Alex Skolnick Trio : Conundrum

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Label: Palmetto Records
Erscheinungsdatum: 07.09.2018
Albumlänge: 54.40 min
Produktion: Alex Skolnick Trio
Genre: Jazz Rock Fusion


Achtung, Brüder und Schwestern im Metal! Das neue Alex Skolnick Trio ist da. Na ja, ist schon seit einer Weile draußen. Und wie immer liefert der wackere und hoch geschätzte Testament- und Metal Alliance-Gitarrenheld und geschliffene Virtuose wieder eine erstklassige Jazzplatte ab. »Conundrum« ist das insgesamt fünfte Jazzalbum dieses Trios und liefert wieder all das, womit Skolnick uns auf seinen Vorgängern verwöhnt hat – und darüber hinaus, denn seine Bibel zur Beherrschung der Sechssaiter-Theorie (des Gitarrenspiels) in jedem erdenklichen Genre verschlägt einem schlicht den Atem und begeistert.

Der zeitliche Abstand zwischen  dem neuen »Conundrum« und dem vorigen »Veritas« beträgt wieder einmal sieben Jahre.  Wie ihr wisst, sind die legendären Bay Area Thrash-Metaller Testament in den letzten Jahren voll aktiv und wieder sehr umtriebig – sowohl live als auch kreativ – und die Zeit für andere »para-metallische Abenteuer« ist natürlich etwas geschrumpft.

»Conundrum« begeistert erneut. Es begeistert durch seine clevere Prägnanz, seine Vielschichtigkeit und die überschwängliche Weite der Jazzrock-Fusion, die sich dabei nicht scheut, andere Genres mit dem Jazz fester modaler Strukturen zu verschmelzen. Das bedeutet: Skolnick hat mit seiner Crew wieder eine außerordentlich mutige Synthese hingelegt, die höchste Zugänglichkeit auch für weniger anspruchsvolle Hörer bietet und gleichzeitig das liefert, weswegen Musikkenner kommen: bravouröse spielerische Brillanz, die wieder von reicher ideeller Lebendigkeit und geistreichen Kapriolen großer virtuoser Geschmeidigkeit des Trios strotzt. Gleich zum Auftakt schlagen Alex Skolnick Trio mit dem eingängigen Unbound zu, das sich mit funkigem Slapping unter einer verführerischen Skolnick-Phrase öffnet – und Skolnick weist sofort wieder darauf hin, wie der Einsatz von Flageoletts, die er in die Hauptphrase einflicht, zur Steigerung der Dynamik und zu Stimmungswechseln beitragen kann. So ein simpler Trick, so eine große Wirkung. Auf »Conundrum« bietet Alex Skolnick wieder »ein bisschen von allem«. Er bewegt sich zwischen vielen Genres und überbrückt mit cleverer Eleganz und filigraner Sinnlichkeit scheinbar Unvereinbares, und zwar so, dass man diese Übergänge im Charakter der Arrangements kaum wahrnimmt. Django Tango deutet schon im Titel die Verliebtheit in Tango-Rhythmik an, während der Titeltrack neben Key Of Sea als der Höhepunkt des Albums gilt, wo der Gruppe gelingt, sogar Momente der Mystik zu entwickeln – was vor allem Key Of Sea gelingt, wo das Bogenspielen auf dem Bass eine besondere Atmosphäre aufbaut. Dieser träumerischen, sehnsüchtigen Geheimnistuerei schließt sich auch das außergewöhnliche Dodge The Bambula an, das sich völlig unprätentiös entfaltet und bei dem Alex Skolnick Trio mit außerordentlich feiner Sanftheit zu Werke geht. Wieder in der Mitte überrascht Skolnick mit dem Einbau eines swingenden Fusions-Elements, das sich etwas »Zigeunerisches« in der Melodik borgt – was den Track dankenswerterweise von allzu großer Vorhersehbarkeit klassischer Jazzstrukturen wegdrängt. Der Titeltrack des Albums ist tatsächlich alles, was man sich von Skolnick wünscht, an einem einzigen Ort versammelt: mehrere Wechsel der rhythmischen Vorzeichen neben der ansonsten jazzrocklastigen Prämisse, dabei verliebt sich das Trio auch in etwas leichten Latino-Melos. Die Übergänge zwischen den Klangbausteinen sind außergewöhnlich. Das Kontrastieren optimal, Bass und Schlagzeug bekommen beständig extrem viel Raum, um sich frei zu entfalten – damit Skolnicks Gitarrengenialität sie nicht versehentlich in eine untergeordnete Position drängt. Das Arpeggieren ist schlicht bravourös! Diesmal natürlich rein akustisch, warm und lebendig, haargenau abgemessen und furios gespielt – was einmal mehr bestätigt, was für ein bravouröser, prägender und einzigartiger Musiker dieser außergewöhnliche Gitarrist ist, erst recht wenn man alles andere einrechnet, das ihn als berüchtigten Shredder auf der E-Gitarre auszeichnet.  

Das Album liefert ein Arrangement des Originals Gymnopedie No 1 von Erik Satie, bei dem sich die Band – nach Django Tango – wieder verstärkt kabarettistischen Figuren bedient und anschaulich zeigt, welche spielerische Eleganz und Sanftheit sie entwickeln kann, wenn sie sich einer fragilen Komposition mit unglaublicher Sensibilität nähert. Hier öffnet sich Raum für verspielte Solismusstrukturen des Kontrabasses. Öl ins Feuer gießt im Folgenden die Swing-Geschichte in Culture Shock, die einerseits mit jazzigem Country-Gaunertum dosiert ist und andererseits mit einem außerordentlich gelungenen Mittelteil überrascht, in dem sich Skolnick durch jazziges Herumknoten in den Sololinien auch mit einer spürbaren Einbettung von Arabesken auseinandersetzt. Ein schelmischer Höhepunkt des Albums, der von einer äußerst gelungenen stilistischen Kollision strotzt. Wie immer ist auch auf diesem Album wieder bezeichnend, dass Skolnick sehr gerne Flageoletts in Phrasen einschmuggelt, was die Klanglichkeit zusätzlich belebt und die Dynamik des Geschehens steigert. In A Question Of Moral Ambiguity würden sich daneben auch George Gershwin oder Henry Mancini problemlos einreihen – noch eine ureingesessene Kabarett-Jazzklassik mit verspielten und frechdachsigen Passagen, die das Stück bildlich immer wieder auf dasselbe Hauptmotiv zurückführen. Protect The Dream, das das Album beschließt, besitzt in seiner Jazzrock-Fusionsprämisse von allen Albumtracks am meisten Experimentalismus – mit einem einleitenden dramatischen, dabei feierlichen und in der Melodik äußerst eigentümlichen, gar leicht mystischen und düsteren Motiv, das sich auch ein Jeff Kollman bei seinen Cosmosquad gerne borgen würde. Eine außergewöhnliche Abweichung des Albums und ein erstklassiger Abschlussmoment!

»Conundrum« ist alles, was wir uns von Alex Skolnick und seinem Trio wünschen. Diese siebenjährige Pause zwischen den Albumveröffentlichungen des Trios ist bemerkenswert. Das sind die Momente, in denen das den meisten bekannte »elektrische« Skolnick-Genie kurz entladen und neu gestartet wird, in eine völlig andere Dimension des Spielens, Schreibens und Komponierens eintritt und beginnt, musikalische Dimensionen zu absorbieren, in denen eine absolut freiheitsliebende kreative Haltung dominiert, die übermäßige Einrahmung nicht verträgt – auch wenn Skolnick als Jazzist in erster Linie stets den festen modalen Kompositionsformen treu bleibt. »Conundrum« ist noch ein brillanter Skolnick-»Zaubertrick«, der neben der unglaublichen Vielschichtigkeit des virtuosen Spiels ein Werk liefert, das den Hörer durchgehend mit unglaublicher Anziehungskraft und musikalischer Zugänglichkeit anspricht.

Autor: Aleš Podbrežnik
Wertung: 9.5 / 10

Tracks:
1. Unbound
2. Django Tango
3. Conundrum
4. Gymnopédie, No. 1
5. Culture Shock
6. Dodge The Bambula
7. Key Of Sea
8. A Question Of Moral Ambiguity
9. Protect The Dream

Besetzung:
Alex Skolnick – Gitarre
Nathan Peck – Bass
Matt Zebroski – Schlagzeug


Alex Skolnick Trio – Culture Shock (video)
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