Caligula’s Horse: In Contact
Label: Insideout Music
Erscheinungsdatum: 15. 9. 2017
Produktion: Sam Vallen
Albumlänge: 61.54 min
Genre: Progressive Metal/Progressive Rock
Bewertung: 9.5/10
»In Contact« war das vierte Studioalbum der australischen Prog-Veteranen Caligula’s Horse, die immer wieder gekonnt die dünne Linie zwischen Progressive Metal und Progressive Rock überschreiten. Es war ihr erstes Album mit Rhythmusgitarrist Adrian Goleby und Schlagzeuger Josh Griffin – und gleichzeitig jener Meilenstein, mit dem sie sich endgültig unter den wichtigsten Vertretern des modernen Progressive Rock und Progressive Metal etablierten.
Mit dem Übergangsalbum »Bloom« (2015), ihrem ersten für das renommierte Label Inside Out Music, gelang es Caligula’s Horse, die breitere Prog-Metal- und Prog-Rock-Gemeinde zu erreichen – wenngleich der kommerzielle Erfolg auch in der Heimat sehr bescheiden blieb. Ihre Musik war schon immer ausgeprägt unkommerziell und spricht weit weniger Fans kommerzieller Radiosender an als vielmehr den erlesenen Geschmack musikalischer Feinschmecker, die vor allem auf die Kombination aus hoher technischer Durchdringung der Bandmitglieder und ihrer außergewöhnlichen Fähigkeit schwören, intensive und oft hypnotische Atmosphären aufzubauen.
»In Contact« war in vielerlei Hinsicht die logische Fortsetzung der erfolgreichen musikalischen Formel von »Bloom« und eine Weiterentwicklung einiger kompositorischer und instrumentaler Stärken dieser ambitionierten und talentierten Band unter der Führung von Chefgitarrist und Komponist Sam Vallen – einem großen Verehrer der legendären Steely Dan – sowie Sänger Jim Gray. Der Eröffnungstrack »Dream The Dead«, der den nächsten Reifesprung in ihrer künstlerischen Entwicklung widerspiegelt, ist stilistisch eher dem modernen Prog Rock als dem Prog Metal zuzuordnen, und so mancher wird beim Hören dank der ätherischen Ambient-Passagen und melancholischen Vokallinien eher an Porcupine Tree erinnert als etwa an Haken.
»Will’s Song (Let The Colours Run)« ist ein deutlich druckvoller Beitrag mit klassischen Metal-Rhythmuselementen und hartem Gitarrenspiel – alles jedoch komplex angelegt und wunderbar ergänzt durch Grays chamäleonhafte Gesangsdarbietung. »The Hands Are The Hardest« ist ein atmosphärisches Meisterwerk, bei dem die Kombination aus mächtigen Vokalharmonien und eindringlich-melancholischen Gitarrenpassagen eine massive Klangwand errichtet, ohne dabei die Melodiosität dieses rhythmisch recht komplexen Stücks zu opfern. »Love Conquers All« ist eine melancholische Liebesballade, die trotz ihrer kurzen Laufzeit wohl auch Steven Wilson gefallen würde.
Auf dem eklektischen Leckerbissen »Songs For No One« drehen Caligula’s Horse endgültig auf und demonstrieren beim Aufbau intensiver Atmosphäre auf subtil-leidenschaftliche Weise ihr gesamtes experimentelles Können. »Capulet« ist eine weitere melancholische Ballade mit akustischer Ausrichtung und nostalgischer Stimmung, die trotz relativer Schlichtheit durch ihre emotionale Tiefe begeistert. Noch mehr überwältigt »Fill My Heart« mit seiner ambienten Weite und arrangementmäßigen Eklektik – geprägt vor allem durch ein wunderschönes Gitarrensolo. »Inertia And the Weapon of the Wall« ist kein eigentlicher Song, sondern eine dramatische Narration, bei der Gray auf ganz eigenwillige Weise auch seine theatralischen und erzählerischen Fähigkeiten unter Beweis stellt.
»The Cannon’s Mouth« begeistert durch die Vertiefung einer melodramatischen Stimmung, die vor allem durch mächtige Keyboard-Vorhänge, aufbrausende Gitarrenpassagen, unerwartete Tempowechsel und Grays vokales Chamäleonspiel erreicht wird – während der brutale Abschluss für eine gehörige Überraschung sorgt. »Graves«, eine epische Elegie aus zahlreichen eklektischen Ebenen, ist ein über 15 Minuten langer Epos, der gleichzeitig den experimentellen und ambienten Höhepunkt dieses Albums darstellt. Epische Gitarrenharmonien, hypnotische Sinfonik und Grays außergewöhnliche Gesangsleistung führen das Stück erfolgreich zu seinem ambienten Gipfelpunkt. Der abschließende Track »Atlas (Reprise)« bildet dank wehmütiger Gitarrensolos, ätherischem Gesangsansatz und nostalgischer Atmosphäre ein mehr als gelungenes Finale dieses erstklassig gespielten, arrangierten und produzierten Albums.
Mit »In Contact« erreichten Caligula’s Horse das nächste Reifeniveau in ihrer künstlerischen Evolution und schufen bis dahin ihr interessantestes und vollendetstes Werk – das gleichzeitig zu den besten Prog-Metal-Alben des letzten Jahrzehnts zählt. Auch in der Progressive-Rock-Kategorie gehörte »In Contact« zweifellos zu den Höhepunkten des Jahres 2017 und festigte den Bekanntheitsgrad dieser noch vergleichsweise jungen australischen Band unter Liebhabern experimenteller Musik weiter.
Autor: Peter „Dr. ProgRock“ Podbrežnik
Tracklist:
1. Dream the Dead
2. Will’s Song (Let the Colours Run)
3. The Hands are the Hardest
4. Love Conquers All
5. Songs for No One
6. Capulet
7. Fill My Heart
8. Inertia and the Weapon of the Wall
9. The Cannon’s Mouth
10. Graves
Besetzung:
Jim Grey – Gesang
Sam Vallen – Gitarre, „alles andere“
Adrian Goleby – Gitarre
Dave Couper – Bass, Hintergrundgesang
Josh Griffin – Schlagzeug
Gastmusiker:
Jørgen Munkeby – Saxofon, Hintergrundgesang auf Track Nr. 10
Jake Morton – zusätzlicher Gesang
John Grey – zusätzlicher Gesang
Mitch Legg – zusätzlicher Gesang
Rick Collins – zusätzlicher Gesang
Sam Grey – zusätzlicher Gesang
Zac Greensill – zusätzlicher Gesang
Zak Muller – zusätzlicher Gesang
