Bogunov: Dolazimo u miru

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Label: Dallas Records
Erscheinungsdatum: 22. 11. 2022
Produktion: Simon Jovanović
Albumlänge: 50.21 min
Genre: Alternative Rock / Art Rock
Wertung: 8.5/10


Bogunov sind ein Quintett mit einem ganz eigenen musikalischen Kunstsinn. Eine Band mit echter Erfahrung, auch wenn die Diskografie das nicht laut hinausschreit. Ihr Debütalbum »More bijesa« (RockLine Rezension), das 2020 erschien, hat nämlich volle fünfzehn Jahre gereift. Die Band hat davor viel zusammen gespielt und ist gemeinsam musikalisch gereift. Kein Wunder also, dass Bogunov bereits mit dem Debüt ihren musikalischen Charakter (im künstlerischen Sinne) stark ausgearbeitet und definiert präsentiert haben. Mit einem geschliffenen, persönlichen musikalischen Profil.

Das neue Album, also »Dolazimo u miru«, folgt seinem Vorgänger nach zweijähriger Pause. Es bringt nicht mehr so viel Aufregung wie das Debüt. Es hätte auch anders sein können, ist es aber nicht. Wer »More bijesa« gehört hat, den wird »Dolazimo u miru« kaum überraschen, wenn überhaupt. Mit »Dolazimo u miru« bleiben Bogunov in den künstlerischen Schützengräben ihres Vorgängers, was vollkommen ausreicht – wie gesagt hat die Band bereits auf dem Debüt mit Auszeichnung die wesentlichen Markenzeichen geliefert, die das unverwechselbare Ausdrucksvokabular ihres eigenwilligen künstlerischen Glaubensbekenntnisses definieren. In dieser Zone bewahren Bogunov die wirkungsvolle Formel ihres ureigenen Kunstsinns, vertiefen und pflegen sie. Deshalb sind zwischen den beiden Alben im musikalischen Ausdruck keine besonderen Abweichungen zu spüren.  

Auf dem Album »More bijesa« finden sich insgesamt 11 Eigenkompositionen auf alternativem Rock-Fundament, die wieder in vollem Maße mit Pop-Rhetorik kokettieren bzw. flirten – mit den sorglosen Glanzzeiten des Yu-Rock-Melos, aber auch mit verinnerlichten Momenten, die nach Blues duften – wobei man vor allem wieder im Blick haben muss, dass im Zentrum der Aufmerksamkeit der Gesang des einzigartigen Ognjena Zeljić steht. Der Meister des poetischen Predigens ist auch auf dem neuen Album die dominierende Figur. Arrangement und Charakter der Songs fügen sich seiner Vokal-Persona gelegentlich bis zu dem Punkt, wo »Dolazimo u miru« fast wie ein Singer-Songwriter-Album wirkt. In diesem Zusammenhang trägt der Song Visoki sud auf dem Album eine markante Wendemarke der Aufmerksamkeit. Nicht weit davon entfernt liegt auch Predivna si, wo die Chanson-Konnotation ebenfalls betont ist. Aber das haben wir schon auf »More bijesa« entdeckt. Ein Albummoment wie der Song Strah od istine ist etwas, das Bogunov in ihrer Karriere noch nicht ausprobiert haben. Der besondere Sonderling des Albums, der in der Dosierung der Schritte beim Aufbau der Komposition wie auch in der Ausführung selbst bestätigt, dass Bogunov ein Team exzellenter Musiker sind, die in der gegebenen und ureigenen musikalischen Rezeptur einmütig und harmonisch atmen – was gleichzeitig bestätigt, dass die Chemie der gegenseitigen Wahrnehmung des Quintetts (im Studio) auf tadellosem Niveau funktioniert. Düstere Melancholie! Eine Schwermut zum Schneiden. Auch eine sehnsuchtsvolle Mystik. Der ‚Jangle‘-Sound der Gitarren in der Entfaltung von Moll-Melodien, umhüllt von der Klangkultur des ‚Reverb‘, fügt sogar einen Bezug zum ‚Southern Rock‘-Melos hinzu (Da si tu). Das Album entfaltet sich in seinem Eröffnungsteil auf den Schwingen der größeren Rock-Potenz der ersten drei Stücke, was vor allem das besonders wütende und aufgebrachte Phrasieren beider Gitarren im Titeltrack krönt.   

Die Produktion ist wieder ausgezeichnet. Warm, lebendig, organisch. Feinfühlig. Die Gitarren können eine Kombination aus ‚Jangle‘- und leicht ‚distorted‘-Phrasierung aufbauen, was in den Kompositionen den Klangraum überlegen ausschöpft und den Songs kontrastvolle Breite und atmosphärische Tiefe verleiht. Dazu der organische ‚Mantel‘ der Keyboard-Kulissen, die im Arrangement oft auch Orgelklang beisteuern – der stimmungsmäßige Touch der Stücke wird dadurch noch intensiver. Im Zusammenspiel mit dem Vokalausdruck des gelebten Gesangs wird die Intensivierung der Emotionen, eingefangen in den Botschaften von Zeljićs reicher und üppiger Poesie, noch prägender und packender. In dieser Hinsicht lässt sich »Dolazimo u miru« als ein wunderschön abgerundetes musikalisches Gebilde bezeichnen, das auf Schritt und Tritt mit einem packenden theatralischen Quell brodelnder Leidenschaften geschmückt ist. Den rockigen Eröffnungsschub des Albums entlastet in der Albummitte das leichte, entspannte und auch verspielte O Radosti, das in der Akkordgradation (von der Strophe zurück in den Refrain) die arrangeurische Finesse der Band bestätigt (der Song öffnet mit dem Refrain). Ein Kandidat für die Rotation auf prominenteren Radiofrequenzen. In Slowenien und im weiteren Raum des seligen gemeinsamen Vaterlandes.

Klipp und klar gesagt: Bogunov sind heute auf der slowenischen Musikszene – energetisch-vibratorisch betrachtet – das, was Lačni Franz in den Achtzigern auf der slowenischen Rock-Szene waren. Das ist zweifellos ein schmeichelhafter Vergleich, aber er hält Wasser. In dieser Hinsicht ist die besagte poetische Kraft Ognjena Zeljić entscheidend, dem auf der slowenischen Rock-Szene heute kaum jemand nahekommt. In musikalisch-expressiver wie auch in poetischer Hinsicht ist das ein Album, das – wie sein Vorgänger – dem allgemeinen Charakterwesen des slowenischen Rock-Publikums auf den Leib geschrieben sein wird.

Der Song Uspavanka za Borisa D., ans Ende des Albums gestellt, erreicht eine außerordentliche expressive Wirkung. Wir haben vorhin die Mystik erwähnt – hier geizen die Band damit überhaupt nicht. Dieses Stück verursacht auch Gänsehaut wegen des hohen und unter die Haut sofort greifenden musikalischen Ertrags, der sich strikt in Moll entwickelt. Die zusätzlichen zehn Minuten Stille danach sind Teil dieses Songs. Angesichts seines Titels kannst du dir seine symbolische Bedeutung selbst ausmalen. Damit du dich nach Belieben in die Träume von Boris Dvornik versinken kannst. Am Ende hätte auch Epitaf ljubezni diesen Song mühelos ersetzen können – mit dem ausgeprägten Kontrast zwischen Strophe und dem musikalisch packenden Refrain-Gesang, der den ausgeprägten bittermelancholischen Griff der theatralischen Entfaltung der Bombastik einbringt.

Das Album »Dolazimo u miru« festigt den Status von Bogunov als musikalische Attraktion mit einem unverwechselbaren künstlerischen Charisma und einer Energievibration auf der slowenischen Musikszene, das in seinem Kunstsinn der expressiven Tiefe Leidenschaften und Herzensemotionen berührt und wieder vollblütig mitreißt. Dieses Album klopft entschlossen an die Türen des slowenischen Musik-Mainstreams. Mit ihm schreiten Bogunov stolz auf der Ekliptik ihres selbst abgesteckten musikalischen Ausdrucksvokabulars, das sich in einem wunderschönen neuen musikalischen Kapitel manifestiert.

Autor: Aleš Podbrežnik

Trackliste:
1. Sakupljač perja (2:23)
2. 98% (4:22)
3. Dolazimo u miru (3:14)
4. Da si tu (3:05)
5. O radosti (2:45)
6. Sanjao sam (4:54)
7. Predivna si (ft. Aaron Hopkins) (2:36)
8. Epitaf ljubezni (3:49)
9. Strah od istine (5:25)
10. Visoki sud (3:31)
11. Uspavanka za Borisa D. (3:18)

Besetzung:
Ognjen Zeljić – Gesang
Peter Pavičić – Gitarre
Vladimir Zelić – Gitarre
Rok Škrlj – Bassgitarre
Rok Skoliber – Schlagzeug

Mitwirkende Musiker:
Tomaž Krstič, Aaron Hopkins, Mira Kotlica, Tanja Tavzelj, Rok Ulaga, Simon Jovanović, Marko Herak, Master Čulk, Mitja Kocjančič


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