Archon Angel: Fallen

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Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 14. 2. 2020
Produktion: Alessandro Del Vecchio
Albumlänge: 49.57 min
Genre: Symphonic Power Metal
Wertung: 8.0/10


Archon, in der Gnosis ein Erzengel, ist im Konzept dieses Albums der Vermittler zwischen den Erdenbewohnern und Gott. Darum dreht sich also die Geschichte auf dem Debüt des Projekts Archon Angel. Archon ist der moderne Erzengel. Das Album »Fallen« beschreibt in zehn Stationen seine Nöte, nachdem er sich entschlossen hat, sich zu opfern und das totale Chaos zu ertragen, das die Menschen der Gegenwart verursachen. Hier. Jetzt. Die näheren Details zu seinen (überwiegend bitteren – kein Wunder) Erfahrungen wirst du kennenlernen, wenn du dich eingehend mit den Lyrics der zehn Songs des Albums »Fallen« auseinandersetzt.

Was aber interessanter ist als das abgedroschene Konzept, ist die Tatsache, dass Zak Stevens als Leadvokalist am Projekt mitwirkt. Der kanadische Sänger ist vor allem bekannt für seine Zusammenarbeit mit den legendären Heavy- und Progressive-Metal-Veteranen aus Florida, Savatage, sowie dafür, dass er seine eigene Band Circle II Circle leitet. Die andere Hälfte des Projekts ist eigentlich Aldo Lonobile von der italienischen Band Secret Sphere. Der Mann zeichnet als Hauptautor des Materials verantwortlich, wurde bei Arrangements und Ideen aber noch von Alessandro Del Vecchio (Hardline, sonst das »Mädchen für alles« beim Label Frontiers Music Srl.) unterstützt, sowie vom herausragenden Gitarristen der Prog-Metal-Truppe DGM, Simone Mularoni. Am Bass schnappte sich für dieses Album Yves Campion von der französischen Band Nightmare, die einst als Vorband von Sabaton in der Cvetličarna in Ljubljana auftrat. 

Wie du weißt, sind Savatage seit fast zwanzig Jahren Geschichte. Jon Oliva hat auch seine spätere Band Jon Oliva’s Pain aufgelöst, und Zak Stevens hat mit Circle II Circle ebenfalls schon lange kein Album mehr veröffentlicht. Die Musik von Savatage lebt heute nur noch auf den Konzerttourneen von Trans-Siberian Orchestra. Bei Frontiers Music Srl. hat man das clever ausgenutzt und den Pressetext zur Platte »Fallen« ordentlich aufgeblasen, mit der Behauptung, dass derzeit nichts mehr an Savatage erinnere als eben »Fallen«. Stimmt nicht. Wenn man es ganz genau nimmt, ist Cliffs of Gallipoli von Sabaton ein größerer Rip-off des Savatage-Songs Gutter Ballet als irgendetwas, was man auf »Fallen« zu hören bekommt.

Der eröffnende Titeltrack spricht Savatage-Fans fast schmerzhaft direkt an, denn er trägt in der Strophenarrangierung einige verwandtschaftliche Züge zum Song Edge of Thorns. Auch im weiteren Verlauf des Albums gibt es einige Impulse, die an das Erbe von Savatage erinnern, besonders an das bereits erwähnte Album »Edge of Thorns«, aber auch an das Album »Handful Of Rain«, worauf zum Beispiel das theatralische Ineinanderfließen von Wiederholungen mehrerer Chorlinien im abschließenden Return of the Storm hindeutet.

Man muss auf jeden Fall berücksichtigen, dass Lonobile ein klassisch ausgebildeter Musiker ist und das neoklassische Arrangement-Element auf diesem Album stark präsent ist – was für den italienischen Ansatz zum Metal eigentlich kaum überrascht. Auffällig ist auch das aggressive Gitarren-Shredding, das in der Produktion sogar die Keyboards in den Schatten stellt. Deshalb ist das Album im Grunde ein symphonisches Power-Metal-Produkt mit unglaublicher musikalischer Eingängigkeit. Von Anfang bis Ende packen die Songs mit ihrer ultra-musikalischen Finesse. Die Produktion hat die gewünschten Kontraste erzeugt, die packende Atmosphären voller Drama und Bombast malen. Was das Album von Savatage distanziert, ist neben dem anderen Gitarristentyp und dem anderen Phrasierungsansatz auch die andere Integration der Keyboards in die Arrangements. Die Keyboards agieren wie ein Orchester, gelegentlich wird sogar auf Synthesizervorhänge zurückgegriffen, und das Klavier, das hier die Rolle hat, Savatage-Fans zu necken, wird sparsam und an den richtigen Stellen eingesetzt. Generell kann das Album die Magie der Savatage-Originale nicht annähernd einfangen. Schon allein wegen der Produktion. »Fallen« wurde reichlich poliert und klingt sehr glattgebügelt. Die Klanglandschaft ist dadurch oft um natürliche Töne und jedes Gefühl von Lebendigkeit beraubt.

Stevens ist nach wie vor ein exzellenter Vokalist, mit einer durchdringenden, warmen und samtenen Stimmausstrahlung. Sein Register bewegt sich überwiegend in mittleren bis tiefer intonierten Lagen, wie seit jeher. Gleichzeitig ist die Farbe seines vokalen Charakters auf Anhieb erkennbar, was den Songs schon beim ersten Hören eine Art »täuschende« Begegnung mit Savatage beschert. Rise ist ein Song, der seine Inspiration den klassischen Rainbow zu verdanken hat. Dann ist da Under the Spell, mit einer einleitenden Leadphrase, die »Queensrÿche-mäßig« klingt (aus der späten Achtziger-Ära). Also: Es geht hier nicht alles »nur« um Savatage. Überhaupt nicht. Ebenso ist in Teilen des Albums der typisch italienische Charakter des Power-Metal-Ansatzes erkennbar, der stets üppig mit orchestralen Arrangements garniert ist, wie in Return of the Storm zu hören, das punktuell an die Landsleute Rhapsody of Fire erinnert und gleichzeitig auch einige Verwandtschaft mit Progressive Metal zeigt.

»Fallen« weckt definitiv Assoziationen an Savatage, treibt das aber nicht ins Extrem. Wie erwähnt, weicht es dem Kopiermuster geschickt genug aus – und das ist sehr gut so. Das verschafft dem Album nämlich genug Glaubwürdigkeit, um es als eigenständige musikalische Story zu bezeichnen. Die Songs sind so geschrieben, dass sie dem Stimmregister von Zak Stevens wie auf den Leib geschneidert sind, und genau seine Integration ist das Element, das die meisten Assoziationen an Savatage weckt. Alles andere auf dem Album ist zwar nettes »Necken«, mit Abweichungen, die das Album, wie erwähnt, glaubwürdig vom »Copy-Paste«-Syndrom fernhalten. Deshalb ist „Fallen“ definitiv interessant genug und einen Blick wert.

Autor: Aleš Podbrežnik

Trackliste:
1. Fallen
2. The Serpent
3. Rise
4. Under The Spell
5. Twilight
6. Faces Of Innocence
7. Hit The Wall
8. Who’s In The Mirror
9. Brought To The Edge
10. Return Of The Storm

Besetzung:
Zak Stevens – Gesang
Aldo Lonobile – Gitarre
Antonio Agate – Keyboards, Klavier
Yves Campion – Bass
Marco Lazzarini – Schlagzeug


Archon Angel – The Serpent (offizielles Lyric-Video)
Archon Angel – Fallen (offizielles Video)
Archon Angel – Rise Offizieller Audiostream)
Archon Angel – Twilight (offizieller Audiostream)
Archon Angel – Fallen (Albumcover)
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