Blue Öyster Cult: Cult Classic

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Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 24.01.2020
Länge: 68.05 min
Produktion: Eric Bloom & Buck Dharma
Genre: Hard Rock / Heavy Metal / Art Rock
Bewertung: 10 / 10


Wie mittlerweile alle wissen, steht in diesem Jahr das große Comeback des wohl rockigsten Kults aller Kulte bevor. Des Kults der blauen Auster! Blue Öyster Cult!  Nach 19 Jahren werden sie ihr neues Studioalbum veröffentlichen. Mit dem Wechsel unter das Dach von Frontiers Music Srl. haben sie einige Aktivitäten in Gang gesetzt, um auch in neuen Zeiten wieder Interesse an ihrem Namen zu wecken – obwohl sie das eigentlich gar nicht nötig hätten. Aber es zählt trotzdem. Ihre Alben auf physischem Tonträger im Laden zu finden ist nämlich enorm schwer. Neuauflagen beziehungsweise Veröffentlichungen, die es bisher noch nicht gab (drei Konzertdokumente), sind in dieser Hinsicht natürlich absolut willkommen.

Blue Öyster Cult sind ein Unikat des Rock’n’Roll. Ihresgleichen gibt es nicht. Das ist eine Band, die schon mit ihrem Debüt 1970 klargemacht hat, dass ihre musikalische Philosophie ausgemeißelt ist und ihre einzigartige Rock’n’Roll-Haltung eine handfeste, greifbare Substanz darstellt. Die Siebziger gehörten ihnen – sie reihten einen überlegenen Album-Klassiker an den nächsten und lieferten dabei unvergessliche Hits. Obwohl ihnen nie der Status zuteilwurde, den sie für ihren Beitrag zum weltweiten Rock’n’Roll-Bild verdient hätten, waren Blue Öyster Cult mit ihrem oft düsteren Okkultismus, ihren Science-Fiction-Themen und apokalyptischen Ausblicken, in ständiger »Verbindung mit außerirdischer Intelligenz«, eine Band, die vielen frühen Metal-Bands zu Beginn der Achtziger als einer der wichtigsten Inspirationsgeber diente, wenn es darum ging, eine größere Dosis Lärm, Wucht und dreist-rasende Wildheit in der Phrasierung zu entwickeln.

»Cult Classic« ist im Grunde eine Kompilation neu eingespielter klassischer Hits der Band und erschien erstmals – also im Original – 1994. Später wurde diese Kompilation unter anderen Namen und mit anderen Covern neu aufgelegt. 1998 erschien sie erneut unter dem Namen »Champions Of Rock«, 2004 dann als »E.T.I. Revisited«. Was mir hier vorliegt, ist die dritte Neuauflage mit remastertem Klang – eine klangliche Überarbeitung, die Buck Dharma und Eric Bloom vorgenommen haben, während das Cover dem Original entspricht.

Die Band hat 1994 eine Auswahl ihrer Hits getroffen und sie neu eingespielt. Konzeptionell hat sie diese also bereichert und aufgefrischt. Die Arrangements wurden weiter ausgedehnt, am meisten davon profitiert haben Buck Dharmas gitarristische Kapriolen. Damals bestand Blue Öyster Cult aus Eric Bloom, Buck Dharma und Allen Lanier (alle drei Originalmitglieder), während die Rhythmussektion von Jon Rogers (Bass) und Chuck Burgi (Schlagzeug) gebildet wurde. Was wirklich fasziniert, ist das Gefühl, das das Album vermittelt: als wäre es ein neues Studiowerk. Klanglich haben die Songs eine logische Verwandtschaft, da sie aus demselben Studio und derselben Zeit stammen. Außerdem hat die Band die »evolutionären Abweichungen« zwischen ihnen minimiert – obwohl der Großteil der Songs von den Alben »Secret Treaties« (1974) und »Agents Of Fortune« (1976) stammt. Die Musikalität der Band ist fantastisch; selbst in ausgedehnten Passagen voller soloistischer Üppigkeit holt Dharma über den Phrasen eine unglaubliche musikalische Ernte heraus. Am eindrücklichsten zeigt das sein Buck’s Boogie, eigentlich ein Hit aus dem Konzertdokument »On Your Feet Or On Your Knees« (1975), wo der Gitarrist ein einzigartiges Gleichgewicht zwischen funkelndem Solieren und dem Aufrechterhalten hoher Musikalität in klar strukturiertem Gitarren-Phrasieren entwickelt. Der Vokalkontrast zwischen Bloom und Dharma ist ein wesentlicher Baustein der großen Stimmungswechsel zwischen den Songs – er lockert die grundlegende stilistische Haltung des Klangkosmos der Band auf und belebt sie. O.D.’d on Life Itself ist Blooms Song und kann gar nicht anders sein, so wie Don’t Frear the Reaper der Song von Buck Dharma ist. Zwischen diesen beiden Songs liegt ein außergewöhnlicher kompositorischer Kontrast.

Dieses Werk hat 1994 irgendwie angedeutet, dass Blue Öyster Cult nach den Alben, die in den Achtzigern stärker auf Radio-Wohlwollen ausgerichtet waren (»Club Ninja«, »Imaginos«), allmählich zur Wiege ihrer Anfänge zurückkehren und erneut nach dem Urwesen der Rock’n’Roll-Originalität suchen. Das Album »Heaven Forbid« bestätigte das vier Jahre später. »Cult Classics« ist ein Werk, das im Kern eine Kompilation ist. Und doch vermitteln die Songs in ihrer klanglichen Verwandlung – angereichert um zusätzliche Arrangement-Finessen und eine prall gefüllte Tasche soloistischer Kapriolen – das Gefühl eines neuen Albums, auch wenn es das streng genommen nicht ist. »Cult Classic« ist außerdem ein prima Einstiegspunkt, mit dem du ruhigen Gewissens in das musikalische Œuvre der Band eintauchen kannst, falls du es noch nicht kennst. Und glaub mir: Wenn du zufällig zu den »Unwissenden« gehörst, musst du diese Sünde so schnell wie möglich von dir waschen.

Autor: Aleš Podbrežnik

Tracklist:
1. Don’t Fear The Reaper
2. E.T.I. (Extraterrestrial Intelligence)
3. M.E. 262
4. This Ain’t The Summer Of Love
5. Burning For You
6. O.D.’D On Life Itself
7. Flaming Telepaths
8. Godzilla
9. Astronomy
10. Cities On Flame With Rock ‚N‘ Roll
11. Harvester Of Eyes
12. Buck’s Boogie
13. Don’t Fear The Reaper (Tv Mix)
14. Godzilla (Tv Mix)

Besetzung:
Eric Bloom – Gesang, Gitarre, Keyboards
Donald ‚Buck Dharma‘ Roeser – Gitarre, Gesang, Keyboards
Allen Lanier – Keyboards, Gitarre, Hintergrundgesang
Jon Rogers – Bassgitarre, Hintergrundgesang
Chuck Burgi – Schlagzeug, Perkussion, Hintergrundgesang


Blue Oyster Cult – „Cult Classic“ (Cover)
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