Balladero: Neon srce

Club2 Records 2023
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Label: Club2 Records
Veröffentlichungsdatum: 13. 3. 2023
Produktion: Jernej Križič (Nr. 1), Uwe Bossert (Nr. 2, 3 und 9), Denis Horvat (Nr. 4), Dominik Bagola – Balladero (Nr. 5, 6 und 7), Enos Kugler (Nr. 6 und 7), Martin Štibernik (Nr. 8), Žan Serčič (Nr. 10 und 11)
Albumlänge: ca. 42 Min.
Genre: Singer / Songwriter (Art Pop/Pop Rock)
Bewertung: 9.0/10


Balladero, genauer gesagt Dominik Bagola, Singer-Songwriter aus dem Prekmurje, vor einigen Jahren Schlagzeuger der viel zu früh erloschenen Alternative-Rocker Psycho-Path, hat Anfang dieses Jahres bereits sein drittes eigenständiges Studioalbum veröffentlicht. »Neon Srce« brauchte sieben Jahre, um dem Vorgänger »Perfect You« aus dem Jahr 2016 (auf Englisch gesungen) zu folgen.

Es bewegt sich in eine Richtung, die von Dominik im Stillen erwartet wurde. Deutlich stärker in die Sphäre des Pop-Rocks, der aber im Grunde nach den Maßstäben der expressiven Ausdruckskraft unserer engeren geografischen Region verpackt ist. Auf das neue Album hat Dominik eine Reihe äußerst routinierter und erfahrener Musiker eingeladen, die auch das Hoch- und Runterdrehen von Studioreglern beherrschen. Angesichts dessen, was die beiden hervorragenden Vorgängeralben bieten, und angesichts des Niveaus an medialer Bekanntheit, das er sich in den Jahren als Singer-Songwriter erarbeitet hat, war klar, dass Balladero in nichts nachgeben würde. Die Vision ist eine einzige. Wie man die musikalische Substanz der beiden Vorgängeralben künstlerisch weiterentwickelt.

Balladero ist ein geschliffener Musiker, ein äußerst feinsinniger Komponist mit einem verinnerlichten Gespür für die Anlage eines Songs – auf eine Art, dass dieser als Komposition schrittweise packt und unter die Haut geht. Das gelingt ihm mit großer Auszeichnung auch auf dem neuen Album, das zugleich klanglich üppig offen ist – es spricht einen durchweg mit der anziehenden organischen Wärme einer (dynamischen und lebendigen) Produktion an, in der das kontrastreiche Intensivieren der Klangbausteine meisterhaft zur Schau gestellt wird, ebenso wie die arrangementmäßige Fülle bei der Integration der Klangbausteine. Auf dem Album wirken eine ganze Reihe erstklassiger slowenischer Musiker mit, die sich über die Jahre einen hohen Ruf und Bekanntheit erarbeitet haben. Das ist nur ein Beweis dafür, dass der erste Fokus bei den Aufnahmen zu »Neon srce« der Perfektionismus in der Darbietung der musikalischen Substanz war, damit diese  das Beste bietet.  Deshalb wurde das Album »Neon srce« in mehreren Studios aufgenommen. Bei uns und im Ausland.

Schon das eröffnende Marelice führt den Hörer schnell zur Erkenntnis, dass Balladero eben ein besonderer Musikkünstler ist. Er ist ein musikalisches Unikum. Schon wenn man ihn in eine (nackte, ‚ausgezogene‘) Kabarettposition versetzt. Als ‚one man band‘. Nur am Klavier. Plus natürlich seiner Stimme. Das genügt – und dieses Unikum scheint durch alle zehn Tracks des neuen Albums, was auch das grundlegende Ziel seiner Produktion war. Balladero ist nämlich so glücklich, eine unverwechselbare Vokalfarbe zu besitzen. Dazu kommt jene stets sympathische Betonung der slowenischen Verse, die einen immer daran erinnert, dass Dominik aus dem Prekmurje Sloweniens stammt (was bei Prekmurje-Musikern seit Jahren keine Besonderheit mehr ist – sondern bereits so etwas wie ein Standard, der aber willkommen ist, da er eine der Grundlagen für das Erreichen von Eigenständigkeit darstellt). Das Album »Neon srce« stellt Dominiks Singer-Songwriter-Charisma als ‚one man band‘ auf diese Weise gerade im abschließenden Ponesi me heraus.

Obwohl das Album »Neon srce« sehr zugänglich wirkt – und das war auch sein Ziel –, lassen sich durch die Substanz mehr als deutlich jede Menge ‚Kniffe‘ und Tricks wahrnehmen, auch im Sinne musikalischer Modulationen, die die Entwicklung der Kompositionen ein kleines bisschen anders lenken, als es die Ohren des durchschnittlichen Hörers erwarten würden – ein notwendiges künstlerisches Manöver. Damit beschäftigen Künstler nicht nur sich selbst, sondern auch ihr Publikum (da sind wir wieder beim Kern der Sache). Dieses Manöver ist vor allem deshalb notwendig, um auf irgendeine Weise zu verhindern, dass sich die Dinge in Richtung eines öden, bereits durchgekauten und generischen Aufwärmens billiger Tricks entwickeln, die dir vielleicht leichter den Weg zu den Musikcharts ebnen würden. In Bezug auf künstlerisches Gewicht würde das einen Künstler wie Balladero keineswegs befriedigen. Den Mann begleitet wirklich ein Meisterteam, mit dem das Album »Neon srce« einen echten Art-Pop-Charakter von außergewöhnlicher Reife erreicht. Die Integration von Einlagen über Motiven spricht einen gelegentlich auch mit einem verspielten jazzy Anstrich an, was nur einer der Tricks der erfahrenen Meister ist, die Balladero auf vielen Teilen des neuen Albums geschickt  einsetzt. Und das hat ihn dankenswerterweise auch auf beiden früheren Studioarbeiten in sein künstlerisches Unikum gestellt. Das Gefühl des Kabarett-Charmierens ist weniger intensiv, als angesichts der beiden früheren Studioarbeiten zu erwarten gewesen wäre, aber das ist angesichts der musikalischen Vision, die die Produktion des Albums »Neon srce« antrieb, eigentlich willkommen. Die Bewegung hin zu einer Variation des Art-Pops mit eigener expressiver Charisma ist ausgeprägter als je zuvor. Das Kokettieren mit Pop-Rhetorik ist intensiviert und kulminiert sicherlich im Track namens Verjet, aber Kandidaten für häufige Rotation auf dem Album »Neon srce« gibt es noch eine ganze Menge. Einer dieser Momente ist auch das chansonartig gefärbte Še živim mit kunstvoll unterlegten Streichern im Hintergrund und einem wirkungsvollen Duett in Gesellschaft von Jadranka Juras.

»Neon srce« ist ein exzellentes Werk, das vor klanglicher und arrangementmäßiger Fülle nur so strotzt (mit einer ausgearbeiteten mid-eight-‚Nomenklatur‘, die die Stimmungsgraduierung in der Kompaktheit der Strophe-Refrain-Beziehung allenfalls noch vergrößert) und dabei durchgehend den bekenntnishaften Ausdrucksbereich von Balladero in seiner Singer-Songwriter-Breite in klarem Fokus und zentraler Lage hält. Das neue Album ist ein Reifegrad-Schritt nach oben in der Pflege des Artismus. Es begeistert mit seiner Leichtigkeit, aber gleichzeitig mit arrangementmäßiger und klanglicher Tiefe sowie Breite. Alben, die mit solcher Produktionsgeschicktheit ausgestattet sind wie »Neon srce«, sollten den slowenischen Radio-»Mainstream« prägen und vertreten. Balladero hat mit der musikalischen Vision des neuen Albums seine künstlerische Charisma noch weiter vertieft und stärker herausgearbeitet.  

Autor: Aleš Podbrežnik

Trackliste:
1. Marelice
2. Potujem
3. Najina
4. Ukradla si mi srce
5. Še živim
6. V tvojih očeh
7. Glej me, sanjam
8. Toplo
9. Verjet
10. Drugačen svet
11. Ponesi me

Besetzung:
Dominik Bagola Balladero – Gesang, Klavier, Keyboards, Gitarre auf Track Nr. 5, Schlagzeug auf Track Nr. 5

Mitwirkende Musiker:
Jadranka Juras – Gesang auf Track Nr. 5
Branko Brezavšček – Viola, Violine auf Track Nr. 5
Daniel Bogataj – Violine auf Track Nr. 7
Zsofi Klacsmann – Violine auf Track Nr. 11
Kristijan Krajnčan – Violoncello auf Track Nr. 5
Peter Koša – Violoncello auf Track Nr. 11
Bilka Peršič – Harfe auf Track Nr. 7
Amadej Herzog – Akkordeon auf Track Nr. 6
Peter Dekleva – Gitarre auf Track Nr. 1
Lorenzo Corti – Gitarre auf den Tracks Nr. 1 und 6
Aljoša Bagola – Gitarre auf Track Nr. 2
Uwe Bossert – Gitarre auf den Tracks Nr. 3 und 9, Bassgitarre auf Track Nr. 9
Denis Horvat – Gitarre, Hammond-Orgel und Perkussion auf Track Nr. 4
Teo Collori – Gitarre auf Track Nr. 4
Urban Zotel – Gitarre auf Track Nr. 5
Jani Moder – Gitarre auf Track Nr. 7
Martin Štibernik – Gitarre auf Track Nr. 8, Bassgitarre auf Track Nr. 8, Rhodes-Keyboards auf Track Nr. 8
Žan Serčič – Gitarre, zusätzliche Keyboards und Programmierung auf den Tracks Nr. 10 und 11
Jernej Kržič – Bassgitarre auf Track Nr. 1
Lucas Fernandez – Bassgitarre auf den Tracks Nr. 2 und 3
Miha Koren – Bassgitarre auf Track Nr. 4
Robert Jukič – Bassgitarre auf Track Nr. 5
Anže Langus Petrovič – Bassgitarre auf den Tracks Nr. 6 und 7
Ash Soan – Schlagzeug auf Track Nr. 1
Florian „Flo“ Schanze – Schlagzeug auf den Tracks Nr. 2 und 3
David Morgan – Schlagzeug auf Track Nr. 4
Enos Kugler – Schlagzeug, Perkussion auf den Tracks 6 und 7 und zusätzliche Keyboards auf Track Nr. 6
Bobby MacIntyre – Snare, Perkussion und Vibraphon auf Track Nr. 7
Jože Bogolin – Pauken auf Track Nr. 5


Balladero – „Neon srce“ (2023, Club2 Records)
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