HammerFall: Renegade 2.0

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Label: Nuclear Blast Records
Datum der Neuauflage: 12. 11. 2021
Produktion: Fredrik Nordström
Albumlänge: 47.15 min
Genre: Power Metal
Bewertung: 8.5/10


Im letzten November hat das deutsche Label Nuclear Blast Records dafür gesorgt, das dritte Studioalbum der schwedischen Power-Metal-Ikonen HammerFall unter dem bekannten Namen »Renegade« neu zu beleben. Das dritte Studioalbum der Band erschien im Jahr 2000, und da satte 20 Jahre ins Land gegangen waren, schien eine Neuauflage schon allein deshalb mehr als angebracht. Diesmal handelt es sich allerdings nicht um eine klassische Neuauflage im herkömmlichen Sinne. Der erweiterte Titel »Renegade 2.0« ist dabei absolut passend, denn das Album hat für diesen Anlass eine handfeste klangliche Reformation erfahren. Sagen wir mal so: Nach dieser klanglichen ‚Verjüngung‘ – oder nennen wir es lieber Auffrischung – klingt es heute ungefähr so, wie es sich die große Mehrheit der damaligen Power-Metal-Fans im Jahr 2000, also zum Zeitpunkt der Originalveröffentlichung, erhofft hatte. Die klangliche Transformation gegenüber dem Original ist so offensichtlich und unmittelbar spürbar, dass es sinnvoll erschien, »Renegade 2.0« auch ein neues Cover zu verpassen.

Als die Band daran ging, »Renegade« aufzunehmen, wollte sie kommerziell auf allen Kontinenten der Welt durchstarten. »Legacy Of Kings« (1998) hatte ihnen enorme Popularität und Bekanntheit eingebracht! Power Metal genoss zu dieser Zeit außerordentliche Unterstützung seitens der Labels und brachte mit seiner Revitalisierung eine Art Renaissance melodischer Ansätze im Heavy Metal mit sich. Er brachte das Comeback einiger klassischer Bands, die sich durch die Neunziger verdrängt und vergessen dahingeschleppt hatten – im Schatten des etablierten Thrash Metal sowie des aufsteigenden Death Metal und Black Metal, weil sie sich der Ära der neuen Subgenre-Extreme weder anpassen konnten noch wollten. Power Metal rückte wieder den ’normalen‘ Gesang ins Zentrum. Klare, autoritative Vocals mit hohem musikalischen Niveau – und lenkte damit für eine Weile den Fokus der Masse um, die sich bis dahin schon vollständig ans Gegröle gewöhnt hatte. Ihre abgetragenen alten Lederjacken und ausgewaschenen Jeans zogen damals auch jene wieder an, die ihre Teenager-Jahre in den Achtzigern verbracht hatten. Man kann sagen, dass HammerFall in jenen Zeiten die Hauptmatadore dieser Renaissance klassischer Heavy-Metal-Elemente waren, von denen ihr Power Metal nur so strotzte.

Nun, HammerFall gingen im Jahr 2000 in ihren Ambitionen nur ein Stück weiter, als zu erwarten oder von der Band gefordert war. Als Produzenten des dritten Albums wählten sie nämlich den legendären Michael Wagener, der mit seinem Produktionsansatz maßgeblich mitverantwortlich für den Erfolg einiger Bands in den Achtzigern war, besonders im Glam-Metal-Bereich, da er u. a. den Sound von Motley Crue, Skid Row, Warrant, White Lion, Great White und Dokken formte. Gitarrist und Bandkopf Oscar Dronjak gab in einem damaligen Interview zu, dass die Band mit »Renegade« nach größerem kommerziellen Erfolg greifen wollte, deutete jedoch an, dass die nachfolgenden Alben diesem Klangbild nicht folgen würden. Tatsächlich klingt Renegade etwas weicher, was aber nicht bedeutet, dass es an Vorzüglichkeit in der Klangdetaillierung durch den alten Fuchs Wagener mangelt. Ja. Die Konturen der Produktionsmanöver der Achtziger sind vor allem in der stärkeren Fokussierung auf den Vocal-Sound spürbar. Der Gesang trägt ein ausgeprägtes ‚Echo‘, begleitet von Vokalharmonien, steht er durchgehend klar im Mittelpunkt. Die Gitarren-Phrasen blieben im Mix etwas zurückgesetzt. Das Album klingt eher ‚hell‘.

Nun, »Renegade 2.0« bringt also das, worauf bereits der erste Absatz dieser Rezension hindeutet. Und an wen wandten sich HammerFall? Naja, an den Mann, der ihnen im Grunde den Sound und das Power-Metal-Erscheinungsbild aufgebaut hat. Das ist Fredrik Nordström. Dieser hat im neuen Mix das Knirschen aller Gitarren-Phrasen auf dem Album konkret geschärft, die im neuen Klangbild deutlich angehoben wurden, und dabei die ausgeprägte Pompösität des Albums beibehalten. Die Phrasen wirken sogar klarer als im Original. Und mehr noch. Die Kontraste der Klangbildelemente sind intensiviert und, wie gesagt: »Renegade 2.0« trägt den echten, aufgerauten und aufgeborstenen Power-Metal-Charakter, der von den Fans der Band schon vor mehr als zwanzig Jahren erwartet wurde. Es wirkt auch düsterer und bedrohlicher. Dazu kommt die Weiterentwicklung der Studio-Logistik, und das Ergebnis ist bei der Zielerreichung umso wirkungsvoller. Die Band behielt Fredrik auch für ihr neuestes Studioalbum »Hammer Of Dawn« (RockLine Rezension), das Ende dieses Februars erschien, was sich als äußerst kluge Entscheidung erwiesen hat.

Das Album brachte der Band in Schweden eine Goldzertifizierung ein und erreichte als drittes Studioalbum deutlich höhere Chartpositionen als sein Vorgänger. Auch wenn die ersten beiden Alben heute als Werke gelten, die in der Plattensammlung jedes rechtgläubigen Heavy-Metal-Fanatikers stehen müssen, bot »Renegade« bei seinem Erscheinen dennoch einige unvergessliche Riffs und Melodien, die bis heute das eiserne Konzertrepertoire der Band definieren und dauerhaft unter der Haut und im Blut echter Power-Metal-Liebhaber verankert sind. Diese Songs, die im Laufe der Zeit zu Klassikern der Band herangereift sind, sind gewiss die Momente des höchsten Ertrags bei der Verbindung von Bombastik und dramatischem Theater erstklassiger Refrainmelodien mit der Magie der Durchschlagskraft prägnant gesetzter Gitarren-Phrasen. Dazu zählen gleich das eröffnende Templars Of Steel, dann der Titeltrack, weiterhin The Way Of The Warrior mit seiner erstklassigen Refrainmelodie, das etwas übersehene Keep The Flame Burning, Destined For Glory, das romantische Champion sowie die abschließende Hymne A Legend Reborn. Dazu kommt die faszinierende Ballade Always Will Be, neben dem Titeltrack als Single veröffentlicht, die das Niveau der Titelballade des Debütalbums erreicht, auch wenn sie beim Hörer nicht mehr ganz dieselbe Begeisterung entfacht. Vielleicht deutete die Entscheidung der Band, mit Raise the Hammer auch ein Instrumental ins Album aufzunehmen, auf ein leichtes Ideendefizit im Vergleich zu den Vorgängeralben hin, auch wenn dieser Song für sich genommen einwandfrei funktioniert. Der Band gefiel dieser Song so gut, dass sie ihn noch bei den Konzerten in den Jahren 2002 und 2003 in der Setlist behielt, als sie bereits das Album »Crimson Thunder« präsentierte. Auf der Tour zur Unterstützung des Albums »Renegade« spielten HammerFall u. a. auch A Legend Reborn und Keep The Flame Burning.

»Renegade« begeisterte also nicht mehr ganz so wie die Vorgängeralben der Band, obwohl es neben den Klassikern Renegade, The Way Of The Warrior, Templars Of Steel und Always Will Be einige übersehene Songs besitzt, die ebenfalls phänomenal zünden – weshalb die Band damit auch in künftigen Konzertrepertoires jederzeit überraschen kann. Die Frage ist nur, wie viel Spielraum angesichts des außergewöhnlichen musikalischen Opus und der Fülle obligatorischer Klassiker, die fester Bestandteil des eisernen Repertoires der Band sein müssen, überhaupt zulässig ist. Das aufgefrischte Klangbild verleiht dem Album einen deutlich anderen wahrnehmbaren Charakter. Die Version »Renegade 2.0« wird vor allem jene begeistern, die schon im Jahr 2000 einen Sound nach dem Vorbild des Vorgängers »Legacy of Kings« erwartet hatten. Auf irgendeine Art zündet es auch nostalgisch. Lebhaft ist noch die Erinnerung an Graz am 2. 2. 2001 und Salzburg am 3. 2. 2001, als wir slowenischen Metaller alle zu den HammerFall-Konzerten hingepilgert sind (mit den damaligen Vorgruppen Virgin Steele und Freedom Call).

Es lohnt sich anzumerken, dass das CD-Format beide Versionen des Albums bietet. Die originale, von Wagener produzierte, und die neue. Das CD-Format der Neuauflage enthält auch sechs Bonus-Songs, die auf die CD mit dem Originalalbum aufgenommen wurden, sowie die DVD »The Templar Renegade Crusade« mit Videos von Konzertauftritten aus verschiedenen Spielorten weltweit, die die Band während ihrer Promotour für das Album besuchte. Neben dem neuen Cover begleitet dieses ‚Sandwich‘ aus drei CDs auch ein luxuriöses Booklet mit 68 Seiten.

Autor: Aleš Podbrežnik


Trackliste (2CD/DVD-Format):
CD1 (remixed album):
01. Templars Of Steel
02. Keep The Flame Burning
03. Renegade
04. Living In Victory
05. Always Will Be
06. The Way Of The Warrior
07. Destined For Glory
08. The Champion
09. Raise The Hammer
10. A Legend Reborn

CD2 (original album):
01. Templars Of Steel
02. Keep The Flame Burning
03. Renegade
04. Living In Victory
05. Always Will Be
06. The Way Of The Warrior
07. Destined For Glory
08. The Champion
09. Raise The Hammer
10. A Legend Reborn
11. Run With The Devil (Bonus-Track)
12. Head Over Heels (Bonus-Track)
13. Templars Of Steel (Bonus-Track)
14. Let The Hammer Fall (Bonus-Track)
15. Renegade (Bonus-Track)
16. Hammerfall (Bonus-Track)

DVD (The Templars Renegade Crusade):
01. Intro
02. I Want Out (Video Montage from Hansen Studios)
03. Unchained (Live in Switzerland)
04. Legacy of Kings (Live in U.S.A.)
05. Remember Yesterday (Live in Japan)
06. Warriors Of Faith (Live in Chile)
07. Let The Hammer Fall (Live in Sweden)
08. I Believe (Live in Sweden)
09. Breaking The Law (Video Montage)
10. WireWorld Studios (The Making of „Renegade“)
11. Renegade (Video Clip)
12. Renegade Album Launch
13. Always Will Be (Video Clip)
14. Raise The Hammer (Live in Switzerland)
15. Stronger Than All (Live in Chile)
16. The Renegade World Crusade:
Templars Of Steel (Live in Germany)
Let The Hammer Fall (Live in Germany)
Renegade (Live in Germany)
HammerFall (Live in Germany)
17. Heeding The Call (Live in Sweden, Acoustic Version)
18. Gold Album Party
19. A Legend Reborn
(Video Montage)
20. Outro

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