Erscheinungsdatum: 22.03.1975
Label: Harvest Records
Produktion: Soft Machine
Länge: 41:55
Wertung: 9/10
»Bundles« war das achte Studioalbum in der Geschichte von Soft Machine und brachte eine große Veränderung mit sich, denn es war ihr erstes Album mit einem Gitarristen in der Besetzung. Soft Machine hatten zwar bei ihrer Gründung 1966 mit dem legendären australischen Musiker Daevid Allen einen Gitarristen in ihren Reihen, mit dem sie die Single »Love Makes Sweet Music« (1967) aufnehmen konnten, doch Allen, der später die internationalen Aushängeschilder der Canterbury-Szene Gong gründete, musste die Band 1967 aus einem ziemlich banalen Grund verlassen. Für kurze Zeit übernahm 1968 der spätere The Police-Gitarrist Andy Summers seinen Platz, der jedoch nach wenigen Monaten aufgrund interner Unstimmigkeiten die Band wieder verlassen musste.
Soft Machine, die sich in den folgenden Jahren von psychedelisch-rockigen bzw. Prog-Rock-Pionieren zu einer instrumentalen Jazz-Fusion-Band gewandelt hatten, waren seitdem ohne Gitarristen. Gründungsmitglied Mike Ratledge und Multiinstrumentalist Karl Jenkins, die zentralen Soft Machine-Komponisten, entschieden 1975, dass es an der Zeit sei, die Gitarre in ihren Sound zurückzubringen. Sie luden den bereits etablierten Gitarrenvirtuosen Allan Holdsworth ein, der sich zuvor in den Bands Igginbottom, Ian Carr’s Nucleus und Tempest bewährt hatte. Mit seinem Eintritt bestanden Soft Machine – mit Ausnahme von Ratledge – ausschließlich aus ehemaligen Nucleus-Mitgliedern, obwohl »Belladonna«, das einzige Nucleus-Werk mit Holdsworth, als Soloalbum von Nucleus-Chef Ian Carr veröffentlicht worden war.
»Bundles«, das einzige Soft Machine-Studioalbum mit dem Gitarrenmeister Holdsworth als offiziellem Mitglied – einem der besten englischen Jazz-Rock-Gitarristen aller Zeiten – war ein noch zugänglicheres und melodischeres Werk als der Vorgänger »Seven« (1973), und das Tempo der meisten Stücke war noch höher. In dieser Zeit hatte Jenkins die kompositorische Kontrolle über die Band fast vollständig übernommen, während Ratledge, das letzte Originalmitglied, zunehmend an den Rand gedrängt wurde und zu »Bundles« lediglich zwei ziemlich kurze Kompositionen beisteuerte. Es wurde immer deutlicher, dass die Band einen Keyboarder zu viel hatte und sich jemand verabschieden musste – zugleich hatte Holdsworths Gitarre, die auf »Bundles« in Hülle und Fülle zu hören ist, viel von dem Raum eingenommen, den einst Ratledges Keyboards ausgefüllt hatten.
Den Charakter der meisten »Bundles«-Stücke spiegelt hervorragend der eröffnende Energieschub »Hazard Profile Part 1« wider, der erste Teil der »Hazard Profile«-Suite, die in fünf Teile aufgeteilt ist und bei der Soft Machine sich erstmals mit einem angereicherten Sound aus kraftvollen Gitarrenpassagen präsentieren. Diese liefern sich zwischen wilden Schlagzeugübergängen ständig ein Gefecht mit schweren Orgelschichten. Die »Hazard Profile«-Suite wurde der besseren Zugänglichkeit halber in mehrere Teile aufgeteilt und ist das zentrale »Bundles«-Stück, in dem Holdsworths flinke Gitarrenkapriolen am meisten begeistern. Das Titelstück, das mit einigen Werken von Nucleus und Return to Forever vergleichbar ist, enthält eine geheimnisvolle Atmosphäre sowie zahlreiche komplexe Schlagzeugübergänge aus John Marshalls Feder, während ein melancholisches Gitarrensolo das i-Tüpfelchen setzt.
»Land of the Bag Snake«, das ebenfalls von einer überaus abwechslungsreichen Atmosphäre geprägt ist, ist durchzogen von saftigen Gitarrenpassagen des verstorbenen Gitarrenvirtuosen sowie subtilen Keyboard-Arrangements. Es folgen zwei ziemlich kurze Kompositionen von Ratledge: der Klassiker »The Man Who Waved at Trains« und die E-Gitarren-Kataklysmik »Peff«, die atmosphärisch hervorragend mit dem »antiquierten« Cover dieses Albums harmonieren. »Four Gongs Two Drums« ist Marshalls Soloeinlage, bei der er sich – dem Titel entsprechend – auch mit Gongs austobt. Der ambient ausgerichtete Abschluss »The Floating World« mit sanften Keyboard-Arrangements und subtiler Gastflöte von Ray Warleigh erinnert ein wenig an einige Werke der Gruppe Jade Warrior, die 1974 ein gleichnamiges Album aufgenommen haben.
Allan Holdsworth war der entscheidende Grund, warum »Bundles« heute zu den Klassikern des englischen Jazz-Rock-Fusion zählt. Trotz der Tatsache, dass »Bundles« als Ganzes ein hervorragendes Werk und einer der Höhepunkte der Soft Machine-Diskografie war – mit einer gelungenen Integration der Gitarre in ihren Sound –, gelang es den englischen Prog- und Fusion-Pionieren damit nicht, ein breiteres Publikum zu erreichen. Gleichzeitig schafften sie kommerziell keinen Durchbruch in die »erste Liga« des angesehensten, gitarrenorientierten Jazz-Fusion im Stil von Mahavishnu Orchestra oder Return to Forever in deren besten Jahren. Holdsworth, der als Gastmusiker auf dem letzten Soft Machine-Studioalbum »Land of Cockayne« (1981) zurückkehrte, verabschiedete sich noch vor Beginn der Aufnahmen zum nächsten Album »Softs« (1976) und begeisterte weiterhin als Mitglied von Gong, Bruford und U.K. sowie mit einer außergewöhnlichen Solokarriere. Als sein Nachfolger wurde John Etheridge (ex-Icarus, Darryl Way’s Wolf) verpflichtet.
avtor recenzije: Peter Podbrežnik
seznam skladb
1. Hazard Profile Part One
2. Hazard Profile Part Two
3. Hazard Profile Part Three
4. Hazard Profile Part Four
5. Hazard Profile Part Five
6. Gone Sailing
7. Bundles
8. Land of the Bag Snake
9. The Man Who Waved at Trains
10. Peff
11. Four Gongs Two Drums
12. The Floating World
glasbeniki
Mike Ratledge – Keyboards
Karl Jenkins – Keyboards, Oboe, Sopransaxofon
Allan Holdsworth – Gitarre
Roy Babbington – Bassgitarre
John Marshall – Schlagzeug, Perkussion
Ray Warleigh – Altflöte und Bassflöte auf „The Floating World“