Erscheinungsdatum: 1978
Label: Charly Records
Produktion: Gilgamesh
Länge: 37:48
Genre: Canterbury Scene/Jazz Rock Fusion
Bewertung: 7.5/10
»Another Fine Tune You’ve Got Me Into« war das zweite und zugleich letzte Studioalbum der 1977 kurzzeitig wiederbelebten Canterbury-Scene-Vertreter Gilgamesh. Keyboard-Meister und Bandchef Alan Gowen reaktivierte die nach dem antiken sumerischen König benannten Gilgamesh nach einer kurzen Episode mit National Health in einer Besetzung mit Gitarrist Phil Lee, Schlagzeuger Trevor Tomkins (ex-Nucleus) und Bassist Neil Murray (ex-Colosseum II, später Black Sabbath, Whitesnake). Letzterer wurde vor Beginn der Aufnahmen zum neuen Album durch den ehemaligen Soft Machine- und Soft Heap-Bassisten Hugh Hopper ersetzt.
Gilgamesh erlebten im Vergleich zum sehr guten gleichnamigen Debüt von 1975 klanglich keine erschütternden stilistischen Veränderungen. Sie spielten weiterhin instrumentalen Jazz Rock Fusion mit subtilen sinfonischen Arrangements, komplexen Rhythmuswechseln und einer durchgehend leicht verträumten Atmosphäre in den meisten Stücken. Trotzdem wurden die meisten Arrangements leichter, die rhythmischen Nuancen weniger komplex und einzelne Ideen weniger interessant — was bedeutet, dass sie in dem Bestreben, ein breiteres Publikum zu erreichen, von denselben Problemen geplagt wurden wie die meisten ihrer Jazz-Fusion-Zeitgenossen damals. Die meisten Stücke wurden diesmal in einem langsameren Tempo gehalten, was die stellenweise ausgesprochen einschläfernde Atmosphäre noch verstärkte.
Auf dem Album gab es kein Stück, das auf irgendeine Weise besonders herausstach — aber auch keinen totalen Rohrkrepierer. »Darker Brighter« bietet eine solide Eröffnung, die irgendwie im Einklang mit den damaligen Jazz-Fusion-Trends steht, wo neben pastellfarbenen sinfonischen Texturen die E-Gitarre eine wichtige Rolle spielte. Zum Glück mied Gowen den Einsatz synthesizer-lastiger elektronischer Texturen, der damals unter Rock- und Jazz-Keyboardern ein verbreiteter Trend war, und schwor größtenteils auf das E-Piano. »Bobberty-Theme From Something Else« ist ein ruhiges, etwas langgezogenes Werk mit verschlafenem Puls, in dem zarte Klavierarrangements mit raffinierten Gitarrenvariationen abwechseln. Zwischendurch schiebt sich das eine oder andere interessante Solo ein, ansonsten dominiert durchgehend eine verträumte Stimmung. »Waiting« ist eine kurze, von klassizistischen Arrangements durchdrungene Klavierelegie, während »Playtime« mit seinen eindringlichen Gitarrenpassagen das melancholischste Stück auf diesem Album ist. »Underwater Song« enthält ein jazziges einleitendes Schlagzeug-Solo, das sich im Weiteren in ein durchaus respektables Fusion-Abenteuer verwandelt.
»Another Fine Tune You’ve Got Me Into« war ein etwas weniger interessantes, aber solides Nachfolgewerk des Gilgamesh-Debüts, mit dem eine kurze, aber unterhaltsame Canterbury-Geschichte zu Ende ging. Das Album erschien nämlich 1978, als Gilgamesh bereits Vergangenheit waren. Anders als viele Zeitgenossen, die nach Jahren der Stille auf die Bühne zurückkehrten, war ihr Abschied endgültig. Gowen, der nach der Auflösung von Gilgamesh erneut mit National Health und Soft Heap zusammenarbeitete, starb zwei Jahre später, 1981, im Alter von gerade einmal 33 Jahren an Leukämie — derselben Krankheit, der 2009 auch Hopper zum Opfer fiel. Im Jahr 2000 erschien bei Cuneiform Records eine Sammlung bis dahin unveröffentlichter Gilgamesh-Stücke aus ihrer Frühzeit unter dem Titel »Arriving Twice«, die Aufnahmen mit Murray in der Besetzung enthält. Ein nahezu identisches Cover — William Blakes Gemälde mit dem Titel ‚Der Geist eines Flohs‘, auf dem ein Teufel dargestellt ist, der aus einer Schüssel Seuchen verstreut — verwendete Bruce Dickinson, Sänger der englischen Metal-Ikonen Iron Maiden, für sein Soloalbum »The Chemical Wedding« (1998).
Autor: Peter Podbrežnik
Tracklist:
1. Darker Brighter
2. Bobberty – Theme From Something Else
3. Waiting
4. Playtime
5. Underwater Song
6. Foel’d Again
7. T.N.T.F.X.
Gilgamesh:
Alan Gowen – Keyboards
Phil Lee – Gitarre
Hugh Hopper – Bassgitarre
Trevor Tomkins – Schlagzeug