Alan Parsons: From The New World

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Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 15. 7. 2022
Produktion: Alan Parsons
Albumlänge: 45.05 min
Genre: Art Rock / Progressive Rock / Pop Rock
Bewertung: 8.0/10


Der Kultmusiker, Produzent und Toningenieur Alan Parsons gehörte nie zu den innovativsten Prog-Rock-Schöpfern, war dafür aber einer der qualitativ hochwertigsten und beständigsten – denn in den Siebzigern und Achtzigern schuf er, damals noch im Rahmen des unvergesslichen The Alan Parsons Project, eine Fülle zeitloser Songs wie etwa »Eye In The Sky«, »Sirius«, »Don’t Answer Me«, »Games People Play« und »Time«, um nur die bekanntesten zu nennen. Nach der Auflösung von The Alan Parsons Project im Jahr 1990 schlug Alan einen Soloweg ein und hat seither fünf Soloalben veröffentlicht, die die stilistische Ausrichtung des berühmten Projekts mehr oder weniger erfolgreich fortgeführt haben.

»From The New World« ist sein sechstes Studiowerk und der Nachfolger von »The Secret« aus dem Jahr 2019, das Alans erfolgreiche Rückkehr nach fast fünfzehn Jahren kreativer Pause markierte. Der jahrzehntelangen Tradition entsprechend bringt auch »From The New World« einige namhafte Gäste mit: Gitarrenvirtuose Joe Bonamassa, Sänger/Gitarrist Tommy Shaw (Styx) sowie die Sänger David Pack (ex-Ambrosia) und James Durbin (ex-Quiet Riot). Das bedeutet, dass »From The New World« sage und schreibe neun verschiedene Sänger auf elf Kompositionen versammelt.

Der Eröffnungstrack »Fare Thee Well«, der vollständig im Stil der besten Zeiten von The Alan Parsons Project aufgebaut ist und im Text zahlreiche Verweise auf Alans frühere Werke enthält, eröffnet das Album auf außerordentlich starke Weise. Er enthält all jene Zutaten, die in den Siebzigern und Achtzigern Legionen von Art-Rock-Kennern begeistert haben: hinreißende Vokalharmonien, einen prägnanten Refrain, üppige symphonische Arrangements und eine solide Gitarrenfloskel. Das Titelstück, das ein wenig an das zeitlose »Children of the Moon« erinnert, ist im mittleren Tempo gehalten und macht als Ganzes eine sehr solide Figur. Ähnliches gilt für das dramatische »Uroboros« mit Tommy Shaw am Hauptgesang, das deutliche Parallelen zu Styx aufweist. »Don’t Fade Now« ist eine verträumte Ballade, bei der auch Herr Parsons persönlich als Hauptsänger und Gitarrist mitwirkt. Sie enthält gerade genug stilistische Verwandtschaft mit einigen klassischen The Alan Parsons Project-Balladen, um nicht langweilig zu wirken.

»Give ‚em My Love« wird vor allem durch den stimmlich in Hochform aufspielenden Durbin sowie Bonamassa aufgepeppt, der mit einem lebhaften Gitarrensolo aufwartet, durch das die Sache deutlich schwungvoller wird. Das klavierbetonte »Obstacles« ist eine nostalgische Power-Ballade mit dem langjährigen Sänger P.J. Olsson in der Hauptrolle. »I Won’t Be Led Astray« mit Pack am Hauptgesang ist eine solide, aber unaufgeregte AOR-Ballade, die Bonamassa mit seinem unverwechselbaren Gitarrensolo vor dem Mittelmaß rettet. Das im mittleren Tempo angelegte »You Are the Light« ist im unverkennbaren Retro-Stil gehalten und wird, vor allem dank der geschmackvollen Vokalharmonien und des nostalgischen Refrains, dem Großteil der langjährigen Fans gefallen. Das leicht elektronisch angehauchte »Halos« kommt neben dem einleitenden »Fare Thee Well« dem Versuch, einen klassischen The Alan Parsons Project-Standard zu erschaffen, am nächsten. Alan hat es vielfach (erfolglos) versucht, einen Nachfolger für seinen größten Hit »Eye in the Sky« und das kultische Instrumental »Sirius« zu schaffen – und auch diesmal lässt sich dieses Gefühl nicht abschütteln.

Leider lösen sich die gute Energie und die weitgehend makellose Qualität gegen Ende des Albums mit den letzten beiden Tracks, die beide Coverversionen sind, nahezu auf. Da fragt man sich als Hörer unweigerlich: „Wozu war das nötig?“ »Goin‘ Home« ist eine Bearbeitung eines hundert Jahre alten Originals, das einem Schüler Antonín Dvořáks entstammt. In Alans Version ist daraus eine etwas einschläfernde Ballade geworden, während »Be My Baby« eine ziemlich anachronistische Coverversion des Hits der altehrwürdigen Mädchengruppe The Ronettes ist. Obwohl es einer der seltenen Songs mit weiblichem Hauptgesang in Alans bisherigem Schaffen ist, hinterlässt er keinen guten Eindruck und wirkt auf dem Album völlig überflüssig und billig.

»From The New World« wird dem Großteil von Alans langjährigen Fans gefallen, denn es enthält viele nostalgische Momente, die an die „guten alten Zeiten“ erinnern – allerdings lässt gegen Ende der anfängliche Schwung merklich nach, weshalb es sich nicht ganz an die Spitze der diesjährigen Prog-Rock- bzw. Art-Rock-Veröffentlichungen setzen lässt. Alans Produktion auf »From The New World« kann für viele verwandte Bands als Vorbild dienen, was Kenner seines Schaffens freilich nicht im Geringsten überraschen wird. Der erfahrene Musik- und Produktionsmeister hat mit »From The New World« ein sehr solides Album abgeliefert, das sich auf dem erwarteten kreativen Niveau bewegt und viele begeisternde Momente bereithält – dem aber im Finale jenes gewisse Tüpfelchen auf dem i fehlt, das es zu seinen besten Werken zählen ließe, wenn man das Erbe von The Alan Parsons Project mit einbezieht.

Autor: Peter „Dr. ProgRock“ Podbrežnik

Tracklist:
1. Fare Thee Well
2. The Secret
3. Uroboros (featuring Tommy Shaw of STYX)
4. Don’t Fade Now
5. Give ‚Em My Love (featuring James Durbin, Joe Bonamassa)
6. Obstacles
7. I Won’t Be Led Astray (featuring David Pack, Joe Bonamassa)
8. You Are The Light
9. Halo
10. Goin‘ Home
11. Be My Baby

Besetzung:
Hauptgesang – Alan Parsons, Tommy Shaw, David Pack, James Durbin, P.J. Olsson, Todd Cooper, Dan Tracey, Mark Mikel, Tabitha Fair
Hintergrundgesang – Alan Parsons, Tommy Shaw, P.J. Olsson, Todd Cooper, Dan Tracey, Doug Powell, Mark Mikel, Chris Shutters, Scott Hunt
Gitarren – Alan Parsons, Jeff Kollman, Dan Tracey, Doug Powell, Jeff Marshall, James Durbin, Tim Pierce
Bass – Guy Erez
Schlagzeug – Danny Thompson
Keyboards – Tom Brooks, Doug Powell, Matt McCarrin, Kim Bullard
Saxofon – Todd Cooper
Cello auf »I Won’t Be Led Astray« – Mika Larson
Gitarrensoli auf »Give ‚Em My Love« und »I Won’t Be Led Astray« – Joe Bonamassa


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