The Darkness: Dreams On Toast

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Label: Cooking Vinyl
Erscheinungsdatum: 28. 3. 2025
Produktion: Dan Hawkins
Albumlänge: 33:05 min
Genre: Rock’N’Roll / Hard Rock
Bewertung: 9.0/10


The Darkness haben eine ausgeprägte Vorliebe für knackige Albumtitel. Man denke nur an das Comeback-Album „Hot Cakes“ von 2012. Und mit ihrem achten Album bleiben sie unglaublich frisch und knusprig — für viele im Rock’n’Roll-Umfeld, die sich bestenfalls Butter aufs normale Brot schmieren können, sind sie schlicht echter, waschechter Toast.

Das Quartett ist de facto zu einer ziemlich undankbaren Tatsache verdammt. Jede Band trägt ihr Kreuz, und bei The Darkness ist das nicht anders. Alle The Darkness-Alben, die nach der Zeit des großen kommerziellen Erfolgs erschienen sind — den ihnen das Debüt „Permission To Land“ (2003) beschert und sein Nachfolger „One Way Ticket To Hell… and Back“ (2006) bestätigt hatte —, werden von einem Publikum, das alle Hits dieser beiden Meilensteine auswendig träumt, schlicht nicht mehr gekauft. Dabei steckt auf jedem der nachfolgenden Alben eine Handvoll Tracks, die geradezu für den immergrünen Hit-Status gemacht sind. Aber so läuft’s halt. Schon das zweite Album wäre kommerziell deutlich erfolgreicher gewesen, wenn es direkt nach dem Debüt erschienen wäre, also spätestens 2004. Doch genug der Konjunktive in diesem Text — denn das neue The Darkness-Album ist ein neues Werk jener brillanten Verbindung aus erstklassiger Rock-Rauflust und vergnüglichem Galgenhumor, der der Band auch im Jahr 2025 treu zur Seite steht!

Das neue Album „Dreams On Toast“ lässt etwas länger auf sich warten als der Vorgänger „Motorheart“, der vor drei Jahren erschien — aber irgendwie ist bei The Darkness alles zu spät, allen voran die Touren. Die Pandemie hat ganze Arbeit geleistet. Doch es ist ein hervorragendes Album geworden, ein echter Edelstein erstklassigen britischen Sarkasmus und Parodie. The Darkness greifen darin erneut in den Vorrat elementarer Rock’n’Roll-Phrasen und betreiben ein ausgesprochen geschicktes Recycling, bei dem diese zeitlosen Riffs wieder mit sofortiger Rauflust zünden. Als Witzmacher machen ihnen so schnell keiner was vor. Auch wenn Justin Hawkins diesen März seinen fünfzigsten Geburtstag gefeiert hat, sind seine Pläne in der neuen Zeit alles andere als auf Enkelbetreuung ausgerichtet. Davon zeugt der überragende Eröffnungs-Rock-Detonator Rock’N’Roll Party Cowboy, der unbedingt auf dem Konzertrepertoire der kommenden Touren seinen Platz finden muss.

Die Band bleibt der Inspiration durch das unsterbliche Wesen des Rock’n’Roll der Siebziger treu, was ihr eine brillante und einzigartige Mischung aus Kunstsinn beschert, die einen mal an Thin Lizzy erinnert, mal an AC/DC (Mortal Dread), und immer wieder ganz stark an Queen (besonders deutlich beim Country-Witz Hot On My Tail und/oder dem Kabarett-Stichler The Longest Kiss) — wobei die Sensibilität der Band für das Plasma musikalischer Ansteckung so mitreißend ist (und dabei gleichzeitig mit Verspieltheit durchtränkt), dass die Assoziationen dich glatt bis in die Ära des Bubblegum-Pop-Rocks katapultieren können.

The Darkness kommen auch diesmal auf den Punkt. Das neue Album dauert gerade mal 33 Minuten. Es bringt 10 ausgearbeitete Tracks, die keine einzige Sekunde Spielzeit verschwenden. Und das ist der Kern jedes Albums, dem man dann das Prädikat „gutes Album“ anhängen kann. Und The Darkness wissen das sehr genau. I Hate Myself wäre heute ein großer Hit, wenn er sich auf dem Debüt befunden hätte — also 22 Jahre früher. Er reitet auf einem abgewetzten Rock’n’Roll-Riff, ist aber verdammt geschickt neu verpackt und so serviert, dass er mit seiner Durchschlagskraft sofort umbringt. Dan Hawkins ist stellenweise extrem bissig und korrosiv mit seiner Rifferei (The Battle for Gadget Land), gleichzeitig ist das Album geschickt austariert — unter anderem durch anstößig-parodistische Ausflüge in Country/Honky-Tonk-Gewässer, wie es Cold Heart Woman belegt.

An Scharfsinn mangelt es der Band nicht — und dabei geht sie sehr rationell vor. Kein Verschwendungsgefühl, keine Vergeudung. Insofern lässt sich „Dreams On Toast“ als brillantes Rock’n’Roll-Schrapnell bezeichnen, das man mit Genuss auf Repeat dreht. Denn die Dinge sind darauf so nüchtern durchdacht, dass das Album einen die ganze Zeit nicht loslässt! Nach dem Ansturm grellwütiger Dezibel-Entladung bei Walking Through Fire, wo Justin vokalistisch wieder clever mit sich selbst spielt und grimassiert und damit den Kerngedanken des Debüts neu belebt, folgt als krönender Album-Abschluss die filmreife „Burleske“ Weekend In Rome. Unbedingt empfehlenswert ist es, das Album so zu hören, dass du auch den Texten folgst. Dann packt es dich richtig und überzeugt dich davon, wie einzigartig luzidem Geist Justin Hawkins ist — der auch in dieser Hinsicht die treibende Kraft der Band bleibt.

„Dreams On Toast“ ist ein neues phänomenales Werk der unverbesserlichen Rock’n’Roll-Clowns, vollgepackt mit eitlem Lausbubentum und allem, was ein Fan dieser Band sich nur wünschen kann. The Darkness bleiben potente, durchschlagskräftige und pointiert-kurzweilige Unterhalter — und im Vergleich mit vielen Rockbands, die sich mit weichen Brotkrümeln begnügen, sind sie das wahre Synonym für betonsoliden, knusprig getoasteten Rock’n’Roll-Toast!

Autor: Aleš Podbrežnik

Trackliste:
1. Rock’N’Roll Party Cowboy
2. I Hate Myself
3. Hot on My Tail
4. Mortal Dread
5. Don’t Need Sunshine
6. The Longest Kiss
7. The Battle for Gadget Land
8. Cold Hearted Woman
9. Walking Through Fire
10. Weekend In Rome

Besetzung:
Justin Hawkins – Leadgesang, Gitarre, Klavier
Dan Hawkins – Gitarre, Hintergrundgesang
Frankie Poullain – Bassgitarre, Hintergrundgesang
Rufus Tiger Taylor – Schlagzeug, Hintergrundgesang

Gastmusiker:
Stephen Dorff – Monolog auf Track Nr. 10


The Darkness – „Dreams On Toast“ (Cooking Vinyl, 2025)
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