Robin McAuley: Standing On The Edge

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Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 14. 5. 2021
Produktion: Alessandro Del Vecchio
Albumlänge: 44.39 min
Genre: Hard Rock
Bewertung: 8.5/10


Robin McAuley, der geschätzte schottische Hard-Rock-Vokalist, der zuletzt mit seinen Beiträgen zu den Projekten Michael Schenker Fest und Black Swan wieder auf sich aufmerksam gemacht hat und dafür bekannt ist, in der Vergangenheit einige hervorragende Alben mit Schenker unter dem Namen McAuley Schenker Group aufgenommen zu haben, hat sich nach 22 Jahren wieder „an den Rand gewagt“ und sein zweites Soloalbum unter dem Titel »Standing On The Edge« veröffentlicht.

McAuleys musikalische Aktivitäten sind freilich breiter gefächert, als es der Einstiegsabsatz dieses – hoffentlich möglichst kurzen – Rezensionsessays vermuten lässt. Daher überraschen einige angenehme Highlights auf dem neuen Album kaum, etwa die Mitwirkung von McAuleys ehemaligem Grand Prix-Kumpel und Keyboarder Phil Lanzon, der seit 35 Jahren bei den Rock-Ikonen Uriah Heep spielt. Lanzon ist Mitautor des Songs Like A Ghost. Die Hammond-Akzente lassen sich schlicht nicht überhören und nicht übersehen. Lanzon wird nicht als Gastmusiker genannt, und es ist schwer vorstellbar, dass Del Vecchio ihn in den Hammond-Linien so überzeugend kopiert haben soll – ausschließen lässt sich das allerdings nicht. Auch wenn also ohne den Hausprodu­zenten von Frontiers Music Srl., Alessandro Del Vecchio, wieder einmal gar nichts passiert wäre, lohnt es sich, noch einige weitere Interessantes rund um die Entstehung dieses Albums zu erwähnen. Mitautor des Songs Supposed To Do Now ist Gitarrist Howard Leese (Bad Company, Heart), der auf diesem Track auch das Gitarrensolo eingespielt hat. Für die Songs Do You Remember und Chosen Few hat der schwedische Musiksöldner Tommy Denander seine Komponierkünste eingebracht. Der Löwenanteil lag aber in den Händen von Del Vecchio und seiner Truppe italienischer Musiker. Del Vecchio hat alle wesentlichen Elemente – allen voran Produktion, Arrangement und Ausführung – beigesteuert, damit dieses McAuley-Album überhaupt das Licht der Welt erblicken konnte.

Und es muss nicht mehr extra betont werden, dass Del Vecchio mit allen Wassern gewaschen und unglaublich anpassungsfähig ist, sobald er vom neapolitanischen Label den Auftrag bekommt, etwas nachzuschöpfen. Er ist schlicht ein unglaublicher Nachahmer. Besonders wenn man bedenkt, dass auf seinen Schultern ständig ein Berg an Projekten lastet, die er gleichzeitig produziert, arrangiert und komponiert, während er nebenbei noch bei Hardline aktiv ist. Es liegt auf der Hand, dass Frontiers Music Srl. ohne Del Vecchio an Bord im Nu untergehen würde. Dabei ist es erstaunlich, dass Del Vecchio durchgehend eine unglaubliche Form hält, auf der die Qualität von fast allem beruht, was aus seinen Händen kommt. Und das gilt auch für dieses McAuley-Album. Auch wenn diesmal McAuleys Weggefährte vom Debüt, also Frankie Sullivan, fehlt – der McAuley übrigens später sogar zu Survivor einlud, auch wenn sie danach kein weiteres Album mehr zustande brachten –, ist Del Vecchio schlicht unglaublich. Unglaublich darin, dass das Album »Standing On the Edge« qualitativ in keiner Weise hinter McAuleys Debüt »Bussiness As Usual« (1999) zurückbleibt, an dem besagter Sullivan maßgeblich beteiligt war. Nur dass beide in völlig anderen Zeiten entstanden sind. Stellenweise gelingt es Del Vecchio äußerst überzeugend, den Songs einen Hauch des AOR-West-Coast-Sounds der Achtziger einzuhauchen (das heitere und optimistische Wanna Take A Ride). Manche Phrasen sind sogar mit Elementen aus McAuleys MSG-Zeiten vergleichbar. So zum Beispiel Supposed To Do Now, bei dem Howard Leese seine kompositorischen Fäden mitgesponnen hat.

McAuleys Stimmform bleibt für einen Mann mit stolzen 68 Lenzen messerscharf und auf dem Sprung. Der Vokalist bewahrt seine gesamte unverwechselbare Ausstrahlung und Durchschlagskraft, die schon seine Interpretationen in viel, viel jüngeren Jahren ausgezeichnet hat. McAuley hat keinen Funken seines einstigen Feuers und Glanzes eingebüßt. Das belegt eindrucksvoll auch das letztjährige Black Swan-Debüt sowie beide Beiträge auf den zuletzt aufgenommenen und veröffentlichten Alben unter dem Banner Michael Schenker Fest. Die Songs entfalten jedenfalls eine enorm geschmeidige Abwechslung und Farbigkeit. Es sind zehn an der Zahl, und sie sprechen die Vernunft an. Kein Platz wird verschwendet, keine Zeit. Dabei kommt auf dem Album angenehme knappe Dreiviertelstunde Musik zusammen. Ob ruhige und balladenhafte Momente (Run Away, Late December) oder aufgedrehte und (mitunter äußerst) zugespitzte Nummern (Running Out Of Time) – an erstklassigem Spiel mangelt es nicht. Del Vecchio und die übrigen italienischen Legionäre haben McAuley dieses Album mit großem handwerklichem und ideenreichem Geschick aus dem Boden gestampft.

Ein erstklassiges Hard-Rock-Album, auf dem McAuleys vokale Ausstrahlung funkelt und strahlt und die darstellerische Kapazität optimiert aufrechterhält, mit der uns dieser Musiker schon immer verwöhnt und begeistert hat. »Standing on the Edge« ist ein verdammt gutes Hard-Rock-Album, das nicht aufhört zu begeistern. In keinem einzigen Moment. Fehlschüsse gibt es schlicht keine, und McAuley kann ausgesprochen stolz darauf sein.

Autor: Aleš Podbrežnik


Trackliste:
1.  Thy Will Be Done
2.  Standing On The Edge
3.  Late December
4.  Do You Remember
5.  Say Goodbye
6.  Chosen Few
7.  Run Away
8.  Supposed To Do Now
9.  Wanna Take A Ride
10. Like A Ghost
11. Running Out Of Time

Besetzung:
Robin McAuley – Gesang
Andrea Seveso – Gitarre
Alessandro Del Vecchio – Bassgitarre, Keyboards, Hintergrundgesang
Nicholas Papapicco – Schlagzeug
Howard Leese – Gitarre auf Track Nr. 8

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