Kamelot bei ihrer Ljubljana-Premiere und ein Abend symphonisch-metallischer Ekstase! (2024)

foto: ALEŠ PODBREŽNIK 2024
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Kamelot (Vorgruppen: Frozen Crown, Blackbriar, Ad Infinitum)
Samstag, 19. 10. 2024
Ljubljana / CUK Kino Šiška / Slowenien


Kamelot sind langjährige amerikanische symphonische Power-Metaller, die auf der internationalen Szene ein sehr gut etablierter Name sind und eigentlich eine der beliebtesten Bands, wenn die Debatte auf das Genre-Feld fällt, das sie vertreten. Die ultra-musikalische Eingängigkeit, durchdrungen von symphonischen Arrangements und Impulsen, die ins Progressive ziehen, sowie eine Reihe außergewöhnlich hochwertiger Alben zeugen von der großen künstlerischen Ästhetik, die diese Metal-Band auf ihren Thron gesetzt hat. Im vergangenen Jahr veröffentlichte die Band ihr 13. Studioalbum „The Awakening“ (RockLine Rezension) und brach zeitgleich mit dem Erscheinen des neuen Studioalbums, also Mitte März letzten Jahres, zur ersten Reihe neuer europäischer, man kann sagen lang ersehnter, Konzerte auf. Alle Termine lagen weit entfernt von Slowenien, und wieder konnten wir nur in die Röhre schauen. Und dennoch… Mitte Februar dieses Jahres enthüllte die Band die Termine einer weiteren Europatournee – und zwar mit einem Ljubljana-Datum. Ein echter Balsam für alle, die auf klassische Metal-Melodik mit ordentlichem, sprich ausgearbeitetem Vokalperformance setzen – mit möglichst wenig oder gar keinen halbtonig ‚verdrehten‘ und heruntergestimmten Manövern, die diese Musikalität auf der anderen Seite zerstören. Also: Wenn man auf Clubebene schon von all den Metal-Bands überschwemmt wird, die in den Sphären der extremsten Elemente dieses Genres agieren, ist die Ankunft von Kamelot (zumindest in diesem Jahr bislang) eines jener seltenen Konzerte, wenn nicht gar das einzige Ljubljaner Konzert, das sich klar an die Power-Metal-Fraktion richtet, so wie es im vergangenen Jahr das Konzert von Tarja war.

Auf das erste Kamelot-Konzert in Ljubljana haben wir also wirklich lange gewartet. Slowenien hat Kamelot allerdings schon einmal besucht. Es war der 10. 7. 2010, als sie im Rahmen des Tolminer Festivals Magic Circle auftraten und gemeinsam mit Virgin Steele und Arch Enemy das Publikum vor den Headlinern aufheizten – den amerikanischen unermüdlichen Kriegern Manowar. Ahhh,… Wo ist das schon wieder? Dann folgte noch ein weiteres Konzert, das sehr nah an Slowenien stattfand, genauer gesagt im Triester Dom pristaniških delavcev, wo Kamelot am 21. 11. 2013 spielten. Von damals bis heute haben wir also fast elf Jahre auf sie gewartet.

Und da sind sie. Im Paket mit drei Support-Bands, die sich genre-mäßig auf jeden Fall auf Kamelot beziehen, aber gleichzeitig jede auf ihre eigene Art und nach ihrem künstlerischen Kern interessant genug sind, um sie genauer unter die Lupe zu nehmen. Und natürlich auf Tournee! Vier Acts also! Ein kleines Mini-Festival! Deshalb begann das Geschehen schon um 18.00 Uhr, als die italienischen Power-Metaller Frozen Crown die Bühne erklommen. Die Band, die wie Kamelot und Ad Infinitum unter das Dach des österreichischen Labels Napalm Records fällt, ist momentan auf der Szene ziemlich heiß. Dazu trägt die Tatsache bei, dass das Sextett von gleich drei Frauen vertreten wird. Eine Sängerin und zwei Gitarristinnen, die sich – neben einem weiteren Gitarristen, Federico Mondelli – spielend auch Gitarrensoli zuwerfen. Frozen Crown sind eine sehr fleißige Band. 2017 in Mailand gegründet, haben sie bereits fünf Studioalben im Gepäck, was durchaus beneidenswert ist. Das neueste „War Hearts“ erschien genau einen Tag vor der Ankunft der Band in Ljubljana!

Frozen Crown vertreten die Sängerin Giada „Jade“ Etro, die gerade mal achtzehnjährige Gitarristin Alessia Lanzone, ihre Kollegin Fabiola Bellomo, Gitarrist und Bassist Francesco Zof, Schlagzeuger Niso Tomasini und der bereits erwähnte Federico Mondelli, der neben dem Gitarrenspiel auch die Keyboards übernimmt. Man musste sich auf jeden Fall näher am Mischpult aufhalten, wo der Sound des gut eine halbe Stunde dauernden Auftritts der Band absolut in Ordnung war. Sängerin Giada erwies sich als äußerst geschickte Frontfrau, die die Anwesenden mühelos anfeuerte. Interessant ist, dass Frozen Crown eine beachtliche Fangemeinde haben, und die Reaktionen des Publikums, das sich regelrecht vor die Bühne gedrängt hatte, waren während des Konzerts geradezu fanatisch. Es muss hinzugefügt werden, dass an diesem Abend zahlreiche Fans der auftretenden Bands aus Italien nach Ljubljana angereist waren, die einen beachtlichen Teil des Publikums ausmachten. Aus der Triester Ecke wurde beispielsweise sogar ein Bus organisiert. Genau diese hielten mit ihrem Enthusiasmus die ganze Zeit, während der Auftritte aller Bands, eine unglaublich ausgelassene Stimmung in der Luft, die durch diesen Konzert-Spektakel vor Freude und positiven Vibes überschäumte. Genau diese Stimmung übertrug sich auf das gesamte Publikum, und man spürte diese Einheit, wenn Herzen zu einem verschmelzen! Das ist dieser Moment, den nur Heavy Metal und ein Heavy-Metal-Konzert zaubern kann. Wunderschön, kann man sagen. Und Frozen Crown nutzten auf den Flügeln des Publikums souverän ihre zwar kurze Spielzeit. Man merkt, dass sie viel auftreten und schnell Erfahrungen und Kilometer sammeln.

Blackbriar – die nächsten auf dem Programm – sind eine niederländische Besetzung, die zwei Studioalben im Gepäck hat. Schützlinge des Labels Nuclear Blast Records. Das aktuelle Album „A Dark Euphony“ erschien im vergangenen Jahr. Die Band, die seit 2012 aktiv ist, hat außerdem eine schöne Sammlung an EPs im Gepäck, die vor den beiden Alben erschienen. Auch Blackbriar sind ein Sextett. Dabei sticht definitiv Sängerin Zora Cock hervor, die mit ihrem Sopran eine echte Sirene des Heavy Metal ist und eine Klangfarbe besitzt, die wiedererkennbar ist – ein großer Vorteil der Band. Zudem erreicht sie eine außergewöhnliche Stimmweite, mit der Zora mehrfach wirklich beeindruckte. Besonders beim vorletzten Stück Cicada, wo es an konkreten Vokalmanövern und Akrobatik nicht mangelte. Die Band, die ihrer Version des symphonischen Metals eine Gothic-Note verleiht, lieferte in zehn Stücken eine respektable Vorstellung – musste man sich dabei aber auch Blackbriar in der Mitte, näher am Mischpult anhören, wo sich die Klangverteilung aller Elemente am ehesten ins Gleichgewicht fügte. Das Besondere an der Band ist, dass sie eine ziemlich düstere Atmosphäre entwickelt, die aber voll epischer Bombastik ist. Der Band mangelt es nicht an außergewöhnlichem Engagement und bühnenmäßigem Biss, womit sie auch beim Auftritt in Ljubljana imponierte.

Ad Infinitum sind eine Schweizer symphonische Power-Metal-Band, die sich um die zentrale Figur – Sängerin Melissa Bonny – vereint. Ursprünglich als Soloprojekt gedacht, das Melissa 2018 ins Leben rief, hat es sich nach und nach zu einer echten Band entwickelt und bis zu diesem Tag bereits vier Alben veröffentlicht. Ad Infinitum haben am 11. 10. 2024 ihr neuestes Album „Abyss“ veröffentlicht. Melissa hat in relativ kurzer Zeit außergewöhnliche Bekanntheit erlangt und teilte sich als besonderer Gast die Bühne mit zahlreichen prominenten Künstlern. Sie ist also sehr gefragt. Daher sei gleich hinzugefügt, dass der Auftritt mit Ad Infinitum für sie ein kürzeres Warm-up war, denn danach schloss sie sich als zusätzliche (Begleit-)Vokalistin dem gesamten Kamelot-Konzert an. Der symphonische Power Metal, der den Kern der künstlerischen Haltung der Band bildet, wird stellenweise sehr modern präsentiert, was das Interesse derer wecken kann, die zum Beispiel Within Temptation oder Evanescence verfolgen – charakteristisch ist aber auch, dass Melissa von drei erstklassigen musikalischen ‚Könnern‘ umgeben ist, die der Entwicklung der Songs in einem Atemzug ausgeprägten ‚Drive‘ und auch ‚Groove‘ verleihen. Neben dem vielfältigen Vokalexposé von Melissa, die auch beim Kombinieren von Growling nicht spart, machte das Quartett klar, dass es sich um einen aufregenden musikalischen Sonderling handelt – der alle Aufmerksamkeit verdient. Kompakt, eingespielt, souverän und mit voller Kraft. Melissa nutzte die Bühnenweite hervorragend und hielt mit ihrer Ausstrahlung und einer dynamischen Vorstellung das Publikum die ganze Zeit fest an ihrer Seite. Der Auftritt drehte sich bei einer solchen Sogwirkung deshalb im Nu ab, und Ad Infinitum hinterließen einen außerordentlichen Eindruck und rechtfertigten unter allen drei Vorgruppen die Rolle des Hauptfavoriten.

Kamelot aber sind natürlich Kamelot! Die Kino Šiška war an diesem Abend rappelvoll. Es blieben zwar noch einige Karten übrig, aber man kann sagen, dass das Konzert kurz vor ausverkauft war. Und tatsächlich bestätigte sich das, was wir eingangs angedeutet hatten. Dass Europa Kamelot nicht vergessen hat, auf die man eine ganze Weile warten musste, bis sie zu uns zurückkehrten. Die Euphorie war außergewöhnlich, und dort in der Mitte, vom Mischpult abwärts bis ganz nach links und rechts Richtung Bühne, begleitete das Publikum den Auftritt tosend und sang die Verse geschlossen mit Tommy Karevik mit, für den „The Awakening“ das vierte Kamelot-Album ist, seit er 2011 zur Band stieß. Tommy haben wir im November 2022 auf seiner Abschiedstournee mit den schwedischen Prog-Metallern Seventh Wonder erwischt. Die Band machte im italienischen Prosek Station, und dieses Konzert wird uns in besonderer Erinnerung bleiben. Die Band war nämlich an jenem Tag ohne Ausrüstung, als sie am Veranstaltungsort ankam, da das Luftfrachtgut erheblich verspätet war. Deshalb spielten sie eine kürzere akustische Show.

Das gesamte Konzert begleiteten Salven von Nebelwänden. Die Band lieferte eine Spitzenvorstellung, in der sowohl die dargebotene als auch die klangliche Perfektion regierten. Karevik bewies neben einer hervorragenden Vokalperformance, die Bonny malerisch ergänzte, dass er sich auch zu einem ausgezeichneten Bühnendarsteller entwickelt hat, und rechtfertigte einmal mehr seine Nachfolge in der Band nach dem Abgang seines Vorgängers Roy Khan. Im Stil echter Frontmänner, die im Einklang mit den Botschaften der Texte die Entwicklung eines echten Drama-Theaters auf die Bühne bringen. Die Kulissen griffen natürlich die Botschaft des Albums „The Awakening“ auf. Auf dem Podest rechts der ausgezeichnete neue Schlagzeuger Alex Landenburg, den viele aus den Reihen der melodischen Death-Metal-Formation Cyhra kennen, auf der linken Seite der treue Keyboarder der Band Oliver Palotai, seinerseits Partner der Epica-Sängerin Simone Simons, die wir mit Epica am 13. 7. 2024 in Opatija erwischt haben. Vorne war mit Abstand der aktivste Performer Bassist Sean Tibbets, die Band hatte vor der Bühne zwei Podeste ergänzt, die bis in die vorderen Reihen (bis zur Absperrung) reichten und so eine intensive Kommunikation mit ihren auf die eine oder andere Weise ordentlich aufgeheizten und angefeuerten Anhängern entwickelten. Die Energie war wirklich wunderschön. Einzigartig. Besonders der Anführer der Band, Gitarrist Thomas Youngblood, und Tibbets feuerten das Publikum mit Gesten ständig an.

Tatsächlich fehlte nur eine Sache – und auch das ist irgendwie eine Kleinigkeit. Die milde Stiefmütterlichkeit der Band gegenüber ihren ersten vier Studioalben, mit denen sie Pionierarbeit leistete und sich unter die sichtbarsten Akteure ihres Genres vorarbeitete und aus denen Kamelot kein einziges Stück spielten – ansonsten in allem und mit einem Wort: phänomenal! Auf ein noch höheres Niveau hob das Geschehen der „The Black Halo“ (2005)-Klassiker – der rasende Stampede When the Lights Are Down, und die Band hielt diese Intensität sozusagen mit spielerischer Leichtigkeit auch im weiteren Verlauf des Konzerts aufrecht! Die Hingabe der Fans ist unglaublich, und wenn du eine solche Begleitung von rund 750 Köpfen an deiner Seite hast, kann kaum etwas schiefgehen. Die Minuten vergingen diesmal wie Sekunden! Nach dem Schlagzeug-Solo hob March of Mephisto aus dem Klassiker „The Black Halo“ das Publikum erneut in die Höhe, und das nächste – die ‚Hymne der Kamelot-Hymnen‘ Forever aus dem Klassiker „Karma“ (2001) – kündigte an, dass sich dieses triumphale Konzert langsam in das finale Crescendo verwandelt. Dann noch das vierte Stück des Albums „The Awakening“, als der theatralische Karevik mit einer Flagge auf der Bühne erscheint! Es war One More Flag In The Ground, bekannt für seinen unglaublich pompösen Refrain, in den wieder fast die gesamte Halle einstimmte.

Vom älteren Material gab es noch zwei „Ghost Opera“ (2007)-Stücke – Rule the World und The Human Stain sowie die Titelnummer aus dem Klassiker „Karma“ – ansonsten aber überließ die Band im Repertoire die Initiative den Alben der späteren Ära, die sie mit Karevik am Mikrofon aufgenommen hat, wobei das aktuelle – „The Awakening“ – erwartungsgemäß die meiste Aufmerksamkeit erhielt. Die CUK Kino Šiška platzte aus allen Nähten vor lauter epischer Melodik und Bombastik!

Kamelot überzeugten mit Perfektion und Kompaktheit. Das war zu erwarten. Was erwartet? Schlicht gefordert. Abgeliefert ohne Fehler und auf höchstem Niveau! Und ihr erstes Konzert in Ljubljana brachte tatsächlich eine Reihe exklusiver Momente mit sich, die man nicht verpassen durfte. Wenn ein Konzert so schnell vergeht, ist das nur ein Beweis dafür, dass es ausgezeichnet gewesen sein muss. Wenn man dazu noch die Beiträge aller drei Bands zählt, die uns vor der Ankunft von Kamelot aufwärmten und allesamt ihre Rolle und Position rechtfertigten, kommt man zu dem Schluss, dass es sehr wahrscheinlich nicht besser geht!

Kamelot hinterließen also mit der abschließenden Detonation des Stücks Liar Liar (Wasteland Monarchy) einen außergewöhnlichen Eindruck. Der Countdown zum nächsten Wiedersehen mit ihnen begann also sofort, als ‚der Vorhang fiel‘ und die Band die Bühne verließ!

Autor: Edita Klemen & Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Frozen Crown Setliste:
1. Neverending
2. Call of the North
3. Kings
4. Steel and Gold
5. Far Beyond
6. I Am the Tyrant

Blackbriar Setliste:
1. Mortal Remains
2. Crimson Faces
3. Spirit of Forgetfulness
4. I’d Rather Burn
5. Arms of the Ocean
6. Selkie
7. Deadly Diminuendo
8. Far Distant Land
9. Cicada
10. Until Eternity

Ad Infinitum Setliste:
1. Follow Me Down
2. Aftermath
3. Upside Down
4. Anthem for the Broken
5. Outer Space
6. Surrender
7. Animals
8. The One You’ll Hold On To
9. My Halo
10. Unstoppable

Kamelot Setliste:
1. Veil of Elysium
2. Rule the World
3. Opus of the Night (Ghost Requiem)
4. Insomnia
5. When the Lights Are Down
6. Vespertine (My Crimson Bride)
7. New Babylon
8. Karma
9. Sacrimony (Angel of Afterlife)
10. Willow
11. The Human Stain
12. Drum Solo
13. March of Mephisto
14. Forever
15. One More Flag in the Ground
16. Liar Liar (Wasteland Monarchy)


2 Comments
  1. Igor says

    Odličen koncert Kamelot, res so naoljena mašina. Ampak sem danes mal posnetke gledal, kako je bobnar goljufal pr dvojnih bas bobnih v komadu Vespertine… Žalostno.

  2. Poba says

    Tommy je res fantastičen vokalist. Škoda, da se je odločil zapustiti Seventh Wonder – vprašanje če se bo ta bend sploh lahko še pobral.
    Mi je pa kolega pred leti postregel z nekimi insiderskimi informacijami okol Kamelot koncertov, ki…. hehe, se mdr. kar dobro navezujejo tudi na tvojo opazko 😀

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