Joe Bonamassa: Breakthrough
Label: J&R Adventures
Erscheinungsdatum: 18. 7. 2025
Produktion: Kevin Shirley
Genre: Blues Rock / Hard Rock
Wertung: 8.5/10
Joe Bonamassa meldet sich nach vier Jahren mit einem neuen Solostudialbum zurück. Das ist tatsächlich das längste Zeitintervall, das sich der (derzeit) führende weltweite Botschafter und Kurator des Blues Rock in seiner, man kann ruhig sagen, beeindruckenden Karriere gegönnt hat – einer Karriere, in der er bis heute stolze 17 Studioalben aufgereiht hat. Das neueste inbegriffen. Da „Blues Deluxe Vol. 2“ (2023, Rockline Rezension) eine Coversammlung ist, war „Time Clocks“ (2021, Rockline Rezension) eigentlich der erste echte Vorgänger von „Breakthrough“.
Bonamassa hält auch auf seinem neuesten Werk die außergewöhnliche Qualitätskonstanz aufrecht, an die er uns mit seinen früheren Veröffentlichungen gewöhnt hat. Seine Mischung aus Blues-Elementen, die sich kräftig mit Ausflügen in den Hard Rock und auch popmusikalische Momente anlehnt, verleiht auch dem neuen Album eine besondere Identität und einen Charakter, den Bonamassa uns gründlich verwöhnt hat. Er ist ihm eigen. Auch wenn er auf dem neuesten Werk nicht viel Neues sagt, wird dieses seinen Fans auf den Leib geschneidert sein. Und von denen wimmelt es auf der ganzen Welt! Bonamassa ist zu einem großen Namen herangewachsen.
Joe gibt nicht nach! Auch auf dem neuen Album hat er für einen außergewöhnlich dichten Sound gesorgt, der die unvervälschte Tiefe des Organischen widerspiegelt, dabei sind die Tracks erneut meisterhaft arrangiert und ausgearbeitet, dass man ihnen nichts hinzufügen kann und noch weniger wegnehmen. Aufgenommen nach dem Prinzip eines Konzerts im Studio. Verglichen mit der Vibration von „Time Clocks“ wirkt das neue Werk eine Spur „aufgeknöpfter“, sagen wir „aufgelockerter“, entspannter. Eine Spur direkter in der Ansprache! Weniger ernst. Mehr Verspieltheit ist drauf (Drive By The Exit Sign, Still Walking With Me), wobei einem das Blut in den Adern stockt, wenn man bei einem Track wie Broken Record anlangt. Ein langsam ausglühender Blueser, bei dem sich die Nackenhaare automatisch aufstellen. Mit einem außergewöhnlichen Solo im Ausklangteil, das Joe Bonamassa dort ablegt. Die Gitarre ächzt, während sich die Töne biegen. Der Album-Moment, der Gary Moore aus seinem zu frühen Grab auferstehen lassen wird. Der Moment des Albums, der für sich selbst spricht. Dieser Track ist tatsächlich für sich allein der Höhepunkt des Albums! Da ist das düstere, melancholische Life After Dark. Für alle, die Stücke mögen, die sich in Moll entfalten – das ist euer definitiver Album-Moment! Ein Bekenntnis persönlicher Erlösung, das sich an die verborgensten Winkel der Seele des Hörers klammert und mit bekenntnishafter Aufrichtigkeit selbst das versteinertste Herz buchstäblich bricht! Das ist das gewisse Etwas, das Blues haben muss, damit er packt und greift. Das, was seine Essenz ausmacht, was seine Kraft und Unvergänglichkeit antreibt, auch wenn die Formen klar sind. Joes Handwerk ist erneut erstklassig und der Künstler ist in jedem Moment dieses Werks stets am richtigen Platz.
Das Album öffnet sehr scharf. Aufgebauscht. Das Gewicht der Gitarrenphrase tritt in den Vordergrund! Das ist der Titeltrack des Albums. Der gewinnt an Fahrt, wenn ihm das stürmische Trigger Finger folgt. Doch auf dem Album gibt es Momente, die die Atmosphäre umkehren. Die dramatische Wendungen herbeiführen. Und das ist die Grundlage für die außergewöhnlich dynamische Anziehungskraft des Werks. Da sind also Momente, die dunkler wirken. In ihnen destillieren sich die Gefühle und Leidenschaften von Joes Innenwelt reichlicher. Das sind Momente, die anspruchsvolleren Hörern sogar mehr inhaltliche Substanz zaubern werden. Wie erwähnt. Der meisterhafte langsame Blueser Broken Record, der im Hinblick auf Melancholie-Ertrag und Dramagehalt eine eigenartige Album-Delikatesse ist, sowie das ebenfalls bereits erwähnte Life After Dark – und dann gibt es noch eine weitere außergewöhnlich brillante atmosphärische Weichenstellung, die vor allem durch einen erstklassigen Refrain in die Höhe gehoben wird. Das ist der Track Shake This Ground.
Und dann ist da immer wieder auch das, weswegen du immer wieder zu Bonamassa zurückkehrst. Die Gitarrensoli. Natürlich hat er sich zu einem hervorragenden Sänger entwickelt, das muss man nicht mehr betonen. Für aufmerksame Hörer wird es eine interessante Wiederentdeckung sein, dass Bonamassa auch auf „Breakthrough“ eine ganze Reihe verschiedener Gitarren eingesetzt hat, mit denen er versucht, die Essenz der Ausdrucksnatur der einzelnen Tracks bloßzulegen. Natürlich bleibt die Fettigkeit der Gibson LP als Stütze der Klangdichte des Albums, doch Bonamassa bleibt auch gegenüber der Fender Stratocaster nicht gleichgültig – ganz zu schweigen vom vielfältigen Einsatz verschiedener Verstärker und Effekte. Auch das ist ein besonderer Reiz dieses Albums, der dem Werk von Track zu Track zusätzlichen Charme verleiht und die Einzigartigkeit des Charakters der „Joe Bonamassa“-Formel betont.
Mit „Breakthrough“ bleibt Bonamassa genau dort, wo er sein will. Und wo alle seine Follower, Neugierigen und unersättlichen Anhänger – also auch wir – sein wollen. Der Mann verbindet die rudimentäre Abrasivität des gewaltigen Erbes des Blues und übersetzt sie in ein zeitgemäßes Bild einer einzigartigen Mischung, die sich genremäßig überaus komplementär sowohl mit Hard Rock als auch mit Pop-Momenten anlehnt, wobei diesmal Folk-Finesse kaum vorhanden ist. Das ist einmal mehr genau das, was Joe Bonamassa auf einen besonderen Platz innerhalb des Genres stellt, dem er schon vor geraumer Zeit Aktualität eingehaucht und es ins Blickfeld der Massen zurückgebracht hat. Man kann sagen, dass es genau das ist, was Bonamassa an die Spitze der Hauptprotagonisten gesetzt hat, die als Botschafter einer neuen Generation den Blues in der Renaissance am Leben erhalten. Und die Geschichte geht weiter.
Autor: Aleš Podbrežnik
Trackliste:
1. Breakthrough
2. Trigger Finger
3. I’ll Take The Blame
4. Drive By The Exit Sign
5. Broken Record
6. Shake This Ground
7. Still Walking With Me
8. Life After Dark
9. You Don’t Own Me
10. Pain’s On Me
Besetzung:
Joe Bonamassa – Gesang, Gitarre & Slide-Gitarre
Reese Wynans – Keyboards
Josh Smith – Gitarre
Calvin Turner – Bassgitarre auf den Tracks Nr. 1 bis 4 und Nr. 6 bis 10
Stephen Mackay – Bassgitarre auf Track Nr. 5
Lamar Carter – Schlagzeug, Perkussion auf Nr. 1 bis 4 und Nr. 6 bis 10
Greg Morrow – Schlagzeug auf Track Nr. 5
Jade MacRae – Hintergrundgesang
Dannielle DeAndrea – Hintergrundgesang
