Bryan Adams: Roll With The Punches
Label: Bad Records
Erscheinungsdatum: 29. 8. 2025
Produktion: Bryan Adams
Albumlänge: 37.21 min
Genre: Hard Rock / Pop Rock
Bewertung: 8.5/10
Bryan Adams ist einer jener Rocker, die einfach nie gehen. Die immer da sind. Bei uns. Und nicht altern. Auch wenn die Trends ihre eigenen Wege gehen, bewahrt Bryan selbst in reifen Jahren eine ausdrucksstarke Unverwüstlichkeit. Die musikalische Substanz, die er seinem Publikum auch in neuen Zeiten serviert, bleibt greifbar und vollmundig. Der Mann, der diesen November 66 Jahre alt wird, hat also sein sechzehntes Studioalbum veröffentlicht — und das erste für sein eigenes Label Bad Records.
Direkt rein ins Material. „Roll With The Punches“ hält die rockige Form des Vorgängers „So Happy It Hurts“ aufrecht. Auf dem neuen Album hat Bryan die drei grundlegenden Weggefährten behalten, die mit ihm beim Komponieren und Arrangieren zusammenarbeiten: Mutt Lange, Tony Nilsson und Jim Vallance. Für Adams-Kenner erklärt sich damit das Wesentliche von selbst — die Rezension muss eigentlich nicht weitergelesen werden.
Deshalb ist die Verwandtschaft zwischen dem vorletzten und dem letzten Album deutlich ausgeprägter als beim Vergleich beider mit „Shine A Light“ aus dem Jahr 2019. „So Happy It Hurts“ entstand in den finsteren Zeiten der Pan(dem)ie. Interessant dabei: Es gehört vermutlich zu den wenigen Alben jener Zeit, die mit sommerlicher Leichtigkeit auftrumpfen können. Unbeschwertheit. Es steckt voller Optimismus und Funken. Das ist zwar Bryans Markenzeichen — vielleicht sogar der entscheidende Grund, warum der kanadische Singer-Songwriter auch in reifen Jahren zu den heißesten Acts zählt. In einer Szene, die von Musikern geprägt wird, die alt genug wären, seine Enkel zu sein. „Roll With The Punches“ strahlt einen neuen Rucksack voll sprudelndem Optimismus aus. Als wäre Bryan zwanzig und wir irgendwo kurz vor 1980, also kurz vor dem Erscheinen seines Debütalbums. Auch auf dem neuen Album dreht sich vieles um Erinnerungen an längst vergangene Tage, nach denen es sich zu sehnen lohnt. Da ist viel Romantik, Nachdenken über die Bedeutung des Glaubens ans Licht aller Lichter — die Liebe. Bryan bleibt der Romantiker ewiger Jugend. Er braucht keine Spätblüte. Er blüht die ganze Zeit.
Das Album „Roll With The Punches“ besitzt eine Tasche voller ideenreicher, wunderschöner Abwechslung. Deshalb entwickelt es sich sehr dynamisch. Bryan war nie ein Verkompliziert — aber es ist sein Markenzeichen, die Direktheit stets mit hoher musikalischer Ansteckungskraft zu kompensieren. Auf dem neuen Album gibt es einige außergewöhnlich mitreißende Tracks, die sich sofort unter die Haut schleichen. Das bedeutet, dass dem alten Fuchs wieder gelungen ist, was zählt. Nicht nur hat er im Studio wieder sichtlich Spaß gehabt — mit dem neuen Album hat er definitiv alle glücklich gemacht, die eine klar spürbare Schwingungsverbindung zu den späten Achtzigern und frühen Neunzigern suchen, die für Anhänger dieses Musikers unvergänglich bleiben. Es gibt Momente, die einen direkt in die Ära des Albums „Waking Up The Neighbours“ katapultieren, wobei der wahrscheinlich größte Schuldige daran die erneute Beteiligung von Mutt Lange ist. So gleich der Opener — der Titeltrack des neuen Albums. Richtig groß aufgefahren wird auf dem neuen Album, und auf ihm erstrahlt auch der großartige Keith Scott mit seinen magischen Gitarrentricks. Bryans untrennbarer Kamerad bewahrt seine gitarristische Charisma, und an bestimmten Stellen bekommt seine Gitarre wieder viel Raum zum Ausdruck!
Wer die Vinyl besitzt, wird entdecken, dass die A-Seite rockig aufgedrehter ist als die B-Seite, auf der persönlich-intime Bekenntnisse die Oberhand gewinnen. Die A-Seite enthält eine Reihe von vier Tracks, die Bryan als Singles veröffentlicht hat. Daher ist klar, dass dies der ausgesprochen starke Teil des Albums ist. Kaum zu sagen, welcher davon ansteckender ist — sie sind ausnahmslos außergewöhnlich mitreißend. Eine nach der anderen. Deshalb hält dich das Album bei sich. A Little More Understanding trägt einen ausgeprägten Funk-Unterton, die Strophe schöpft in Bryans Vokallinien sogar einige Verbindungen zu den Tricks des guten alten Jeff Lynne und seinen Electric Light Orchestra (Evil Woman). Ein wirklich wunderschöner Ausflug in den Arena-Rock der Mitte der Siebziger. Kurze, einfache, aber prägnante Tricks, die in einem harmonisch kompatiblen Dialog hoher Versöhnlichkeit in außergewöhnliche Hörbarkeit und Ansteckungskraft gravitieren. Genau das, was wir bei Bryan suchen. Und da ist dieser warme, volle, organische Sound der Produktion selbst!
Be The Reason hat einen Boogie-Antrieb und ist im abschließenden Teil des Albums äußerst willkommen, da davor zwei akustische Balladenmomente platziert sind — in denen Bryan jedoch erstklassig aufgeht, denn genau in diesen beiden funkelt er in vollem Glanz auf der Ebene der Interpretation, womit er die Entwicklung des Albums auf einem befriedigenden Niveau der Spannung hält. Be The Reason ist auch wegen der Integration der Mundharmonika interessant. Interessant ist, wie geschickt und gerissen dieses Instrument ins Arrangement eingewoben ist — im Refrain funktioniert es beinahe im Duett mit Bryans Vokalmelodie. Das abschließende, ruhige und stimmungsgreifend melancholische Will We Ever Be Friends Again zieht Parallelen zur kürzlich veröffentlichten eigenständigen Single What If There Were No Sides At All — schwingungsmäßig, keinesfalls inhaltlich. Sehnsucht und ein ausgezeichneter Albumabschluss.
Der alte Fuchs hat erneut bewiesen, dass im Patronengurt noch viele ausdrucksstarke Schüsse stecken und dass er nicht aufhört. Der Mann hat ein neues Album geliefert, das verwandtschaftlich eng mit seinem Vorgänger verknüpft ist und eine wunderschöne Verbindung zu jenen Zeiten herstellt, die für Adams unvergänglich sind — zu den Hits, mit denen er sich einst sein Denkmal gesetzt hat — während er damit gleichzeitig sehr erfolgreich im Getriebe der Aktualität bleibt. Auch wenn er schon längst alles gesagt hat. In dem, was er tut, ist er wieder der Beste. Und mehr als das braucht Bryan nicht.
Autor: Aleš Podbrežnik
Trackliste:
1. Roll With The Punches
2. Make Up Your Mind
3. Never Ever Let You Go
4. A Little More Understanding
5. Life Is Beautiful
6. Love Is Stronger Than Hate
7. How’s That Workin‘ For Ya
8. Two Arms To Hold You
9. Be The Reason
10. Will We Ever Be Friends Again
Besetzung:
Bryan Adams – Gesang, Bassgitarre, Gitarre, Schlagzeug (Tracks Nr. 1 und 4–10), Klavier (1, 6, 7), Hintergrundgesang (2–6, 8–10), Keyboards (2, 4), Perkussion (2), Orgel (6, 7, 9), Mundharmonika auf Track Nr. 7
Keith Scott – Gitarre (Tracks Nr. 1, 2, 9 und 10)
Pat Steward – Schlagzeug (Tracks Nr. 1, 2 und 3)
Jim Vallance – Hintergrundgesang auf Track Nr. 4
Mutt Lange – Hintergrundgesang (Tracks Nr. 1–6 und 8–10), Keyboards (Tracks Nr. 1, 3, 5, 8 und 10)
