Avtomobili: Potujemo (1984 – 2024)
Založba: ZKP RTV Slovenija
Datum izida: 11. 12. 2024
Žanr: Art Rock / Art Pop
Ocena: 9.0/10
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Wann immer du einen Blick auf das magische Opus von Avtomobili wirfst – einer der zentralen Gruppen, die das Bild der slowenischen ‚Mainstream‘-Musik der Achtziger und Neunziger prägten –, bist du schlicht und einfach überwältigt von der ganzen zur Schau gestellten Ästhetik des Artismus des Musikhandwerks. Das Gespann der Brüder Mirko und Marko Vuksanović gilt heute so gut wie als ikonisch und gehört im slowenischen Rock’n’Roll-Raum zu den stärksten, wenn die Debatte auf die Ausdruckskraft des Komponierens kommt. Des Komponierens von Musik, die schnell zugänglich ist, unmittelbar einnimmt, im Gedächtnis bleibt und beim Hörer langsam und unbewusst Wurzeln schlägt – und ihn mit ihrer Substanz im Alltag auf eine Art ungewollt, aber dankbar aufbaut, korrigiert und lenkt. Wie ein Pilot, der immer alle Antworten kennt, wenn du deinen Kompass verlierst, und dir hilft, wieder auf die richtige Spur zu finden. Auch in den schwersten Momenten.
Die Kompositionen, die diese Kompilation verkörpert, zeichnet ein feinsinnig raffinierter Artismus aus, bei dem kein Raum für ausdruckliche Oberflächlichkeit trivialer Lösungen bleibt. Weder in der Poesie noch im Arrangement. Mystik und Subtilität in zeitlosen Melodien und in der Dichtung. Übersetzt in die Form dieses zeitlosen Opus ist auch jene einzigartige Verbindung der beiden Brüder, durch die sie sich einzigartig ergänzen, wachsen und auf eine Art ständig wahrnehmen und erforschen. Das ist auch das elementare Gerüst des musikalischen Fingerabdrucks des Artismus der Gruppe Avtomobili selbst. Sogar der wichtigste Teil dieser Geschichte, denn dieser Fingerabdruck ist essenziell, wenn wir davon sprechen, ein absolutes Unikat eines eigengewachsenen Artismus zu erreichen, der hinter dem Opus der Gruppe steht. Künstlerische Reife und Reifen saugt vielerlei Genres auf und formt sie zu seinen Gunsten um. In das ureigene künstlerische Sein.
Avtomobili tauchten in der Szene auf, nachdem Bands, die sich in der zweiten Hälfte der Siebziger stark unter dem Einfluss des Punk entwickelt hatten, damit begonnen hatten, revolutionär Elemente der elektronischen Musik in ihren Ausdruck zu integrieren (The Cure, Spandau Ballet, Duran Duran, Simple Minds, Ultravox,…). Und als zu Beginn der Achtziger auch die ersten echten Synthesizer Einzug in Gebrauch und Arrangement hielten, wurden gleichzeitig die Grundlagen für den Aufschwung des Phänomens ‚New Wave‘ gelegt, und der Pop-Rock erhielt einen katapultartigen Abschuss in eine neue Dimension und erlebte durch die Achtziger einen unvergesslichen Aufschwung. Hier brachen auch unsere Avtomobili zu ihrem eigenen Weg auf. Sie jagten dem damaligen Zeitgeist-Schrei nach, und dann legten sie nach und nach – vor allem mit der Ankunft von Alan Jakin und dem Album „Krenimo“ (das explosive Eingangsriff von Enkrat v življenju bleibt ewig) – ihre eigene Autobahn-Landkarte fest, die sie über die Jahre im Artismus pflegten und evolutionär ausbauten, perfektionierten und damit eine ganz besondere Natur wunderbarer musikalischer Ästhetik verwirklichten!
„Potujemo (1984-2024)“ ist die dritte ‚Best-of‘-Sammlung der Gruppe. Im Jahr 1995 erschien „Drugi svet (1984-1987)“ – zu einem Zeitpunkt also, als die Band bereits zwei weitere Alben veröffentlicht hatte, die man heute als zentrale betrachten kann. Das sind „Mraz“ (1992) und „Skozi leta“ (1994). Daher kann erst die Sammlung „Največji zadetki“ aus dem Jahr 1998 als wirklich glaubwürdige Kompilation gelten, auf der die Band auch perfekt slowenisierte immergrüne Hits der ersten drei Alben lieferte, die noch heute unter den Anhängern die beliebtesten Evergreen-Hits sind – denn sie funktionieren deutlich besser als in den serbokroatischen Originalen und sind deshalb in Slowenien schon längst zu Volksschlagern geworden. Auch auf der neuen Kompilation sind sie dabei (Punce izginjajo v noč, Sama, Ljubezen ne stanuje tu).
Auf der Sammlung werden die letzten fünf Alben mit gerade einmal sieben Stücken abgedeckt, was sicher durch das verfügbare Budget bedingt ist – weshalb die Gruppe wohl lange abwägen musste, was auf die Sammlung kommt und worauf man verzichten muss. Das Album „Mesta železniških postaj“ (2006) ist nur mit dem Hit Nekaj let vertreten, obwohl ihn von diesem Album noch das knackige Proti Luni, das mystische Gorica und das ansteckende April locker herausfordern könnten.
Ebenso ist der ‚Status‘ der neuen, nämlich gleichnamigen Single der Kompilation Potujemo, die zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung herauskam, nicht ganz klar. Die Single, die du weiter unten hören kannst, hätte eigentlich auf die Kompilation gehört. Angesichts des Titels und der Tatsache, dass die Gruppe mit der Kompilation 40 Jahre feiert, hätte diese neue Single auf der Kompilation als überzeugender Schrei des Artismus der Gegenwart mit Blick in die Zukunft gewirkt. Es ist ein schwungvolles Stück, das im Text direkt und unverhohlen den Kern der Gruppe selbst zusammenfasst – und wenn ich nach einer Parallele suchen würde, würde ich sie vielleicht an die Single Skozi leta knüpfen (nur dass Potujemo ihr ‚jüngerer Bruder‘ ist). Dann gibt es noch einige vermisste Evergreens, die nicht fehlen dürften: Enkrat v življenju, Ne ljubi se mi spati sam, Kriva je luna,… Es hätte sich auf jeden Fall leicht genug Material angesammelt, dass die Kompilation zu einem Dreifach-Vinyl oder einer Doppel-CD angewachsen wäre. Aber wie gesagt: Wünsche sind eine Sache, die Realität eine andere. Ein Triple-Vinyl hätte die Produktionskosten erheblich in die Höhe getrieben.
Und dennoch. Diese Kompilation musste einfach passieren. Gerade angesichts der 42 Jahre Bandgeschichte und der Tatsache, dass Neuauflagen der klassischen Alben der Gruppe aus den Achtzigern und Neunzigern – sagen wir zumindest bis hin zum Album „Enakonočje“ (2000) – nach wie vor nicht in Sicht sind! Die Sammlung „Potujemo (1984 – 2024)“ ist ein unbedingtes Muss. Nicht nur für langjährige Anhänger der Gruppe, sondern für alle Liebhaber eines einzigartigen Artismus, der an einem Ort fesselnde, subtile Texte und filigranartig facettenreiches Arrangement vereint – und der in dieser Kombination nicht nur außergewöhnlichen musikalischen Wert und Zugänglichkeit erreicht, sondern auch mit dem Ruf nach Mystik lockt und in jedem von uns vielfältige Gefühle und Leidenschaften weckt. Gleichzeitig ist diese einzigartige musikalische ‚Minestrone‘ geschickt verschmolzener Genres jene Garantie, die auch anspruchsvollere Musikfeinschmecker begeistert. Deshalb gelten Avtomobili heute im slowenischen Musikraum als der heilige musikalische Gral des slowenischen Rock’n’Roll!
Die Kompilation, die vor uns liegt, kann nur eines sein: bis über den Rand gefüllt und vollgepackt mit allen wesentlichen Evergreens dieser faszinierenden Fahrt, die noch heute die einen und einzigen – Avtomobili – weben und schaffen. Sie ist eine Art zeitloser musikalischer Triumphbogen einer der bedeutendsten slowenischen Bands aller Zeiten. Heute füllen Avtomobili zwar nicht die Stožiška Arena, aber sie verkaufen den Cankarjev dom oder das CUK Kino Šiška mühelos aus, und auch die Križanke könnten ordentlich aus den Nähten platzen, wenn die Gruppe mal jemand dorthin zu einem Konzert einladen würde – denn hand aufs Herz, nach all diesen Jahren schulden sie uns eigentlich auch mal ein richtiges Konzertalbum.
Wie stark all diese Kompositionen sind – sowohl die Klassiker als auch die Stücke der neueren Alben, entstanden zwischen 2012 und 2022 –, bleibt eine generationsübergreifende Faszination. Das stellt das Opus von Avtomobili auf einen ehrwürdigen Sockel musikalischer Legenden, der mit ganzer Intensität auf einem ganz besonderen Platz des slowenischen Rock’n’Roll strahlt – und auch der slowenischen Mainstream-Musik. Es symbolisiert große künstlerische Weisheit und verbirgt gleichzeitig nicht das unversiegliche Feuer ungezähmter Leidenschaften, die in den Herzen der Jungs brennen – oder wie Marko sagt (in der Single Poslušaj), wenn man noch immer ‚das Kind findet, das in dir steckt (und dich erfreut)‘. Rost kennen sie nicht. Sie bewahren die Potenz jugendlicher Verspieltheit, und auf Anstoß reagieren sie noch immer schelmisch und frech. Als wäre der Morgen gerade erst angebrochen und sie würden sich erst auf ihre erste Fahrt aufmachen.
Autor: Aleš Podbrežnik
Trackliste (2LP):
Seite A.
1. Ona nosi uniformo
2. Punce izginjajo v noč
3. Sama
4. Ljubezen ne stanuje tu
5. Pot domov
6. Gospodar (tvojega srca)
Seite B.
1. Drugačno nebo
2. Mraz
3. Lipe
4. V mrzlih dvoranah
5. Skozi leta
Seite C.
1. Argentina
2. Hvala za pisma
3. Navaden dan
4. Poletje ljubezni
5. Enakonočje
Seite D.
1. Nekaj let
2. Poslušaj
3. Netopir
4. Stopinje v snegu
5. Daleč
6. Zato ti želim
