Downes Braide Association: Halcyon Hymns
Label: Cherry Red Records
Veröffentlichungsdatum: 5. 2. 2021 (digitales Format) / 26. 3. 2021 (Vinyl, CD/DVD-Format)
Produktion: Chris Braide
Albumlänge: 63.30 min
Genre: Art Rock / Art Pop
Bewertung: 8.5/10
Downes Braide Association ist ein Duo aus dem legendären Keyboarder Geoff Downes (Yes, Asia, Wetton/Downes Icon, The Buggles) und dem Sänger und Produzenten Chris Braide, das bereits 2012 gegründet wurde. Letzterer ist neben seiner erfahrenen Rolle als Produzent auch ein äußerst geschickter Komponist. In der Filmindustrie aktiv, hat er darüber hinaus Pop-Acts wie u. a. Sia, Lana Del Ray, David Guetta, Marc Almond (Soft Cell), Beyonce und sogar Britney Spears neben seiner Produzenten-Arbeit auch als Songwriter unterstützt. Downes, dem Popmusik keineswegs fremd ist, ist in der Welt des Rock ’n‘ Roll allerdings der bekanntere Name. Doch verbindet beide eine Gemeinsamkeit: Beide haben mit Trevor Horn zusammengearbeitet – Downes in The Buggles, die Yes später in ihre Reihen aufnahm, Braide in der Gruppe The Producers.
»Halcyon Hymns« ist das vierte Album der Downes Braide Association. Es ist eine interessante Kombination aus dem unverwechselbaren Stil und den Ausdrucksformen von Geoff Downes und den weichklingenden, kompositorisch-produktionstechnischen Ansätzen des hochtalentierten Chris Braide – eine Kombination also, die eine ansprechende und eigenständige musikalische Geschichte garantiert. Während alle drei Vorgängeralben stärker auf die Verwendung elektronischer Figuren beim Aufbau der Kompositionen setzten – wobei es kaum verwundert, dass Downes mit seinen Keyboards dabei oft im Mittelpunkt des Geschehens stand –, stellt »Halcyon Hymns« eine Abkehr hin zur Reihung organischer Klangtöne dar, was bedeutet, dass Gitarre und eine klar definierte organische Rhythmussektion in die Geschichte eintreten.
Der Kompositionsstil ist nach wie vor stark auf das Terrain der Popmusik ausgerichtet, spricht dabei aber zugleich eigenständig und vielschichtig an. In dieser Hinsicht lässt er sich am ehesten als Art Rock bezeichnen. Wer meint, hier könnte etwas klassisch Symphonisch-Progressives zünden, steht diesmal auf dünnem Eis. Ansätze für ein solches Abenteuer sind durchaus vorhanden (der Schlussteil von King of the Sunset), doch halten sich Braide und Downes stets an eine musikalisch klar vorgezeichnete Songstruktur mit Strophen und Refrains.
Das Album ist mit einer Fülle an Finessen und Details äußerst geschickt gewürzt, wobei auch Downes‘ beliebter Vocoder nicht fehlt. Es ist allerdings eine Spur zu lang. Gerade angesichts des künstlerisch äußerst starken, ausgereiften und konzeptionell kohärenten dynamischen ersten Teils – mit der exzellenten Eröffnung Love Among The Ruins – schließt das sehnsuchtsvolle Warm Summer Sun das Album ab. Das Album kommt auf eine gute Stunde Spielzeit, doch beginnt das Zuhören im letzten Drittel zu ermüden, wenn ruhige Momente den Fokus übernehmen, die inhaltlich nicht mehr viel Neues zu sagen haben. Ebenso erschließt sich einem kaum, warum der Track Remembrance ganze elf Minuten lang sein muss, die auf der Wiederholung von drei Tönen basieren. Daran ändern auch die eingebetteten Erzählungen von Barney Ashton Bullock nichts – das Zuhören bleibt mühsam. So erweist sich auf einem solchen Album die Integration rockiger Manöver, wie etwa im ruhigen Today, als äußerst willkommener Zug – dafür sorgen die Gitarrenkünste des exzellenten Dave Bainbridge (Iona), der seit 2015 den legendären The Strawbs zur Seite steht.
Das Album besitzt eine ausgeprägte atmosphärische Note, beschwört wirkungsvoll Mystik herauf – da sind Berührungen von Feierlichkeit und Melancholie. In dieser Hinsicht spricht das Album sehr „britisch“ an – klassisch britisch (die Siebziger und aufwärts) –, doch mit einer äußerst polierten, farbenfrohen, weiträumigen und warmen Produktion, in der der phänomenale, gelegentlich beinahe engelhafte Gesang von Chris Braide die Führung übernimmt. Downes, der in der Musikbranche schon alles erlebt hat, fasziniert einmal mehr durch seine Flexibilität und sein hervorragendes ideenreiches Anpassungsvermögen – was den Einsatz klanglicher Pastellfarben angeht.
Auf dem Album sind als Duettpartner von Braide der legendäre Marc Almond (Soft Cell) und Big Big Train-Sänger David Longdon zu hören. Letzterer war bereits auf dem vorangegangenen Downes Braide Association-Album „Skyscraper Souls“ (2017) dabei und steuert diesmal seinen Gesang auf dem Track King of the Sunset bei, während Almond in Warm Summer Sun Braide die Gefälligkeit zurückgibt – für dessen Beitrag zu seiner Solo-Karriere.
Kurzum: Ein sehr hochwertiges Album, das im Vergleich zu den drei Vorgängeralben einen willkommenen Schwenk hin zur Wärme einer organischen und klassisch angelegten Produktionsästhetik vollzieht, sich dabei aber nach wie vor sehr klar in den Gefügen des (Art-)Pop bewegt. In diesem musikalischen Umfeld bringt der Einsatz rockiger Gitarrensounds die dringend nötige Abwechslung in das ehrgeizig skizzierte neue Kapitel des Duos Downes und Braide, das vielleicht sogar eine Nuance zu bombastisch geraten ist. Eines ist jedoch klar: In jedem Moment des Albums dominiert die durchweg hohe Qualität des musikalischen Perfektionismus einer gegossenen Symbiose zweier großer Musikmeister. Daher lässt sich in vollen Zügen das äußerst reife künstlerische Wesen der feinsinnigen Vereinigung zahlreicher Klangcollagen zu einer bildhaften Landschaft eklektischer Natur genießen.
Autor: Aleš Podbrežnik
Trackliste:
1. Love Among the Ruins
2. King of The Sunset
3. Your Heart Will Find the Way
4. Holding the Heavens
5. Beachcombers
6. Warm Summer Sun
7. Today
8. Hymn to Darkness
9. She’ll Be Riding Horses
10. Late Summer
11. Remembrance
12. Epilogue
Besetzung:
Geoff Downes – Keyboards
Chris Braide – Gesang, Gitarre, Keyboards
Gastmusiker:
Ash Soen – Schlagzeug
Andy Hodge – Bassgitarre
Dave Bainbridge – Gitarre
David Longdon – Gesang auf Track Nr. 2
Marc Almond – Gesang auf Track Nr. 6
Barney Ashton Bullock – Erzählungen auf den Tracks Nr. 1 und 11
