Boštjan Gartner: Čas brez iluzij

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Label: Akord Records & Kulturni center Maribor
Erscheinungsdatum: 24. 7. 2020
Produktion: Borut Činč
Albumlänge: 27.52 Min.
Genre: Singer / Songwriter
Bewertung: 9.5/10
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Sobald du die ersten paar Sekunden dieses Werks hörst, wirst du von Gefühlen umhüllt, die du schon sehr lange nicht mehr erlebt hast. Du erinnerst dich nicht mal mehr genau, wann. Und doch sind sie vertraut. Sehr vertraut. Das war die Zeit der Unschuld, der großen Hoffnungen, Träume und Ziele, nach denen eine stille, aber ewige Sehnsucht zurückbleibt. Die Achtziger? Auch noch der frühe Anfang der Neunziger. Irgendwo da.

Boštjan Gartner ist diesmal der Erzeuger dieser Gefühle. Ein slowenischer Singer-Songwriter, der sein erstes Studioalbum »Reka« Mitte der Neunziger veröffentlichte — obwohl er mit seiner Aktivität, die in die zweite Hälfte der Achtziger zurückreicht, schon vor dem Debüt auf sich aufmerksam gemacht hatte. Nach langen 24 Jahren ist Boštjan Gartner endlich zurückgekehrt. Mit seinem zweiten Album, dem »geerdet« klingenden »Čas brez iluzij«.

In den Achtzigern kannte jeder Mežko, Domicelj und Šifrer. Ihre längst zum Volkslied gewordenen Songs waren fester Bestandteil des Repertoires beim Singen und Gitarrenklimpern am Lagerfeuer und bei ähnlichen Zusammenkünften. Diese drei Namen sind eigentlich so etwas wie das Fundament, das die slowenische Singer-Songwriter-Szene bereits in den Siebzigern auf die Weltkarte setzte. Boštjan Gartner hält mit Gitarre und Gesang den Kontakt zu den traditionellen Elementen des Singer-Songwritertums und des Gedichtvortrags. Auch ein Hauch von Peng ist dabei zu hören. Das Erste aber, was sich festsetzt, ist Boštjans wunderschöner Gesang, der selbst das härteste Herz erweicht. Das gelingt ihm mit federleichter Mühelosigkeit. Gleichzeitig hat Boštjan über die Jahre seinen Begleitstil auf der Akustikgitarre außerordentlich verfeinert. Bei der Begleitung seiner Vokalmelodien setzt er durchgängig auf das Zupfen einzelner Saiten, auf gestimmte Töne innerhalb von Akkorden, die er mit außergewöhnlichem Gespür und Geschick anordnet — mal zur Betonung des Rhythmus, was die Grundlage bildet, mal im übergangsstiftenden „Bindegewebe“ zwischen Strophen und Refrains, wo er mit zusätzlichen Tönen kontrastierende Ornamente schafft, die die Stücke beleben und ihre Dynamik intensivieren. Dieser Ansatz kommuniziert und verschmilzt perfekt mit der stimmlichen Farbigkeit und der sinnlichen Ausdruckskraft der Botschaft. Feinsinnigkeit, Sanftheit, Zerbrechlichkeit und das Sehnen strömender Emotionen — durch die intensive Nachempfindung einer eindringlichen, gesungenen Poesie — sprechen in knapp 28 Minuten Spielzeit mit einer solchen Tiefe an, umso kraftvoller. Das bestätigt nur: Je mehr Feingefühl, Weichheit und Subtilität du mitbringst, desto größer ist die kontrastierende Intensität der vermittelten Emotionen, mit denen ein Lied und seine Poesie den Hörer berühren. Boštjan ist in der Poesie ein bewegender Beobachter, aus dem das Bekenntnis „von innen nach außen“ quillt. Ein persönliches und intimes inneres Zeugnis unvergänglicher Herzlichkeit. Mit größerer bekenntnishafter Weite kann man einen Hörer kaum tiefer berühren.

Boštjan ist mit Gitarre und Gesang für sich allein schon eine starke Figur — dennoch spürte er, dass es sinnvoll wäre, für die Aufnahme dieses Albums noch einen weiteren Musiker einzubeziehen. Er wandte sich an den legendären Buldožer-Veteranen und erfahrenen Maestro Borut Činč, der auf einigen Stücken mit zarten klanglichen Pastellfarben der Hammond-Orgel und des Wurlitzer-Klaviers die Atmosphäre der intimen Klanglandschaft zusätzlich erweitert, eingefärbt, intensiviert und kontrastreich bereichert hat — ganz im Einklang mit dem Wohlklang des feinsinnig platzierten organischen Tonmaterials. Dieses Album wurde „in one take“ aufgenommen, was seine Authentizität und Aufrichtigkeit erheblich verstärkt.

Obwohl zwischen den beiden Alben von Gartner viele Jahre liegen, sind sie in allem echte Verwandte — mit allen wiedererkennbaren Attributen der sprudelnden und brennenden Herzlichkeit ihres Schöpfers, was eine klare Nachvollziehbarkeit dieser zwar langen Zeitschleife gewährleistet, die der Hörer dennoch im Nu überbrückt. Boštjans warme und samtene Stimme ist durch die Jahre reifer, weiser und letztlich auch erfahrener geworden.

Die Zeit lässt den Fluss ohne Illusionen fließen! Selbst wenn die Illusionen zerstört unter gewaltigen Felsbrocken liegen, glimmt darunter die Glut des Feuers. Unaufhörlich, in alle Ewigkeit. Auch wenn nur noch Stille und Musik bleiben. Spuren einer Zeit, die jeden Morgen der erste Sonnenstrahl vom Tau der Wiesenblüten ableckt. Das Spiel der Ewigkeit und der Sehnsucht. Die Illusionen sind fort, doch die Hoffnung bleibt. »Čas brez iluzij« ist in jeder Hinsicht ein bewegendes und tiefgründiges Werk, und Gartner fügt mit seinem einzigartigen Bekenntnis dem ohnehin reichen und bunten Erbe der slowenischen Singer-Songwriter-Musik noch einen weiteren musikalischen Edelstein hinzu, der in diesem Mosaik schon viel zu lange gefehlt hat.

Autor: Aleš Podbrežnik

Tracklist:
1. Kam vodi ta cesta
2. Na poti v tuje kraje
3. Tih brezčasen dan
4. Dež
5. Tišina
6. Bila sta jutro
7. Če živela bi drug čas
8. Stare slike
9. Dan brez senc
10. Zimski veter
11. Čas brez iluzij

Besetzung:
Boštjan Gartner – Gesang, Gitarre
Borut Činč – Hammond-Orgel & Wurlitzer-Klavier auf den Tracks Nr. 1, 4, 6, 7, 8, 10 & 11


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