Biff Byford: School Of Hard Knocks

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Label: Silver Lining Music
Erscheinungsdatum: 21.02.2020
Produktion: Biff Byford
Länge: 51.59 min
Genre: Heavy Metal / Hard Rock
Wertung: 8.0 / 10


Biff Byford ist ein Mann aus Stahl. Darüber lässt sich nicht streiten. Mit ihm haben Saxon gelebt, überlebt und noch mehr. Sie sind im Laufe der letzten drei Jahrzehnte zur festen Konzertgröße geworden – zumindest auf dem Gebiet der „vereinigten Staaten“ Deutschland, wo sie ununterbrochen auftreten, auch auf den größten Festivals. Biff ist also eine Legende. Eine Ikone. Nach vielen, vielen Jahren hat der Mann schließlich die persönliche Entscheidung getroffen, dass es endlich an der Zeit ist, ein Solo-Studioalbum aufzunehmen. Hand aufs Herz: Biff hätte durchaus mehrere davon aufnehmen können – dafür hat Saxon umso mehr veröffentlicht, vielleicht sogar das eine oder andere zu viel. Aber diese Debatte verschieben wir auf ein andermal.

Genug der Vorrede. Knapp fünfzig starke Minuten Spielzeit präsentieren Biff Byford diesmal als Rocker, als großen, seelenreichen Rock-Hirten! In erster Linie als Rocker, nicht als Metal-Mann. Die Legende führt uns also auf die Felder und Weiten bis zurück in seine Kindheit, als Rock ’n‘ Roll noch jung und unschuldig war und Biff beim Hören von Blues, Progressive und psychedelischem Rock sowie The Beatles aufwuchs. Seine Begeisterung für seine Favoriten macht er keinen Hehl. Für seinen Einstand als Solokünstler hat er sich entschieden, den Wishbone Ash-Klassiker Throw Down the Sword zu covern – den man allerdings nicht zu ernst nehmen sollte, denn es handelt sich um eine Art extra Spaßaktion von Biff im Studio. Wer ihm aber mal begegnet, dem wird er gerne zuflüstern, wie großer Fan er dieser Band schon immer war und dass dieser Schritt eine Art Hommage ist: Es war das erste Lied, das er je gehört hat, und es handelt von Kriegen und Schlachten – was ihn tief inspiriert hat, als er später selbst anfing, Texte und Musik zu schreiben. Aber ein Original bleibt ein Original. Unantastbar. Das lässt sich auch über einen weiteren Nostalgie-Ausflug sagen, nämlich das Simon & Garfunkel-Cover Scarborough Fair – das sich allerdings deutlich stärker vom Original entfernt und von den beiden Coverversionen auf diesem Album die interessantere ist. Besonders hervorzuheben ist der längste und damit auch interessanteste Track: The Pit And The Pendulum, der nach einem kurzen Flamenco-Vorspiel (Inquisitor) zu einer siebenminütigen, düsteren epischen Marschkomposition aufblüht – ein hymnisches Theater mit harmonischen Abweichungen in der Hauptphrase, die man von Biff so nicht unbedingt erwartet, die aber trotzdem funktionieren. Kompositorisch das vielschichtigste Stück, über das der kernige Biff sagte, es sei sein „progressiver“ Moment beim Musikschreiben – er gilt seit jeher als glühender Verehrer von Yes.

Das Album hat Witz. Nicht parodistisch, sondern ernsthaft witzig. Rock ’n‘ Roll und ein guter Spruch, eine gute Party – das gehört zusammen, und unser Peter Rodney (alias „Biff“) weiß das nur zu gut. Entsprechend eröffnet auch das Album: bombastisch, einladend, packend und natürlich treffsicher. Mit Welcome to the Show, das eine AC/DC-hafte Riff-Formel trägt, aber mühelos auf einem beliebigen Saxon-Album funktionieren würde. Ähnliche Gefühle vertiefen sich im weiteren Verlauf – „No shit Sherlock?“ – beim Titeltrack (der klingt wie Wheels of Steel auf links gedreht), sowie bei Pedal To the Metal und Hearts Of Steel (über die tiefgründige inhaltliche Raffinesse dieser beiden Titel hat Biff vermutlich ein Leben lang nachgedacht), die sein Soloalbum klar in die Nähe von Saxon-Produktionen rücken: ersterer in die Ära von „Wheels Of Steel“ und „Strong Arm of the Law“, letzterer in die zweite Hälfte der Neunziger („Metalhead“, „Unleash the Beast“). Ein Track wie Me And You hätte auf einem Saxon-Album nie und nimmer etwas zu suchen, denn er ist schlicht eine Liebesballade. Zusammen mit den beiden Coverversionen zählt er zu den weniger aufregenden Momenten des Albums – und obwohl Biff ihn sogar als Single ausgekoppelt hat, ist er doch ein willkommener Einschub, der den Hörer daran erinnert, dass er hier eben kein weiteres Saxon-Album vor sich hat.

Damit das Ganze aber nicht zu „lesbar“ wird – nennen wir es mal „trivial“ –, hat Biff um sich eine Truppe scharf aufgestellter Musiker versammelt, unter denen der teuflische Gitarrist Fredrik Åkesson (Opeth) besonders heraussticht: Er geizt nicht mit ultrasonischen Soloausbrüchen, was das Album dankenswerterweise weiter davon abrückt, zu sehr nach einem klassischen Saxon-Album zu klingen. „School Of Hard Knocks“ wurde von Biff Byford persönlich produziert, und zwar im Studio Brighton Electric (Brighton, Großbritannien); der Mix wurde im Studio Queen Street Studios (Stockholm, Schweden) von Mats Valentin durchgeführt. Als Gastmusiker sind Biffs Freunde mit dabei: Phil Campbell (Motörhead, Phil Campbell & The Bastard Sons), Alex Holzworth (Rhapsody Of Fire), Nick Baker (Voices), Dave Kemp (Wayward Sons) und Nibbs Carter (Saxon).

Man hätte ein noch rockigeres Album erwarten können. Es steckt voller Lösungen, die im Handumdrehen auf Saxon-Alben hätten landen können. Fans von Biff Byfords stählernem Gesang und der Musik von Saxon generell werden einmal mehr begeistert sein. Das ist die grundlegende Erkenntnis – ebenso wie die Tatsache, dass es sich um ein neues, sehr gutes Album handelt, hinter dem ein geschätzter Vokalist steht, der längst in den Olymp der Legenden aufgestiegen ist und ein gewaltiges felsiges Massiv darstellt, fest verankert im Gebirgszug des klassischen Metals unserer Galaxis.  

Autor: Aleš Podbrežnik


Trackliste:
1. Welcome to the Show
2. School of Hard Knocks
3. Inquisitor
4. The Pit and the Pendulum
5. Worlds Collide
6. Scarborough Fair
7. Pedal to the Metal
8. Hearts of Steel
9. Throw Down the Sword
10. Me and You
11. Black and White

Besetzung:
Biff Byford – Gesang, Bass
Fredrik Åkesson – Gitarre
Gus Macricostas – Bass
Christian Lundqvist – Schlagzeug
Mats Valentin – Akustikgitarre

Gastmusiker:
Phil Campbell (Motörhead, Phil Campbell & The Bastard Sons) – Gitarre
Alex Holzworth (Rhapsody Of Fire) – Schlagzeug
Nick Barker (Voices, Cradle Of Filth) – Schlagzeug
Dave Kemp (Wayward Sons) – Keyboards
Nibbs Carter (Saxon) – Bass


Biff Byford – School Of Hard Knocks (offizielles Video)
Biff Byford – Welcome to the Show (offizielles Video)
Biff Byford – Me And You (offizielles Video)
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