Art of Illusion: X Marks the Spot

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Label: AOR Heaven
Erscheinungsdatum: 29. 1. 2021
Produktion: Anders Rydholm
Albumlänge: 52.01 min
Genre: AOR Revival / Melodic Rock
Bewertung: 8.0/10


Art of Illusion ist ein weiteres Projekt, das in jener Zeit entstanden ist, als der Teufel (offenbar für immer) seinen Spaß beiseitegelegt hat — und das höchstwahrscheinlich nie zustande gekommen wäre, hätte die Konzertwelt nicht so bitter gelitten. Dahinter steckt die Zusammenarbeit zweier exzellenter schwedischer Musiker. Einer ist Lars Säfsund von Work of Art, den Freunde von Melodic Rock und AOR-Revivalismus auch aus Lionville und Enbound kennen. Lars ist also die Stimme von Art of Illusion. Das musikalische Gerüst liefert die andere Hälfte des Duos: Grand Illusion-Multiinstrumentalist, Komponist und Produzent Anders Rydholm, den besonders „präzise“ Liebhaber weicher und üppiger Rockkonstruktionen aus seiner Arbeit mit Overland, Seikima II und dem japanischen Künstler Demon Kakko kennen.

Ja. Schon wenn man die im letzten Absatz genannten Künstler überfliegt, wird schnell klar, was das Debüt von Art of Illusion zu bieten hat. „X Marks the Spot“ ist ein Album typisch skandinavischen Revivalismus, wie er bereits aus Säfsunds Wirken bei Work of Art bestens bekannt ist — besonders aus Catch You If I Can, Run oder Go. Interessant ist dabei, dass sich beide Musiker für den bombastischen, pompösen „Hypnose“-Effekt intensiv auf Mittel des Neoklassizismus stützen. Das schließt stellenweise auch die Verdichtung der Atmosphäre durch chorische Einwürfe in den Refrains ein. Das Album bietet Stücke, in denen neoklass­ische Musik regelrecht mit dem AOR-Sound verwoben wird und die als Interludien funktionieren (Waltz for the Movies, A Culinary Detour). Melodien und Arrangements, die Klavier, Streicher und Bläser in den Vordergrund rücken, sind von der Faszination für Queens Werk Mitte der Siebziger inspiriert. In Rampant Wildfire taucht kurz vor der Drei-Minuten-Marke eine Mid-Eight-Passage auf, die treffend an Mittel erinnert, die David Paich bei Toto in der ersten Hälfte der Achtziger einsetzte.

Das Album bietet eine abwechslungsreiche Ideenpalette und eine ausgewogene Mischung aus treibenden Tracks und balladesk ausgerichteten Kompositionen. Besonders zünden die schnelleren Nummern, die mehr kernigen Rock und pompöses Theater entfalten — sowohl im Gitarrenspiel als auch in der mitreißend greifbaren Atmosphäre, die bei einer Hommage an das AOR-Erbe schlicht gefordert ist. Eine der eingängigsten Kompositionen in diesem Sinne ist das in der Albummitte platzierte Go, dem der stürmische Albumauftakt mit Wild And Free und Run Gesellschaft leistet.

Kurzum: Art of Illusion werden all jene in die Finger nehmen, die seit Jahren sowohl Grand Illusion als auch Work of Art verfolgen — aber der Inhalt wird auch Fans von Bands wie Palace, Houston oder Wildness fesseln. Dabei sollte man im Hinterkopf behalten, dass Rydholm die Arrangements durch die Integration klassisch-orchestraler Elemente großzügig bereichert hat, was Säfsund gelegentlich sogar in die Rolle eines Chansonniers drängt — wie etwa in der abschließenden „eurovisionären“ Ballade Race Against Time. Genau diese zusätzlichen Rydholm-Kniffe im Arrangement heben „X Marks the Spot“ von dem naheliegenden Eindruck ab, es handle sich lediglich um ein weiteres AOR-Revival-Album. Keine Revolution — die war ohnehin nie erwartet worden —, aber qualitativ stark genug, um einen beachtlichen Kreis von Liebhabern dieser Klänge einzufangen.

Autor: Aleš Podbrežnik

Tracklist:
1. Wild And Free (4:44)
2. Run (4:49)
3. My Loveless Lullaby (5:04)
4. Waltz For The Movies (1:43)
5. 4 AM (4:27)
6. Go (5:08)
7. Snakebite Charm (3:48)
8. Let The Games Begin (5:30)
9. A Culinary Detour (2:22)
10. Catch You If I Can (4:56)
11. Rampant Wildfire (4:42)
12. Race Against Time (4:48)

Besetzung:
Lars Säfsund – Gesang, Keyboards, Backing Vocals
Anders Rydholm – Rhythmusgitarre, Keyboards, Bass

Gastmusiker:
Muris Varajic – Gitarre
Kristian Larsen – Gitarre
Jay Graydon – Gitarre
Pelle Holmberg – Gitarre
Daniel Rydholm – Gitarre
Tony Paoletta – Pedal Steel
Frank Nilsson – Schlagzeug
Per Svensson – Backing Vocals


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