Black Country Communion: V

0 210

Label: J&R Adventures
Erscheinungsdatum: 14. 6. 2024
Produktion: Black Country Communion
Albumlänge: 50.37 min
Genre: Hard Rock
Wertung: 8.5/10


Black Country Communion (kurz BCC) sind ein Quartett! Ein Superstar-Quartett, das keine lange Einleitung braucht. Obendrein mit generationellen Verbindungen auf der Ebene einer Vater-Sohn-Beziehung. Die Gruppe besteht aus: dem fast 73-jährigen Vokalisten und Bassisten Glenn Hughes, dem 47-jährigen Gitarristen Joe Bonamassa, dem 58-jährigen Schlagzeuger Jason Bonham und dem ebenfalls fast 58-jährigen Keyboarder Derek Sherinian.

Das Album »V« ist, wie der Titel schon andeutet, das fünfte in der Reihe. Die Entstehung, Aufnahme und Veröffentlichung von BCC-Alben ist zeitlich stark eingeschränkt. Deswegen stand Black Country Communion sogar kurz vor der Auflösung. Genau wegen dieser Frage der Prioritäten ist es vor einigen Jahren zwischen Hughes und Bonamassa gekracht — Letzterer hat den legendären Vokalisten, den die Öffentlichkeit längst zu Recht zur „voice of rock“ erkoren hat, auf den Boden der Tatsachen geholt, indem er ihm klarmachte, dass für ihn seine Solokarriere stets und bewusst an erster Stelle steht und alles andere danach kommt. Berechtigt. Bonamassa kann heute spielend Arenen auf der ganzen Welt ausverkaufen. Deshalb können wir alle, die BCC verfolgen, froh sein, dass das Quartett die Zeit gefunden hat, einen Nachfolger zum ausgezeichneten Vorgänger »BCC IV« aufzunehmen, der vor ganzen sieben Jahren erschienen ist.

Das neue Album ist alles, was du dir von Black Country Communion wünschst. In Bonamassas Phrasierung, die mit den Klängen von Led Zeppelin aufgewachsen ist (was der Opener Enlighten sofort unterstreicht), und im Trommeln der Drums steckt nicht nur die DNA von Led Zeppelin (Jasons Schlagzeugspiel mitsamt den Übergängen ist der perfekte Abdruck des Stils seines verstorbenen Vaters — Jason trägt auf seiner Bassdrum sogar Felle mit dem Bild von John Bonham), sondern eine absolute und ewige Faszination für das Vermächtnis dieser immergrünen Pioniere des Rock’n’Roll der Siebziger. Der fette Sound von Joes Gibson Les Paul wird im Einsatz seiner zerstörerischen Lautstärke eindrucksvoll intensiviert. Er entwickelt eine beißend-pikante Donnerwucht. Er will jene abrasive Elementarkraft einfangen, mit der Jimmy Page die Welt einst schockierte. Diese Verbindungen zu Led Zeppelin kann das neue BCC-Album schlicht nicht kappen. Also? Nichts Neues. Nichts Bahnbrechendes für die Musikentwicklung an sich — aber vorgetragen mit einer gierigen Verwegenheit, die durch dieses roh gebündelte, urtümliche Energiedickicht diktiert wird, das wir natürlich als? Rock’n’Roll verstehen. Nichts weniger, nichts mehr. Einfach eine Bombe direkt in die Stirnmitte! Und die wirkt sofort hypnotisch. Einfach. Verführerisch. Einfacher geht’s nicht. Doch der Weg zu dieser Einfachheit ist oft schwerer, als man denkt.

Diesmal ist das Gefühl der direkten Anlehnung an die Led Zeppelin-Inspiration noch zusätzlich intensiviert — denn (und das ist die Überraschung des Albums) Derek Sherinian ist mit seinen Keyboards oft kaum wahrnehmbar. Zwar sorgt er in einem der Höhepunkte des Albums, dem pompösen Love And Faith, für ein Hammond-Intro nach dem Vorbild von July Morning (Uriah Heep), doch dann zieht uns der weitere Verlauf des Stücks wieder in die Bewunderung für Joe Bonamassas ewige Faszination für den Zep-Klassiker Kashmir.

Zum Glück ist Glenn Hughes dabei! Ja. Dieser Glenn Hughes, der jeden Interpreten, dem er sich anschließt, entscheidend prägt und ihm — gewollt oder ungewollt — sämtliche künstlerischen Fäden durcheinanderwirbelt. Ob in seiner Solokarriere oder als jemand, der die musikalische Ausrichtung anderer Künstler nachhaltig beeinflusst hat — selbst die berühmten Deep Purple blieben davon nicht verschont. Glenn Hughes ist das entscheidende Element, das mit seiner makellosen vokalen Großartigkeit als „gefangener schwarzer Sänger im Körper eines Weißen“ die Spielregeln auf das Niveau eines ausdrucksstarken Unikums hebt. So ist es bei BCC, und so bleibt es auch auf dem Album »V«. Ohne Glenn Hughes würden BCC, gelinde gesagt, wie eine Reihe anständiger Led Zeppelin-Imitatoren wirken. Aber weil Glenn dabei ist, ist »V« ein Album, das dich aufrichtig und ohne jeden Umweg direkt in die Stratosphäre der urtümlichsten Emotionen und Leidenschaften katapultiert — mit denen BCC auch die verborgensten Winkel der Seelen ihrer Anhänger gekonnt bespielen. Den düster-verderblichen Charme der dämonischen Anziehungskraft dieses Werks bedingt vor allem Glenns ewig bekennende Koketterie mit all den bösen Geistern, Versuchungen und Obsessionen — sowie sein geradezu sprichwörtliches „Klagen“, mit dem er dich durch eine außergewöhnliche Soldateska eigenwilliger Soul-Akrobatik sofort in seine Welt zieht!    

Der Abschlusstrack The Open Road, reichlich mit dem Diktat der Cowbell ausgestattet, schuldet einige Momente der Inspiration an die guten alten Free — dabei gönnt sich die Gruppe einen ausgedehnten Jam kurz vor der finalen Rückkehr zur Hauptphrase, mit der das Album abschließt. Stay Free trägt eine Funk-Kontur, für die neben dem stattlichen, federnden Rhythmus von Glenns Bassgitarre auch Sherinian verantwortlich ist, der mit seinem gewählten Sound an Hughes‘ Zeiten bei Deep Purple erinnert (vor allem an die Ära des Albums »Stormbringer«). Das Stück Red Sun, das bis zum Refrain durch eine Reihe von Stimmungsumschwüngen führt, gilt als einer der Höhepunkte in Sachen unglaublicher Melancholie, die hier an einem Ort vereint ist. Brillant.

»V« trägt durchgehend einen wunderbaren Charakter. Es ist dem Vorgänger »BCCIV« ebenbürtig. Es bietet ein außergewöhnlich kompaktes Kompositionsformat und eine außergewöhnliche energetische Ausbeute an ausdrucksstarkem Kern, hinter dem die Elementarkraft des Begriffs Rock’n’Roll steht. Das Album wurde am Stück aufgenommen und besitzt dabei eine mehr als beneidenswerte ideelle Lebendigkeit. In einem äußerst kurzen Zeitraum haben die Jungs dieses Album auf die Studiotracks gebannt. Die Band kam ins Studio und spielte die Stücke einfach — wie die Briten sagen — „in one take“. Ohne Kitsch und Firlefanz. Mit urtümlichem Instinkt. Das ist angesichts des unermesslichen Talents aller vier Musiker dieses Quartetts in den Augen der Anhänger zweifellos der erwartete Standard. Aber ein Standard, den die außergewöhnliche Chemie — wie sie nur diese vier Männer gemeinsam entwickeln — auf das Niveau musikalischer Einzigartigkeit hebt. Es ist gut, dass die Abstände zwischen den BCC-Alben lang sind. In dieser Zeit wächst die Glut des Verlangens, das Beste in einem selbst zu manifestieren — auf ein Maß, das die Musiker selbst oft nicht erklären können. Deshalb ist da die Musik, die hinter ihnen entsteht und uns zu diesen Antworten führt.

Glenn hat kürzlich übrigens gesagt, dass er sich in den kommenden Jahren womöglich nur noch seiner Solokarriere widmen und sich damit vollständig von der Mitwirkung in anderen Musikformationen wie unter anderem BCC distanzieren wird. Bis zum nächsten BCC-Album, falls es dazu kommt, wird er fast 80 sein. Wenn man bedenkt, dass er mit fast 73 noch das Niveau einer trillernden Nachtigall hat, die gerade das erste Trapeze-Demo aufgenommen hat, ist der Gedanke, dass es in sieben Jahren anders sein könnte, eigentlich eine Gotteslästerung.

Autor: Aleš Podbrežnik

Trackliste:
1. Enlighten
2. Stay Free
3. Red Sun
4. Restless
5. Letting Go
6. Skyway
7. You’re Not Alone
8. Love And Faith
9. Too Far Gone
10. The Open Road

Besetzung:
Glenn Hughes – Gesang, Bassgitarre
Joe Bonamassa – Gitarre
Derek Sherinian – Keyboards
Jason Bonham – Schlagzeug


Black Country Communion – „V“ (2024)
Pošlji komentar

Your email address will not be published.

Ta stran uporablja piškotke z namenom zagotavljanja spletne storitve, oglasnih sistemov in funkcionalnosti, ki jih brez piškotkov ne bi mogli nuditi. Z obiskom in uporabo spletnega mesta soglašate s piškotki. Sprejmi Preberi več

Zasebnost&piškotki