Caligula’s Horse: Rise Radiant
Label: Insideout Music
Erscheinungsdatum: 22. 5. 2020
Produktion: Sam Vallen
Albumlänge: 47.46 min
Genre: Progressive Metal/Progressive Rock
Bewertung: 8.0/10
»Rise Radiant« ist das fünfte Studioalbum der australischen Prog-Metaller und gelegentlichen Prog-Rocker Caligula’s Horse und ihr erstes mit dem neuen Bassisten Dale Prinsse, der Dave Couper ersetzt hat. Seit der Unterzeichnung eines Vertrags mit dem Label Inside Out Music im Jahr 2015 hat die Karriere der einstmals kaum bekannten, aber schon damals talentierten Band, die mühelos die Grenze zwischen Prog Metal und Progressive Rock überquert, einen steilen Aufstieg erlebt — heute zählen sie zu den angesehensten Acts in ihrem Bereich. Nach dem exzellenten Vorgänger »In Contact« (2017, RockLine Rezension) haben Caligula’s Horse auf »Rise Radiant« mehr oder weniger die erfolgreiche kompositorische und klangliche Formel wiederholt — was zwar zahlreiche begeisternde Ergebnisse liefert, aber gleichzeitig nichts wirklich Neues bringt, das man in ihrer Musik nicht schon gehört hätte.
Caligula’s Horse ruhen sich auch auf »Rise Radiant« nicht auf ihren Lorbeeren aus, was sie gleich mit dem eröffnenden, kataklysmisch gewürzten Meisterwerk »The Tempest« unter Beweis stellen: Zwischen den glühend heißen Gitarrenpassagen aus den Fingern von Sam Vallen, den melancholischen Vokallinien unter der Regie von Sänger Jim Grey und den explosiven Schlagzeugübergängen von Josh Griffin festigen sie ihren Ruf als Meister des dramatischen Atmosphärenaufbaus. »Slow Violence« ist ein schöner Beweis dafür, dass Caligula’s Horse auch bei der Erschaffung kompakterer, unter fünf Minuten langer Songs nach wie vor sehr überzeugend sind. Diesen Track, der durch dumpfe Gitarrenpassagen und langsame Rhythmen stellenweise an Doom Metal grenzt, rettet vor der Langeweile vor allem ein hervorragender, fast epischer Refrain.
»Salt« enthält äußerst geschmackvolle Gitarrenharmonien beider Gitarristen sowie zahlreiche melancholische, akustisch gefärbte Momente, die die komplexe Atmosphäre dieses ambitionierten Stücks vertiefen. »Resonate« ist eine kurze, melancholische Ballade und dank des elegischen Gesangs und der digitalen Synthesizerklänge der bei weitem un-metallischste Moment des Albums. »Oceanrise« gelingt es auf intelligente Weise, die Brutalität kompromissloser Schlagzeugkanonade und spitzer Gitarrenpassagen mit ätherisch klingenden Vokalharmonien zu verbinden — einem der längst etablierten Markenzeichen von Caligula’s Horse.
»Valkyrie« trägt eine etwas düsterere Atmosphäre mit zahlreichen kompromisslosen Gitarrenpassagen und Schlagzeugstampeden, die allen langjährigen Fans der Band definitiv gefallen werden. Das episch-melancholische »Autumn«, das auch für viele Porcupine Tree-Liebhaber interessant sein dürfte, gehört dank seiner arrangementechnischen und ambienten Eklektizität zweifellos zu den Höhepunkten von »Rise Radiant«. Der Abschlusstrack, das über zehn Minuten lange »The Ascent«, das stellenweise leicht an einige frühere Werke von Opeth erinnert, besitzt eine bewundernswerte Kontrastwirkung zwischen melancholischen und druckvollen Momenten. Es ist das Stück, in das Caligula’s Horse auf »Rise Radiant« am meisten kreativen Elan investiert haben — was vor allem in den kurzen Instrumentalpassagen hörbar wird.
Caligula’s Horse haben mit »Rise Radiant« ein weiteres starkes Album abgeliefert, das den meisten ihrer Fans gefallen wird, die die Viskosität zwischen Prog Metal und Prog Rock lieben — auch wenn es keine klanglichen Neuheiten oder experimentellen Ausreißer bietet und man beim Hören gelegentlich das Gefühl hat, dass die Band sich in einer Art Komfortzone eingerichtet hat, in der sie wohl noch eine Weile verweilen wird. Die größte Stärke von »Rise Radiant« ist seine außergewöhnliche Kohäsion in Sachen Kompositionsqualität, doch sind die meisten Songs nicht so einprägsam wie die des brillanten Vorgängers »In Contact«. Für hochgezogene Augenbrauen wird außerdem das idyllische Cover sorgen, das einen erheblichen Bruch mit den früheren, deutlich kreativeren Caligula’s Horse-Covern darstellt — es erinnert weniger an ein Kunstwerk als an eine Postkarte des örtlichen Jagdvereins.
Autor: Peter „Dr. ProgRock“ Podbrežnik
Tracklist:
1. The Tempest
2. Slow Violence
3. Salt
4. Resonate
5. Oceanrise
6. Valkyrie
7. Autumn
8. The Ascent
Besetzung:
Jim Grey – Gesang
Sam Vallen – Gitarre, „alles andere“
Adrian Goleby – Gitarre
Dale Prinsse – Bassgitarre
Josh Griffin – Schlagzeug
