: Aleš Podbrežnik
Trackliste:
1. Chalice Of Sin
2. Great Escare
3. Whisky
4. Miracle
5. Sacred Shrine
6. Ashes Of The Black Rose
7. Through The Eyes Of A Child
8. I Stand
9. The Show
10. The Fight
11. Nightmare
Besetzung:
Wade Black – Gesang
Martin Jepsen Andersen – Gitarre
Alessandro Del Vecchio – Bass, Keyboards
Mirkko De Maio – Schlagzeug
