Creye: II
Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 22. 1. 2021
Produktion:
Albumlänge: 42.00 min
Genre: Melodic Rock
Bewertung: 8.0/10
Creye ist eine weitere relativ frische und junge Band des skandinavischen Melodic-Rock- und AOR-Pomp-Revivalismus, die bereits 2018 mit dem Debütalbum »I« auf sich aufmerksam gemacht hat – nämlich mit ihren kompositorischen Qualitäten beim geschickten Verpacken einer mehrfach aufgewärmten Suppe, die in der heutigen Zeit kaum Neues zu sagen hat.
Creye verfügen über einen starken Fokus, der eine große Überzeugungskraft zu entfalten weiß. Der Antriebsmotor dieser Gewissheit sind Leidenschaft und Ehrgeiz des Sextetts. Klanglich lässt sich ihre musikalische Natur schnell zwischen ähnlichen skandinavischen Revivalisten einordnen – etwa Houston, Work of Art, One Desire oder Palace, aber auch dem (international gemischten) Lionville. Auf dem neuen Album hat die Band zudem einen neuen Sänger. Das ist August Rauer, und seine Stimmfarbe ist wie gegossen für den kompositorischen Ansatz der Gruppe.
Mit dem Album »II« hat Creye einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung kompositorischer Reife vollzogen, die das neue Album unter Beweis stellt. Die große Vorhersehbarkeit, die den Inhalt des Produkts kennzeichnet, ist schlicht ein notwendiges Übel, wenn man sich auf das Terrain der AOR-Tradition der Achtziger einlässt – so läuft das eben. Doch die Verpackung ist geschickt recycelt und auf eine Art erneut serviert, die in jeder Hinsicht überzeugt. Besonders in Momenten, die mehr vom dramatischen Theater der Melancholie in sich tragen, wenn die Bombastik der Refrainmelodien eingefangen wird – wie beim Opener Broken Highway oder beim besonders mystisch-erhabenen und herausstechenden Highlight des Albums Siberia, aber auch bei weiteren Tracks wie Can’t Stop What We Started oder Lost Without You. Carry On könnte allein schon wegen seines packenden Refrains auch auf einem der Work of Art-Alben landen. Allerdings gibt es auf dem Album auch Tracks, die ihm den Boden unter den Füßen wegziehen. Sie befinden sich vor allem in der zweiten Hälfte, wo Creye die Klischees allzu sehr in den Vordergrund drängen. Das gilt besonders für die Abfolge der letzten vier Songs: Let the World Know, Closer, The Greatest und War of Love. Das Album »versinkt« dadurch im letzten Teil ein wenig. Deshalb erreicht die erste Albumhälfte mit Kompositionen, die im Recycling erheblich wirkungsvoller und überzeugender ansprechen, ein qualitativ höheres Ausdrucksniveau.
»II« ist jedenfalls ein Werk, das der Szene nichts Neues bringt. Ein schönes Produkt einer jungen Band, die Spaß an ihrem Handwerk hat – und damit ein qualitätvolles, AOR-inspiriertes Melodic-Rock-Produkt abliefert, mit dem Creye reifemäßig eine neue Stufe der Souveränität erreicht haben. Mit »II« haben Creye noch längst nicht das letzte Wort gesprochen. Sie sind eine Band, die ihren kreativen Zenit noch nicht erreicht hat, aber auf einem guten Weg dorthin ist. Es fehlt ihr nicht viel. Noch zwei Studioalben.
Autor: Aleš Podbrežnik
Trackliste:
August Rauer – Gesang
Andreas Gullstrand – Gitarre
Fredrik Joakimsson – Gitarre
Joel Selsfors – Keyboards
Gustaf Örsta – Bass-Gitarre
Arvid Filipsson – Schlagzeug
